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Der unkalkulierbare Mehrwert

Ich ärgere mich oft - manchmal tagein tagaus - über die Borniertheit, die Sturheit, die Langsamkeit deutscher Medien. Volltrunken angesichts ihres zurückliegenden Informationsmonopols taumeln sie durch die Landschaft und krachen mit schöner Regelmäßigkeit voller Wucht gegen so manche Innovationsmauer.

 

Als wenn das Internet nicht schon böse genug sei, manifestiert sich der Hass aufs Neue zunehmend auf die alten neuen Medien im Netz. Video? Teuer, unnütz, kriegen wir für einpaareurofuffzich doch von der Nachrichtenagentur.

 

Dabei bietet sich im Web-Video-Bereich die große Möglichkeit, die Marke nach außen zu tragen. Videos werden sich auf lange Sicht nicht refinanzieren, vielleicht niemals. Wer etwas anderes erzählt, macht dies absichtlich aka lügt - oder hat schlicht und ergreifend keine Ahnung.

 

Der Mehrwert unserer Arbeit lässt sich schlecht in Zahlen fassen. In jeder Klickliste kommen wir nur auf den hintersten Plätzen vor, was auch potenzielle Werbekunden vorsichtig werden lässt. Aus journalistischer Sicht werden Web-Videos ohnehin nicht ernst genommen. "Zu kurz, oft zu bunt, zu emotional und wo bleiben die Informationen?"

 

Wie sollten Redaktionen nun den Erfolg eines Videos planen?

 

Mein Vorschlag: An der realistischen Reichweite.

 

Auch wenn das Internet unseren Alltag längst durchdrungen hat, ist es kein klassisches Massenmedium. Der Konsument von heute geht viel differenzierter und gezielter auf Informationssuche. Nicht umsonst wird das Internet als Marktplatz für Nischenprodukte beschworen.

 

Was bedeutet dies für Web-Videos?

 

Zunächst gilt es, eine Nische zu suchen. Der x-te Aufguss einer Messe-Berichterstattung bringt die zu erwartenden Klicks - ordentlich. Aber keinerlei Nachhaltigkeit. Warum also den Massenmedien hinterherhecheln?

 

Ein Ansatzpunkt mag das oft gescholtene "Lokale" sein. Zumal sich dort besonders gut die realistische Reichweite messen lässt.

 

Ein Beispiel: Dieses Video der Lokalsportredaktion im Sauerland hat stolze 1000 Web-Seher erreicht. Nun waren einige hundert Zuschauer vor Ort, das Interesse an der Partie (Amateur-Fußball) kann sich nicht mit einem Bundesliga-Spiel des BVBs messen. Und dennoch haben 1000 Menschen (zumindest Unique Visitors) den Weg zum Video gefunden.

 

Nische bedeutet auch, der Jugend eine Stimme zu geben.

 

Beispiel: Hier gibt's ein kleines Interview mit einer lokalen Band. Für den typischen Zeitungsleser vollkommen uninteressant, nach Bekundungen der Band selbst aber eine "Ehre". Blicken wir auch hier auf die Zahlen, fallen zunächst die ernüchternden "nur" 600 ins Auge. Das Ínteressante ist hierbei die Zielgruppe, die (siehe Kommentare) und externe Verlinkungen (myspace-Profil etc.) sich angesprochen fühlt.

 
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