Es war einmal ein Fußballer, der vor gar nicht allzu langer Zeit bei einem Verein im Revier spielte. Bei den Kollegen war er anerkannt und auch die Fans mochten ihn. Dieser Kicker trug einen handelsüblichen deutschen Vornamen, den allerdings niemand benutzte. Stattdessen hatte man ihm einen ausgefallenen Spitznamen verpasst, der auf seine Äußeres anspielte. Nach dem Ende seiner Karriere tauschte unser Mann Trikot, Hose und Fußballstiefel gegen Businessanzug und Laptop. Er wechselte ins Management seines Vereins und plötzlich war alles anders. Die Fans jubelten ihm nicht mehr zu, sondern kritisierten den Ex-Profi. Die Transferpolitik? Eine Katastrophe! Die Außendarstellung? Ein kommunikatives Armutszeugnis! Einige forderten gar seine Entlassung.
Den Wechsel vom grünen Rasen in die Vereinsführung hatte sich unser Kicker etwas anders vorgestellt. Aber er steckte nicht auf. Nach einer Weile fand der Verein unseres Neu-Managers wieder in die Erfolgsspur zurück. Die Neuverpflichtungen erwiesen sich als Verstärkungen und immer weniger Anhänger beklagten sich über das Auftreten des ehemaligen Profis. An dieser Stelle endet das Märchen zunächst. Ob alle glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage lebten, ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch die Hauptfigur dieser kleinen Geschichte: Es handelt sich um Michael „Susi“ Zorc.
Oder vielleicht doch um Thomas „Gustl“ Ernst? Parallelen zur Funktionärs-Karriere des BVB-Sportdirektors drängen sich mittlerweile auf. Unser „Vorstand für Sport und Medien“ war mir als Spieler immer sehr sympathisch gewesen. „Gustl“ war selten überragend, aber meist zuverlässig und immer unaufgeregt und bescheiden. Außerdem werde ich ihm nie vergessen, dass er – im Trikot des VfB Stuttgart – mit einem verunglückten Harakiri-Dribbling gegen Hashemian nicht unwesentlich zum Klassenerhalt des VfL in der Saison 2002/2003 beitrug. „'Gustl' ist ein Bochumer“, schallte es seinerzeit aus der Ostkurve.
Im Jahr 2008 kehrte Ernst dann als Manager nach Bochum zurück. Der begnadete Verkäufer und Netzwerker Stefan Kuntz hatte ihm ein schweres Erbe hinterlassen. „Gustl“ tat sich schwer und wirkte hölzern, wenn man ihm ein Mikrofon vor die Nase hielt. Die Einkäufe seines ersten Jahres, die Zdebel-Affäre und Äußerungen á la „Die Fans verstehen uns nicht, dann müssen wir sie auch nicht verstehen“ verschlechterten sein Standing zusehends. Diese Phase scheint nun überwunden. Der einstige „Saulus“ wandelt nun auf den Spuren von „Susi“ Zorc. Der Ex-Schnapper kann inzwischen die Verpflichtungen von Heiko Herrlich, Milos Maric und Lewis Holtby auf der Haben-Seite verbuchen. Derzeit lässt sich noch gar nicht abschätzen, über welchen Transfer man sich am meisten freuen soll. Außerdem wirkt Ernst auch vor der Kamera professioneller, kämpferischer und selbstbewusster.
Die notorischen „Gustl-Basher“ werden allerdings wohl weiterhin ihr Bild vom „Schoßhund Altegoers“ pflegen und die jüngst erfolgreiche Transferpolitik allein auf Ansgar Schwenken zurückführen. Dabei weiß doch jedes Kind, dass der Spitznamenspate Gustav Gans kein Hund ist und beim VfL meist im Team entschieden wird. Wie auch immer: Die teils unfaire bis ehrabschneidende Debatte um Thomas Ernst hat sich beruhigt. Diese Phase sollte „Gustl“ nutzen, um sein Profil zu schärfen und den Umbruch im Sommer vorzubereiten. Sehr gespannt bin ich auf die Transfers in der kommenden Sommerpause. Eine junge Truppe mit hungrigen (deutschen) Spielern würde uns gut zu Gesicht stehen. „Gustl“ kann ja mal bei „Susi“ nachfragen, wie man das am besten hinbekommt.
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