Es war ja nur ein Benefiz-Testspiel, noch nicht einmal ein gutes. Der VfL trat am Mittwochabend bei den notorisch klammen Rot-Weißen an der Hafenstraße an. Gegen Ende der müden 1. Hälfte hatten einige der ca. 100 Bochum-Anhänger schon den Kaffee auf. Was unsere aus Nachwuchsakteuren, Reservisten und Rekonvaleszenten zusammengewürfelte Truppe gegen den NRW-Ligisten auf den Rasen brachte, war doch recht dürftig. Körperloses Spiel, kein Druck, ein paar Halbchancen, mehr nicht. Dann köpfte ein Essener den Ball an die Latte und im Gegenzug geschah das Unvorstellbare: Pippo fasst sich ein Herz und zimmerte die Kugel aus halblinker Position unter die Latte. Ins Netz. Einsnull Bochum! Noch einmal zum Mitschreiben: Essen, 30.03.2011, 19:40 Uhr: Philipp Bönig schießt ein Tor!
Ja, es war nur ein unbedeutender Test, aber trotzdem kam es mir so vor, als ob ich vom Mantel der Geschichte gestreift würde. Unser Lieblings-Kampfschwein mit der 24 konnte es selbst kaum fassen, als er das Tor des Tages mit einem ungläubigen Grinsen bejubelte. Pippo trifft doch sonst nie ins Schwarze. Genauer gesagt: Fast nie. Vor seiner Zeit in Bochum hat Bönig für den MSV Duisburg zwei Mal in der 2. Liga eingenetzt, zuletzt im Februar 2003. Für den VfL ist er bislang sowohl in der 1. als auch in der 2. Liga torlos geblieben. Es mag Testspiel-Treffer gegeben haben, ich kann mich aber spontan an keinen erinnern. So gesehen nimmt Pippos 1-0 vom Essen-Spiel beinahe historische Ausmaße an. Trotzdem wird Böne am Montag wieder auf der Bank Platz nehmen müssen. C´est la vie!
Was sonst vom Spiel bei RWE übrig blieb: Der „Mythos RWE“ ist anscheinend – trotz NRW-Liga und Stadion-Bauruine – nicht kleinzukriegen. 1.300 Zuschauer gaben sich diesen unwirtlichen Kick. Ein bizarres Highlight gab es bereits vor Anpfiff für die Gäste-Fans, als diese sich von einem Sprengstoffhund (!) beschnüffeln lassen durften. Und ich dachte, ich hab auswärts schon alles erlebt ... Ich habe auch lange keinen 80er-Jahre-Schlager mehr in einem Stadion gehört, Essen ist wirklich ein spezielles Pflaster ...
In sportlicher Hinsicht gab es nur wenige neue Erkenntnisse. So richtig aufdrängen konnte sich keiner. Toski blieb blass, Freier hatte in der 1. Halbzeit kaum Ballkontakte, Prokoph durfte wieder hinten rechts verteidigen und Rzatkowski fehlt die Zielstrebigkeit. Auffälligster Bochumer war für mich der in der 2. Hälfte eingewechselte dritte Torwart Michael Esser. Spricht ja auch schon für sich; ein Klassenunterschied zwischen den beiden Teams war zudem nicht erkennbar. Vorne vergab Nachwuchsmann Justin Eilers einige Chancen, auch Mirkan Aydin wirkte im Abschluss etwas unkonzentriert. Andererseits bewies der einsatzfreudige Aydin, dass er nach seiner Verletzung wieder fit ist und uns als spielender Stürmer noch wertvolle Dienste leisten sollte. Ansonsten haben wir für den kommenden Montag ja noch Pippo, den Knipser, als Joker in der Hinterhand!





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