„Steigt doch bitte endlich ab“, hätte ich den VfL-Verantwortlichen nach der erbärmlichen Nicht-Leistung von Köln gerne geraten. „Meldet die Mannschaft vom Spielbetrieb ab und erspart uns und Euch drei weitere Grusel-Spiele!“ – Köln war nicht nur irgendeine Niederlage kurz vor Saisonende, sondern ein absoluter Tiefpunkt. Es geht um alles und die Mannschaft zeigt: gar nichts. Kein Kampf, kein Mut, keine Struktur. Unfassbar. Und unverzeihlich. Selbst beim schwachen Auftritt in Freiburg hatte sich das Team wenigstens ansatzweise gewehrt. Damals dachte ich: Geht eigentlich nicht schlechter. Irrtum! Geht doch schlechter. Man kann ja verlieren, meinetwegen auch gegen das Trümmerteam aus der Domstadt, aber auf keinen Fall so. Ich kann´s immer noch nicht glauben und es tut immer noch weh.
Grundsätzlich halte ich nichts davon, nach jeder Niederlage auf Mannschaft und Trainer einzudreschen. Die üblichen negativen Reflexe (z.B. in Foren) sind meist undifferenziert und greifen zu kurz. Inzwischen ist aber die Grenze des Zumutbaren deutlich überschritten. Wie bei einem Boxer, der einen Schlag zuviel abbekommen hat und jetzt nicht mehr hochkommt. Es reicht einfach. Bitte einmal das weiße Handtuch werfen! Das Perverse an der augenblicklichen Situation ist jedoch der tatsächliche Tabellenstand. Köln war für mich ein gefühlter Abstieg. Tatsächlich aber stehen wir momentan – Ironie des Schicksals!– noch nicht einmal auf einen Abstiegsplatz. Die Relegation und sogar der direkte Klassenerhalt, alles noch drin! Ist einem fast schon peinlich, über dem Strich zu stehen. Verdient hätten wir den Ligaverbleib in der derzeitigen Verfassung definitiv nicht, aber wer fragt schon danach. In der Bundesliga kannst Du neun Spiele hintereinander nicht gewinnen oder in einem Spiel sieben Stück fangen und trotzdem drinbleiben. Spricht nicht für die Qualität der Liga.
„Fußball ist keine Mathematik“, meinte Killerkalle einst und hat damit natürlich vollkommen unrecht. Fußball ist für alle Kellerkinder derzeit in der erster Linie Statistik für Fortgeschrittene. Wie viele Punkte braucht es noch für den Klassenerhalt, wie spielen die Anderen und reicht es am Ende vielleicht noch für den Relegationsplatz? Diese Was-wäre-wenn-Rechenspiele machen einen wahnsinnig und lassen gleichzeitig doch hoffen.
Hoffnung ist also noch da, aber ich weiß nicht, ob das eine gute oder schlechte Nachricht ist. Natürlich möchte ich in der nächsten Saison nicht sonntags um 13.30 Uhr bei 1860 spielen, sondern weiterhin samstags um 15.30 Uhr gegen die Bayern. Aber vielleicht wäre ein Abstieg auch ein Akt der Selbstreinigung und Erneuerung. Ein Ende, kein schönes, aber wenigstens ein Ende. Als Fan des VfL hat man eben kein unbefristetes Erstliga-Abo. Immer auf´s Neue Hoffnung aufbauen, um dann doch wieder enttäuscht zu werden, kostet viel Kraft und zermürbt auf Dauer. Jetzt also Stuttgart. Der Kopf sagt: „Gegen den VfB haben wir keine Chance.“ Der Bauch meint: „Im Abstiegskampf passieren an den letzten Spieltagen manchmal seltsame Dinge ...“ – Geht das schon wieder los. Ich wünschte, das Spiel wäre schon vorüber.
Ich erwarte für den Freitag gar nichts, finde es angemessen, der Mannschaft für die ersten 18:48 Minuten die Unterstützung zu verweigern, werde dann meine letzten Reserven mobilisieren und hoffe auf einen Ausraster des Schalkers im Tor. Und auf ein Wunder.





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