Das aktuelle Wetter NRW 22°C

Endstation Essen

15.30 Uhr. Ich bin spät dran. Will den nächstbesten Zug nach Dortmund erwischen. Auf die Loveparade. Feiern. Mit der Masse mitschwimmen. 15.45 Uhr am Hauptbahnhof Essen. Ich quetsche mich neben der halben Ruhrgebietsbevölkerung  in einen Wagon. Schweißperlen rinnen mir über die Stirn. Es stinkt. Urin, billiger Fusel und noch billigeres Parfum. Wir stehen aneinandergeklebt im Gang. Die Bahn ruckelt los.

Link: sevenload.com

 

 

 

Nächster Halt: Essen-Steele. Sauna-Gefühle. Jetzt eine Zigarette. Scheiss auf die Verbote. Heute bricht jeder die Regeln. Niemand meckert. Ich bleibe nicht lange allein im Raucherclub.

 

16:10 Uhr. Die Zugtüren öffnen sich. Mein Kreislauf jubelt. Die ersten Raver verlassen das Abteil. Ratlosigkeit. Plötzlich leert sich der Zug. Umsteigen sollen wir, in den Zug auf dem Gleis gegenüber. Falsche Fahrtrichtung.

 

Zurück, wir müssen zurück. Zum Hauptbahnhof. Oberleitungsschaden auf der Strecke Richtung Dortmund. Das Aus?

 

Der Essener Hauptbahnhof ist gerappelt voll. So überfüllt, dass die Polizei binnen weniger Minuten die meisten Gleise sperrt. Mit verschränkten Armen stehen sie vor den Treppenstufen. Wer durchwill, muss ein sehr gutes Argument haben. "Loveparade" ist definitv keines. Wie, wann, wo es weitergeht - niemand weiß Bescheid.

 

Die Polizei verstärkt sich. Mit Blaulicht rasen sie heran, Schutzwesten am Mann, Walkie-Talkie an der Frau. Sichtlich genervt.

 

An der Rückseite des Bahnhofes stauen sich die Menschen und entladen ihre Gemüter. Die Taxi-Fahrer reiben sich - keine Redewendung - die Hände. 60 Euro, dafür gibt's ein Taxi nach Dortmund. Eine halbe Stunde später sind es schon 70. Wenig später 80 Euro. Bis dann keine Taxis mehr da sind.

 

Die Bahn hat Sonderbusse organisiert. Ohne Angabe des Ziels. Die Menge munkelt, es gehe nach Gelsenkirchen. Gibt es eine Ausweichstrecke? Warum wissen wir Volk nichts davon? Die liebe Bahn: Sie geizt mal wieder mit Infos. Auf der blauen Anzeigetafel tickern noch die Fahrten von 15.15 Uhr. Verspätung: 140 Minuten. Ja klar.

 

Eine Zigarettenpause später wird der Bahnhof zum Polizeistaat. Mit verschränkten Armen (Lieblinspose?) riegeln die Beamten den Zugang ab. Kurzer Anruf bei der Polizei-Pressestelle: Personen auf den Gleisen. Der Frust sitzt tief. Immerhin verpassen gerade Tausende die größe Loveparade aller Zeiten.

 

17.30 Uhr. Ich packe meine Kamera ein, telefoniere ein letztes Mal mit der Pressestelle der Bahn in Berlin. Es soll gleich wieder losgehen. Die Strecke sei wieder frei. Auch wenn nun erstmal der Stau zwischen Essen und Dortmund abgearbeitet werden müsse. Ich solle noch etwas Geduld haben.

 

Danke, nein. Meine Endstation bleibt heute Essen.

 
Diesen Artikel bookmarken?

0 Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.derwesten.de/services/trackbacks/blogs/6021950/create

0 Kommentar