Quo vadis, Webvideo?
Allerortens werden Webinvestitionen zurückgefahren, nicht wenige Online-Redaktionen pfeiffen aus den letzten Löchern. Und doch: Webvideo ist da, wird nicht mehr weggehen und könnte den Medienhäusern in Zukunft den einen oder anderen Euro in die Tasche spielen.
Nur wie?
Lange Zeit habe ich davon geträumt: Mobile Multimedia-Journalisten flitzen mit Videokamera, Handy und Laptop durch die regionale Weltgeschichte. Liefern hyperlokalen Multimedia-Content ab, zukunftsfähiger kann sich ein Medienhaus nicht aufstellen.
Bescheidenheit
Aber in der schwersten Wirtschafts- und Medienkrise seit anno Schnüff wird auch der Videopunk genügsamer. Geld für feschen Video-Schnickschnack wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Nicht ohne funktionierendes Erlösmodell. Solange es noch nicht soweit ist, müssen wir kleinere Brötchen backen.
Alle müssen mit anpacken
Nun mögen mich alle Kollegen Lügen strafen, mich teeren und federn.
In möglichst baldiger Zukunft muss jeder Print-Journalist dem Umgang mit Webvideo lernen. Ich erwarte von den Kollegen keine VJ-esken Beiträge, nein nicht einmal ausufernden Videoschnitt. Doch sollte sich jeder Printler bewusst sein, dass das Drehen von Video-Schnippseln und einfachen Interviews demnächst zum Redaktionsalltag gehören wird.
Es hat Flip gemacht
Noch nie waren die Einstiegskosten für Bewegtbild im Netz so günstig wie heute. Die wunderbaren Mini-Videokameras ala Flip kosten unter 200 Euro, die Bedienung erlaubt praktisch keine Fehler. Was spricht also dagegen, zu jedem Außentermin eine Mini-Kamera mitzunehmen und loszudrehen?
(siehe auch Interview mit mir bei turi2)
Schongang adé
Nochmal: Die multimediale Schonfrist für Zeitungsjournalisten ist vorbei. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Videokameras ebenso zur Grundausstattung gehören wie Stift und Notizblock. Wer sich dessen verweigert, sollte lieber heute als morgen über einen Job als Bratwurstverkäufer in der Bochumer Innenstadt nachdenken.



