Konfuzius (hätte ge-)sagt: "Das Internet bietet unendlich viele Wege. Gerade deshalb wähle deinen Weg weise."
Als Videojournalist liegen meine Stärken in der beweglichen Kamera. Ich bin ungebunden, nah am Subjekt meiner Geschichte. Ja, manchmal darf ich sogar Teil dieser werden. Die Entscheidung treffe ich. Kein Kameramann, kein Redakteur, kein Autor. Ich bin ich selbst.
Meine Schwächen beginnen dort, wo die Stärken der Anderen aufblitzen. Aufwändige Drehs, bei denen Weitwinkel wichtiger als die Nahaufnahme ist. Situationen, in denen ich aus wenigen Bildern eine Geschichte erzählen muss.
Als Online-Journalist liegen meine Stärken in der Freiheit des Mediums. Ich muss mich keinem Sendeschema beugen. Weder inhaltlich, optisch noch zeitlich. Im Internet bin ich mein eigener Promoter. Ich spiele die Videos dort aus, wo mein Publikum sitzt.
Meine Schwächen beginnen dort, wo ein großer Stab an redaktioneller Hilfe nötig wird. Ich stehe unter permanentem Zeitdruck. Das Internet sendet immer, sofort. Arbeitsteilung ist ein Fremdwort. Online bist du am Ende immer allein.
Was heißt das für Online-Videojournalisten?
Ein paar Thesen:
- 1. Arbeitsökonomie ist der Schlüssel zum Erfolg. Es geht darum, das richtige Mittelmaß an Qualität und Quantität in der Produktion zu finden.
- 2. Verabschiede dich von den großen Themen. Konzentriere dich auf dein wichtigstes Merkmal. Die Nähe zum Subjekt.
- 3. Nutze die Freiheit des Mediums. Jedes Video ist ein neues Experiment. Spiele.
- 4. Sei Teil deines Publikums. Gehe auf die Wünsche deiner Zuschauer ein. Beantworte ihre Fragen. Diskutiere mit.
- 5. Nutze nicht einen Kanal, nutze alle. Es ist unwahrscheinlich, dass jemand beim Web-Zapping auf deinem Programmplatz 8923694869 hängenbleibt. Wie wäre es damit, einigen der vorigen 8923694868 Kanälen dein Video anzubieten? Der große Internet-Manitu hat nicht umsonst YouTube, Sevenload, Vimeo und Co. geschaffen.
Und konkret?
- 1. Setze dir für jede Beitrags-Produktion eine Zeitgrenze. Drehe auf Punkt, schneide so aufwändig wie nötig, nicht wie möglich.
- 2. Menschen machen ein Video lebendig. Stelle sie immer in den Mittelpunkt.
- 3. Formate gehören ins Fernsehen, nicht ins Internet. Mache jedes Video einzigartig.
- 4. Nutze die Kommentarfunktion. Zeige deinen Web-Sehern, dass sie dem Video-Macher nicht egal sind.
- 5. Wenn es deine Zeit und dein Chef erlauben, syndiziere dein Video auf Teufel komm raus. Ein gutes Video macht wertvollere Werbung, als die Klicks auf der eigenen Seite jemals einbringen könnten.





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