Im März 2008 war die Bochumer Fußballwelt noch in Ordnung. In seinem zweiten Erstligajahr hatte sich der VfL mit Trainer Marcel Koller einen von großer Solidität bestimmten Status erarbeitet und stand kurz davor, unspektakulär aber souverän den erneuten Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen. Zwar murrte die Fangemeinde ob des bisweilen lethargischen Auftretens der Mannschaft unregelmäßig auf, aber in den mittlerweile legendären "Messer am Hals"-Spielen - im Übrigen eine Floskel, die ich an dieser Stelle zum allerallleralleletzten Mal in meinem Leben zitieren werde, versprochen! - gelang es dann zur Überraschung vieler Kritiker stets, die benötigte Einstellung zum Spiel zu finden.
So auch am 08.03.2008, beim Auswärtsspiel in der Frankfurter Commerzbank-Arena. Nach einer unterdurchschnittlichen ersten Hälfte geriet der VfL zu Beginn des zweiten Abschnitts in Rückstand, schlug jedoch durch Mimoun Azaouagh postwendend zurück und verteidigte den Punktgewinn mit einer fein ausbalancierten Mischung aus Herzblut und taktischer Cleverness. Damals saß unser neuer Trainer Friedhelm Funkel noch auf der gegnerischen Bank. Wobei "sitzen" die falsche Zustandsbeschreibung für das konditionell anspruchsvolle Gehampele in der Coaching-Zone war. Wild gestikulierend kommentierte Funkel jede saubere Zdebel-Grätsche (ja, er spielte wirklich jedes Mal den Ball!!!), forderte bei harmlosen Rempeleien gelbe Karten und stärkte damit die in mir schon zuvor latent vorhandene Abneigung gegenüber seinem Gebaren als Trainer. Nach Schlusspfiff hämmerte ich, mental auf Konfrontationskurs befindend, folgende Zeilen in dieses Blog:
...so disziplinlos reagierte der Frankfurter Ehrgeizling Friedhelm Funkel an der Seitenlinie auf die aus seiner Sicht katastrophale Fehlentscheidung des Weltklasseunparteiischen Dr. Felix Brych. Fortan ranterte Funkel emotional aufgewühlt vor der Trainerbank umher, kommentierte jede harmlose Einwurfsituationen gestenreich, eiferte mit staksig nach vorne gerenkten Halswirbeln dem unsäglichen Hitzfeld-Matrosen Henke nach und hatte Glück, dass der offensiv ausgelebte Hirnschwund keinen Platzverweis gen Tribüne nach sich zog. ...
Knapp zwei Jahre nach Veröffentlichung dieser subjektiv gefärbten Abrechnung steht der VfL nun mit beiden Beinen in der 2. Liga, während Funkel künftig mit der gleichen Anzahl an Gliedmaßen den Rasen vor der Bochumer Trainerbank staubig treten wird. Funkel und Bochum? Passt das zusammen?
Die Beantwortung der Frage ist zum jetzigen Zeitpunkt, noch bevor Funkel konkrete Aussagen zur Personalplanung machen konnte, höchst spekulativ und allenfalls auf Gefühlsebene zu diskutieren. Mein Gefühl sagt mir, der Aufsichtsrat habe bei seiner Entscheidung pro Funkel auf Nummer Sicher gehen und nach Ernsts fehlgeschlagener Risikoverpflichtung von Herrlich einen im Ab- und Aufstigskampf bewährten Routinier installieren wollen. Andere Optionen hätten eher dem Prinzip Hoffnung (Foda) oder dem Prinzip "Ich habe keine Kontakte und nehme deshalb den einzigen Trainer, mit dem ich bislang zusammenarbeitete" (Oral) entsprochen. Außerdem konnte Funkel bereits mehrfach seine Qualitäten beim (Wieder)aufbau von nach Abstiegen personell ausgedünnter Mannschaften nachweisen. Von daher geht diese Personalie vor allem in Anbetracht der kaum vielversprechenderen Alternativen in Ordnung. Viele Fans, die Funkel bislang nur als Coach ungeliebter Abstiegskampfkonkurrenten registrierten, sollten ihre durchaus verständliche Antipathie für einige Monate hintantstellen und stattdessen die sich in Kürze konkretisierende Kaderplanung kontrovers-kritisch-fair begleiten. Und sobald dank Funkels neunzigminütiger Dauerreklamation der erste VfL-Gegner eine gelb-rote Karte erhält, werde ich mit meinen Appellen an den FairPlay-Gedanken ohnehin auf keinerlei Gegenliebe mehr stoßen. Der 08. März 2008 ist bis dahin hoffentlich aus dem Blogarchiv gelöscht worden.





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