Dem klassischen Fernsehen stehen schwere Zeiten bevor. Dies zeigt sich nicht nur in den mittlerweile weltweit sinkenden Nutzungszahlen des Noch-Leitmediums unserer Tage. Auf der Branchen-Messe IBC in Amsterdam treffen sich alljährlich die großen und kleinen Fernsehsender dieser Hemisphäre. Und noch nie zeigten sich die Sender derart einfallslos.
Abgesoffen
Nun steht die IBC nicht im Ruf, der Quell großer Innovationen im inhaltlichen Bereich zu sein. Der angekündigte Schwerpunkt auf "neue Medien", sprich IP-TV und Mobile-TV, ließ zumindest Eckpunkte einer zukunftsfähigen Strategie erwarten. Doch die Innovationsfreude muss bei einer Grachtentour über Bord gegangen sein.
Technik first
Zwei Tage unterhielten sich Macher und Schaffer vor Messestart über die Chancen des Internets für etablierte Fernsehsender. "Future of the content", lautete die großspurige Ankündigung des Kongresses, ohne später die Bedeutung des Inhalts auch nur in den Mund zu nehmen. IP-TV und Mobile-TV sind nur ein weiterer Distributionsweg. Mit potenziell riesigen Erlösen und neuer Kundschaft. Über das was "Content" genannt wird, herrscht erschreckende Einigkeit.
Keine Angst vor niemanden
Die Branche will weiterhin auf überproduzierte Formate mit Massenappeal setzen. "Qualität hat ihren Preis", lautet denn auch das gemeinsame Credo. Einen Preis, den der Zuschauer gefälligst zu zahlen habe. Hier schließt sich der Kreis zum IP-TV und durch Abogebühren finanzierte Geschäftsmodelle.
Schreckgespenst YouTube und unabhängige Video-Produzenten bereiten deswegen den Profis am Ende des Kupferkabels keine Sorgen. Die Zugriffszahlen seien enorm, die Qualität aber keine ernsthafte Konkurrenz. Sowohl vom technischen als auch vom inhaltlichen Standpunkt.
Erkaufte Freiheit
Der Trend, geht es nach der Fernsehbranche, liegt weiterhin bei Set-Top-Boxen. Das interaktive Potenzial wird in den Himmel gelobt, bedeutet bei näherem Hinsehen aber nur die Freiheit des Zuschauers über die "Start"- und "Stopp"-Taste der Fernbedienung.
Diese neue Freiheit wird sich der Zuschauer mit schärferen Kontrollen erkaufen müssen. Die neuen Distributionswege bedeuten für die Branche mehr Piraterie. Crossmediale Wasserzeichen sollen den Content-Diebstahl eindämmen. Für die Massenmedien geht es weiterhin um Klicks/Quote statt Reichweite.
Chance für Zeitungsverlage
Einziger Lichtblick gerade von einem Dinosaurier der Branche. Sheau Ng, Vizepräsident Consumer & Broadcast Technology des US-Riesen NBC-Universal, gesteht den Web-Produzenten, darunter den Tageszeitungen, wenigstens etwas zu: "Little boutiques for web-video rather than big walmarts." Wann NBC sich den Einstieg in den Nischenmarkt vorstellen könnte? "Vielleicht in fünf bis zehn Jahren."
Ob der Konsument so lange auf das Erwachen der TV-Branche warten wird, wage ich zu bezweifeln.





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