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Reisebericht Bielefeld

Dass ich für einen Punkt in Bielefeld 11 Stunden auf den Beinen war, lag diesmal nicht allein an den irren Kapitalmaximierern der DFL. Es hat auch damit zu tun, dass ich zwischen dem Ruhrpott und Hamburg pendele und deshalb eine etwas weitere Anreise zu einem eigentlich „nahen“ Auswärtskick hatte. 13.30 Uhr am Sonntag ist da noch vergleichsweise okay. Meinetwegen können wir auch noch 12 Mal dienstags um 17.30 Uhr antreten, wenn in der nächsten Saison endlich wieder samstags um 15.30 Uhr gespielt wird. Trotz 1-1 und gerissener Serie haben wir dafür weiterhin alle Chancen.


Ach ja, mein Sonntag mit dem VfL sah im Detail übrigens so aus:


07:00 Uhr: Der Wecker klingelt. Sonntag ist der neue Montag. Drinnen alles dunkel, draußen alles weiß. Über Nacht ist Schnee gefallen in Hamburg-City. Heute geplant: Auswärtssiegen in B.


08:50 Uhr: Hamburg Hauptbahnhof, alles pünktlich. ICE 585 nach München, Fensterplatz, Ruhezone, Sonntagszeitung, „Sea Change“ von Beck im Ohr, wach werden.


10:10 Uhr: Schnee, Schnee, Schnee und etwas Regen. Draußen rast ein Bahnhof namens „Langenhagen Pferdemarkt“ vorbei. Nächster „Unterwegsbahnhof“ ist Hannover 96 Hbf. Ich sach mal so: Hannover, Du bist aber auch keine Schönheit.


10:31 Uhr: Umsteigen in den ICE „Koblenz“. So fährt quasi die 3. Liga in Bielefeld gleich schon mal vor. Gegenüber sitzt eine Dame mittleren Alters, die sich durch die letzten 20 Tagesspiegel-Ausgaben liest. Im Bordradio läuft „NDR1 Niedersachsen“ mit Modern Talking, die Stimmung steigt! Noch 50 Minuten.


10:45 Uhr: Irgendwo im Nirgendwo. Kein Schnee mehr, alles weg. Looks like NRW. Der Fahrgast mit dem blau-weißen Schal in Wagen 22 ist immer noch nicht ganz wach und träumt von der 1. Liga.


11:20 Uhr: Ankunft in B. Sogar freie Schließfächer gibt es noch. Die Bochumer sammeln sich am Hintereingang des Hauptbahnhofes.


11:45 Uhr: Bevor es hoch zur Alm geht, durchsucht die Polizei die Gästefans. Wie schön, dass ich wenigstens meine Hose anbehalten durfte! Auf dem Weg zum Stadion zündeln die üblichen Verdächtigen munter rum und präsentieren einen Querschnitt der zeitgenössischen Feuerwerkskunst. Business as usual. Ich lasse mich an das Ende des Zuges fallen. Neben mir diskutiert ein Polizist mit seinem Kollegen über den Jugendschutz: „Alkohol erst ab 21, dann hätten wir diesen ganz Stress hier nicht.“ Dürfte was dran sein.


13:00 Uhr: Zur Feier des Tages gab es ein Ticket für die nicht mehr ganz so neue Haupttribüne. Sieht von außen wie die Zentrale einer Versicherung aus. Früher waren dort die Heim- und Gästestehplätze, heute lassen sich hier die VIPs verwöhnen. So sieht der moderne Fußball aus. Nicht ganz uncharmant, dass die Arminia sich mit dem Neubau dieser Tribüne finanziell schwer verhoben hat ...


13:23 Uhr: Beim Warmmachen stehe ich quasi auf dem Platz neben den Jungs, so nah ist man dran. Der Stadionsprecher-Schreihals erinnert die Heimfans daran, dass es heute „um die Ehre“ gehe. Soso.


13:47 Uhr: Ein winziger Moment in der Fußballgeschichte, ein mittelgroßer für einen VfL-Blogger. Arminia läuft ins Abseits, Luthe kloppt das Ding auf die Tribüne, direkt in meine Arme, kein Scheiß. Natürlich festgehalten. Und dann die Torfabrik beim Balljungen abgeliefert.


14:18 Uhr: Halbzeit. Endlich mal ein frühes Tor für uns, aber trotzdem keine Sicherheit im Spiel. Selten einen derart schlechten Platz gesehen. Mit Fußballspielen ist da nicht viel. Die Devise lautet: Alles hoch auf Aydin!


15:19 Uhr: 2-2 und Schluss. Nicht unverdient für die Arminia, die mit einer beherzten Vorstellung die eigenen Fans etwas versöhnen konnte. Bezeichnend, dass Aza kurz vor dem Ende aus aussichtsreicher Position einen Freistoß aber sowas von kläglich vergibt. Die Mannschaft bedankt sich, das war´s.


16:20 Uhr: Mein ICE ist „unbestimmt verspätet“, der Albtraum aller Bahnfahrer. Ich nehme den Nahverkehrszug nach Hamm. Der hält in Brackwede, Isselhorst-Avenwedde (!), Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Oelde, Neubeckum, Ahlen und Heessen. Wow, da sieht man was von der Welt!


18:00 Uhr: Ankunft in einer großen ehemaligen Bierstadt. Da fällt mir ein: Muss mir unbedingt für Mitte Mai noch was vornehmen, wenn die Eingeborenen hier die Stadt schwarz-gelb anstreichen. In der Nachbarstadt einen Aufstieg feiern wäre eine gute Alternative. Glückauf!

 
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