Wie nicht anders erwartet, wurde nun der Vertrag mit dem Stadionsponsor um weitere fünf Jahre verlängert. Der Kontrakt gilt „für die erste und zweite Liga“, was sinngemäß wohl bedeutet, dass wir unser Ruhrstadion nur bei einem Abstieg in die 3. Liga zurückbekommen. Das Ganze ist selbstredend ein Akt professioneller Normalität. Der Systemzwang besagt: Es geht gar nicht anders. Der Verein muss den Namen verhökern, andernfalls verzichtet er leichtfertig auf Geld, das quasi auf der Straße liegt. Es mag Ausnahmen geben (Pauli, Hertha), aber die Regel ist eine andere.
Zur architektonischen Austauschbarkeit der modernen Arenen gesellen sich (mitunter wechselnde) Stadionnamen, die wenig bis gar nichts mit Stadt und Verein zu tun haben und teilweise an Absurdität („Schauinsland Reisen-Arena“) nicht zu überbieten sind. Alle zwei Wochen fragt sich der Auswärtsfan: In welchem Stadion bin ich denn heute gelandet? Nur gut, dass man ihm durch permanente Werbedurchsagen auf die Sprünge hilft.
Der VfL hat mit dem Stadionsponor – der regionale Identität zumindest vorgaukelt – noch Glück im Unglück. Gustl nennt dies in der jüngsten Pressemeldung im besten BWL-Jargon ein „emotionales und wirtschaftlich bedeutendes Marketingrecht“ – und trifft damit den Nagel eher ungewollt auf den Kopf. Für die meisten VfLer ist „Ruhrstadion“ mehr als ein Name, sondern bedeutet Heimat und Tradition. Diese Werte werden auf dem Werbemarkt zu Geld gemacht, was allein die Ökonomen unter den VfL-Fans freut, allen anderen aber ein Dorn im Auge ist. Soviel zum Thema Emotionen.
Wo wir schon mal dabei sind: Der VfL wirbt des Weiteren für einen Discounter, der seine Mitarbeiter schlecht behandelt. Unser Verein lässt sich zudem im Rahmen der Heimspiele alle möglichen Dinge bezahlen: Die Aufstellungen, das Eckballverhältnis, die Einwechslungen, die Zwischenergebnisse und die Zuschauerzahl werden von verschiedenen „Partnern“ präsentiert. Bestimmt habe ich hier noch etwas vergessen. Auch das ist „normal“ und professionell, aber es stört.
Der Marketingirrsinn ist inzwischen soweit gediehen, dass Spieltage zerstückelt werden, um dem Rechteverwerter möglichst viel Exklusivität zu bieten und auf der anderen Seite maximale Fernsehgelder zu „generieren“. Es braucht nicht mehr viel und wir haben Verhältnisse wie in der türkischen „SPORTOTO SüperLig“, die ihre 18 Teams jüngst an vier Tagen zu neun (!) unterschiedlichen Anstoßzeiten auflaufen ließ. Wer beklagt sich da noch über Fernsehsender, die direkt nach Schlusspfiff in die Werbung schalten?
Eine lückenlose Vermarktung und die Gier nach immer mehr Geld bestimmt unseren schönen Sport, der zu einem bloßen Geschäft verkommt. Diese Schraube lässt sich jedoch nicht unendlich weiter drehen. Irgendwann ist Schluss. Irgendwann werden die Verantwortlichen merken, dass man Geld nicht essen kann, dass sich ihre gesponserten Plastikarenen nicht von selbst füllen und dass weniger manchmal auch mehr sein kann. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät.





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