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Winning ugly vs. Joga bonito

Am Montagabend, so gegen 22 Uhr, musste ich plötzlich an Brad Gilbert denken. An jenen ehemaligen Tennisprofi, der ein viel beachtetes Buch mit dem schönen Titel „Winning ugly“ geschrieben hat. Im Kern geht es dabei um psychologische Kriegsführung und „dreckige“ Siege im Tennissport. Außer dem Macho-Rempler von Malte sind mir beim VfL-Auftritt in Augsburg zwar keine Psycho-Tricks aufgefallen, dafür war das 1-0 ein ganz besonders schmutziger Erfolg.


Als neutraler Anhänger hätte ich mir derartigen Rumpelfußball wohl nicht länger als 30 Minuten angetan. Zugegeben, der Rasen war arg ramponiert und keine der beiden Mannschaften wollte sich in diesem wichtigen Spiel eine Blöße geben. Die Teams neutralisierten sich und spielten Rasenschach. Augsburg hatte im ganzen Spiel keine einzige echte Torchance, wir eigentlich auch nicht. Und gewinnen trotzdem. Aus VfL-Sicht macht es natürlich durchaus Freude, wenn man ein Abwehrbollwerk bestaunen kann, an dem sich die Gegner die Zähne ausbeißen. Es spricht auch für die Entwicklung der Mannschaft, dass der eine jetzt den Fehler des anderen ausbügelt und die Löcher stopft. Und natürlich war es nach Ingolstadt allzu verständlich, dass Funkel die zuvor erschreckend löchrige Defensive stabilisiert und Beton anrührt. Die Defensive ist die Basis – dagegen ist auch wenig einzuwenden.


Gleichzeitig muss die Anmerkung erlaubt sein: Schön anzusehen ist das alles nicht. Vor allem auswärts wird schwere Kost serviert.


Wir spielen mit drei Sechsern, die zwar nicht auf einer Linie agieren, aber überschaubare spielerische Qualität haben. Johansson spielt gern quer, Dabro lässt die Bälle prallen und Vogt probiert ab und an mal den vertikalen Pass. So sieht unsere Zentrale aus. Auf den Außenpositionen ist Aza wieder im Aufwind, Federico wird aber im Leben kein Außenspieler mehr und Saglik ist immer noch nicht so richtig angekommen. Die Gleichung „Hinten sicher stehen + individuelle Qualität vorne + etwas Glück = 3 Punkte“ ist zuletzt sieben Mal aufgegangen. Respekt dafür. Aber ein bisschen mehr „Joga bonito“ (schönes Spiel) wäre nicht verkehrt.


Die Chancen dafür stehen jedoch gar nicht so schlecht. Mit dem Selbstbewusstsein der letzten Wochen spielt es sich gewiss leichter. Zudem hat Funkel mit Korkmaz und Aydin weitere interessante Spieler in der Hinterhand. Vielleicht ringt sich der Trainer gegen die „Kleinen“ aus Oberhausen und Bielefeld gar zu einem Systemwechsel durch. Statt 4-1-4-1 vielleicht mal eine Aufstellung mit zwei Stürmern? Dann könnte Federico endlich die Position einnehmen, die am besten zu ihm passt: Hängende Spitze. Und ein frühes Tor für uns würde natürlich viel „Dreck“ aus dem Spiel rausnehmen. Dann entstehen Räume und auch ein Gegner, der gar nicht mitspielen möchte, muss etwas riskieren.


Ob sauber oder schmutzig, hübsch oder hässlich: Am Ende des Tages zählt natürlich nur der Erfolg. Wenn Funkel hinten dicht macht und vorne mit einem goldenen Händchen weitere Dreier erzwingt, dann hat er alles richtig gemacht. Und alles andere sind Luxusprobleme. Aber schön, dass man wieder auf einem derart hohen Niveau jammern kann!

 
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