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Nachbetrachtung 2: Der Inhalt

Das Live-Experiment war nicht nur technisch Neuland für mich: Gerade der Inhalt beschäftigt mich noch immer aus journalistischer Sicht.

 

Zunächst einmal: Was haben wir? Einige Fotos auf Twitpic, ein paar Textnachrichten auf Twitter und 13 Videos auf Qik.

 

Während ich bei Text und Fotos keine Beanstandungen habe, muss ich bei den Videos Einschränkungen machen.

 

Warum?

1. Ethisch gesehen sind einige Videos grenzwertig. Sie zeigen sowohl die Linken als auch Rechten in Aktion. Damit bieten wir den Extremen eine prominente Plattform.

2. Es fehlt die journalistische Einordnung, z.B. durch Reporter-Ansagen vor und/oder nach der Aktion.

3. Live ist nicht gedreht. Live-Senden erfordert gänzlich andere Regeln als das Produzieren von Videos für das spätere Online-Stellen.

 

Zu 1: Ich habe bewusst auf das Filmen von Propaganda verzichtet. Das heißt: Kein simples Filmen der Parolen. Allerdings ist Live wirklich hautnah und dadurch nur schlecht zu kontrollieren.

 

Zu 2: Bei "ungefährlichen" Veranstaltungen halte ich Reporter-Ansagen für sinnvoll. In Dortmund sah das anders aus: Die Situationen erforderten unmittelbares Handeln (also Filmen), Einordnen in den Kontext war nicht einfach möglich. Es fehlte zu jeder Zeit an nachprüfbaren Informationen. Zudem war die gesamte Situation wahrlich gefährlich. (Zu meinem Erlebnis mit den "Journalisten-Jägern" der Nazis gesondert mehr).Weitere Möglichkeit: Das Einordnen mittels "Off-Text" vom Reporter aus dem Hintergrund. Hier kommt aber die technische Seite zum Tragen. Mangels Mikrofon und extrem lauter Kulisse wären die Sätze unverständlich gewesen.

 

Zu 3: Unkontrollierbar. Spontan. Unperfekt. Das ist live. Das Schaffen von kontrollierten Situationen ist gerade als Einzelkämpfer nahezu unmöglich. Irgendjemand huscht immer durchs Bild, brüllt von der Seite Parolen usw.

 

Warum dann "live"?

 

Ich sehe die kleinen Live-Schnipsel als sinnvolle Ergänzung zum normalen Angebot, dass ein Internet-Portal liefert (Fotos, besonders Text). Wir können hier unsere Echtzeit-Stärke ausspielen. Und das mit deutlich weniger Aufwand als z.B. der WDR. Auch wenn darunter gewisse Qualitäten leiden, ist es ein deutlicher Mehrwert für den Nutzer. Und: Wir lernen aus unseren Fehlern.


Was wenn nicht?

 

Aber was ist, wenn sich einige Probleme (technisch- oder situationsbedingt) nicht lösen lassen? Sollten wir dann auf derartige Live-Videos verzichten?

 
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