21:04 Uhr:
Halbzeit. In alter Groundhopping-Tradition kann ich mir nach den
ersten 45 Minuten den Spielort „aufschreiben“ und meine Sammlung
ergänzen. Wir führen und Union kann aber mal überhaupt nichts.
Eigentlich könnten wir jetzt schon nach Hause fahren.
21:22 Uhr: Aus dem
Gästeblock sieht man das Brutalo-Foul an Matias Concha angesichts
der Entfernung natürlich nicht so richtig. Was man aber sieht, sind
VfL-Spieler, die die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und
schockiert wirken. Concha wird vom Platz getragen, hält sich die
Hände vor das Gesicht, eine schlimme Szene. Ich muss an das Foul an
Eduardo denken, der damals bei Arsenal spielte und sich nach einem
Horror-Tritt ebenfalls das Schien- und Wadenbein brach. Gute
Besserung, Matias!
Die anfänglich
sehr entspannte Atmosphäre läuft inzwischen immer mehr aus dem
Ruder. Die Aggressivität und die Unfairness der Union-Fans sind nicht
grad angenehm.
22:10 Uhr: Einsnull
und Schluss! Drei Punkte gewonnen, einen Spieler verloren. Am Ende
vermeldet die analoge Anzeigentafel ein glückliches 1-0 für den
Gast. Geschieht Aggro Berlin aber ganz recht, dass in der
Nachspielzeit nicht noch der Ausgleich fällt. Schön wäre es noch
gewesen, wenn ein paar Trikots in die Menge geflogen wären.
23:30 Uhr: In
Schöneberg trennen sich unsere Wege. Martin fährt nach Steglitz,
ich zum Hbf. Einmal nach Hause, bitte!
Dienstag, 00:30
Uhr: Der Nachtzug kommt in zwei Minuten, etwas Schlaf wäre jetzt
nicht schlecht.
00:32 Uhr: Der
Nachtzug kommt. Aber erst in 60, nein: In "ca. 90 Minuten"! LEUTE, DAS
KANN DOCH WOHL NICHT EUER ERNST SEIN? Wo ist die versteckte Kamera?
01:27 Uhr: Warten,
warten, warten. Der Bahnhof ist menschenleer, bis auf die
Unglückseligen, die mit dem CityNightLine in Richtung Amsterdam
fahren wollen. Kalt isses und zugig und irgendwann macht auch der
letzte DB-Mitarbeiter Feierabend. Ein Regionalexpress in Richtung
Zoo, mit dem wirklich niemand fahren möchte, wird immer wieder
angekündigt. So oder so ähnlich stelle ich mir den Vorraum der
Hölle vor.
02:19 Uhr: Mit über
100 Minuten Verspätung fährt er ein, der CNL 456. Spontaner Applaus
am Bahnsteig! Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen, Lahme
können plötzlich wieder laufen! Unglaublich Szenen spielen sich ab.
Wer nicht leibhaftig dabei war, kann es sich nicht vorstellen.
03:27 Uhr: Im
Sechser-Abteil mit zwei Holländerinnen, einem Tschechen, einem
Russen und einem Berliner ist an Schlaf nicht zu denken. Der Berliner
Jung Dennis hat ganz spontan für 200 Euro ein
Super-Super-Last-Minute-Angebot vom Baum geschossen. Er muss zum
Frankfurter Flughafen und möchte von dort aus nach Cancun fliegen.
Es sieht nicht gut aus für ihn.
04:20 Uhr: In
Hannover stehen wir eine Ewigkeit, Bielefeld geht total an mir vorbei, bin wohl doch mal kurz eingenickt. Die
Zugbegleiterin kontrolliert mein Ticket, hat irgendwas zu mecken und
ich erinnere mich nur langsam an meine gute Kinderstube.
06:30 Uhr:
Dortmund, Ende der Reise. Für mich zumindest. Dennis steigt um in
einen ICE und schreibt mir später, dass er seinen Flug noch ganz
knapp erwischt hat. Schönen Urlaub! Nach Hause geht es (nach 18
Stunden Reisezeit) mit gemischten Gefühlen. Es ist natürlich immer
schön, wenn man nach einer langen und anstrengenden Auswärtsfahrt
drei Punkte im Sack hat. Ich mag auch diese Momente, wenn mir klar
wird, wie viel mir dieser Verein bedeutet. Trotz allem.
Keine Grüße gehen
an dieser Stelle an die Spieltagsplaner der DFL und an alle gierigen
Vermarkter und Fernsehmenschen. Sollen die doch mal an einem kalten
Dezemberdienstag in aller Früh mit zwei Stunden Verspätung durch halb Deutschland
gondeln. Aber einige werden es halt nie verstehen.
Dann mal Gute Nacht!





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