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MSV vs. VfL: Ein kleines Endspiel

Der 29. Januar 2010 war ein ganz wunderbarer Tag. Ich besuchte die MSV-Arena und der zweitgrößte Verein aller Zeiten war zu Gast: Der FC St. Pauli. Ich saß auf der „Schauinsland-Reisen-Tribüne“ (sic!), direkt an der Seitenlinie und mein MSV-Vordermann versuchte Deniz Naki & Co. durch permanente „Abseits, Abseits!“-Rufe zu irritieren. Der Versuch misslang, die boys in brown gewannen mit 2-0. Und ich träumte für die Saison 2010/2011 von einem Erstliga-Duell VfL vs. St. Pauli – schließlich hatten auch unsere Jungs damals einen richtig guten Lauf.


Fast ein Jahr später ist Pauli tatsächlich erstklassig, wir jedoch wieder und der MSV noch immer zweitklassig. In der MSV-Arena, die seit dieser Spielzeit auf den unfassbaren Namen „Schauinsland-Reisen-Arena“  hört, bestreitet der VfL am Freitag ein Endspiel. Ein kleines Endspiel. Bei einer Niederlage in Duisburg würde unser Team genau dort überwintern, wo es nach den bisher gezeigten Leistungen auch hingehört: im Mittelfeld. Sollte der VfL aber an der Wedau etwas oder alles holen, dann kann wieder geträumt werden. Vom Aufstieg, von besseren Zeiten.


Auf einem anderen Blatt steht, ob man mit dieser Mannschaft überhaupt in der 1. Liga spielen kann oder möchte. Immerhin: Der VfL hat nach langer Anlaufzeit verstanden, wie der Hase in der Schweineliga läuft. Im Unterhaus wird viel gekämpft und gearbeitet, Glamour und Spielkultur sucht man meist vergeblich. Ein hartes Brot eben. Die Tabelle lügt nicht und mit einem Sieg wären wir bis auf zwei Zähler an Duisburg dran. Aber wichtiger als derlei Arithmetik sollte das Auftreten und die Entwicklung der Mannschaft sein. Die Mannschaft ist stabiler geworden, Funkel setzt nach und nach auf jüngere Spieler und darüber hinaus halten Dabro und Tese die Fahne hoch. Andererseits hat der VfL traurigerweise in keinem einzigen der 16 Liga-Spiele komplett überzeugen können. Vom Pokal-Auftritt ganz zu schweigen. Wenig deutet darauf hin, dass wir in der Rückrunde die Konkurrenz in Grund und Boden spielen. Und, ganz ehrlich, ich möchte am Ende der Saison nicht deshalb aufsteigen, weil 15 bis 17 Mannschaften noch schlechter und limitierter sind als wir.


Am Freitag ist der MSV sicher der Favorit. Die Duisburger haben – vor allem zu Hause – überzeugen können, laufen nun allerdings ihrer Form etwas hinterher. Ich werde diesmal nicht im Stadion sein können. Stattdessen werde ich am Freitagabend in ein Hamburger Café gehen und den Wirt freundlich fragen, ob er die Glotze anmacht. Er wird mich – wie jedes Mal – seltsam anschauen. Er hat keine Ahnung von Fußball, weiß aber zumindest, dass der HSV erst später und Pauli am Samstag spielt. Ich werde ihm erklären, dass der größte Verein aller Zeiten jetzt gleich gegen den MSV Duisburg zockt und ich dieses Spiel sehen MUSS. Dann wird er sein Bezahlfernsehen hochfahren und ich werde zittern, hoffen und fluchen. Dabro wird kurz vor Schluss aus einer klaren Abseitsposition den glücklichen Siegtreffer erzielen und ich werde durch den ganzen Laden schreien. Meiner Begleitung wird das furchtbar peinlich sein, alle anderen Gäste werden mich bestenfalls für verhaltensauffällig halten. Aber das wird mich nicht jucken. So wird es kommen. Ganz bestimmt sogar.

 
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