Ein warmer Herbstsamstag vor dem Heumarkt. Die Polizisten stehen seit Stunden hinter der Absperrung. Auf dem Boden ein Dutzend Zigarettenstummel. Vor ihnen tobt die Meute. Ein junges Mädchen mit einem "Pink"-T-Shirt, ein Mittvierziger in grüner Hose und gelbem Pulli, ein mit Sonnebrille und Kapuze vermummter junger Kerl.
Nur drei von vielleicht 300 Gegendemonstranten an der Bahnstation "Heumarkt". Sie alle haben ein Ziel. "Die Faschos kommen hier nicht durch", sagt einer der Gegendemonstranten und erntet tosenden Applaus. Die immer wieder laut geforderte Sitzblockade hält nur wenige Minuten, schon springen die aufgebrachten Bürger wieder hoch.
Zwei glatzköpfige junge Männer rennen mit voller Wucht über die Menschen hinweg. Ihr Ziel: Der Heumarkt, die Kundgebung zum "Anti-Islamisierungskongress". Das "Pink"-Mächen schreit sich die Seele aus dem Leib. "Fuck Nazis!" Der Mittvierziger schlüpft aus dem Gerangel in Richtung Polizei. Und der vermummte Junge schlägt zu.
Die Solidarisierung funktioniert. Niemand hält die schwarze Fraktion auf. Auch nicht, als sie Polizisten mit Eiern und gefüllten Wasserflaschen bewerfen. Die Staatsmacht zückt die Knüppel. Ein Polizist setzt Tränengas ein. Und trifft einen lauthals schreienden Türken.
Wenige Minuten später in einer Seitengasse. Der junge Türke wird von anderen Gegendemonstranten versorgt. Augen ausspülen. "Das nimmt dir für die erste Zeit die größten Schmerzen."
Die Polizei greift härter durch, die Blockade wird gefestigt. Vier Reihen Gesichter versperren den Weg. Viele bunte Farben. Aber kein Lächeln.
300 Menschen sind eingekesselt. Von hinten drücken die Demonstranten, vorne verwehrt die Blockade den Weg zum Heumarkt. Wir Journalisten sind gefangen. Das Wedeln mit dem Presseausweis erntet nur höhnisches Gelächter. "Wir sind eine Sitzblockade! Wir sind eine Sitzblockade!" Der Mittvierziger stimmt ein.
"Bist du ein Nazi", fragt mich das "Pink"-Mädchen - die Menge verstummt. "Nazis kriegen was auf die Fresse", schreit der vermummte Junge. Der Mittvierziger klatscht Beifall. Rückzug, zumindest ein paar Meter. Eine Zigarette rauchen. Ein Journalist des italienischen Fernsehsenders "Rai" will sich nicht abweisen lassen. "Ich muss da durch, ich muss arbeiten", sagt er in gebrochenem Deutsch. Die Menge hat ihren vermeintlichen Nazi gefunden. Der schwarze Block stürmt heran, der Journalist flüchtet durch die Menge nach hinten.
Selbst als die Polizei wenige Minuten später das Verbot des Kongresses verkündet, bleibt die Blockade bestehen. "Wir warten bis wir zum Heumarkt kommen", brüllt jemand in ein Megaphon. "Wir zeigen, dass der Heumarkt uns gehört." Die Polizei rückt mit einem Wasserwerfer an. Die Blockade steht.
Etwa 50 Meter hinter uns ertönt Gesang. Straßenmusikanten feiern den Sieg über den braunen Mob. Das Mädchen mit dem "Pink"-Shirt, der Mittvierziger und der vermummte Junge. Sie alle stehen Seit an Seit im Publikum und wippen friedvoll im Takt zur Musik.
So endet ein warmer Herbstsamstag am Kölner Heumarkt.





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