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Erfolg macht sexy! - Oder?

Erfolgreich ist er, der Fußball unseres VfL Bochum dieser Tage – aber ist er auch attraktiv? Viele sagen nein, aber dafür bringt er Punkte, und das sei ja bekanntlich im Fußball die einzige Währung, welche zählen würde. Manche sagen auch, der VfL spiele ähnlich hässlich wie unter jenen dunklen Tagen von Ex-Trainer Koller. Doch ist das wirklich so? Und was hat sich unter Trainer Funkel noch so verändert? Eine kleine subjektive Betrachtung von mir dazu.

 

Als Friedhelm Funkel den Posten als Cheftrainer übernahm, lag der Verein am Boden. Der katastrophale Abstieg, die nicht vorhandene Abstimmung im Spielerkader, unansehnlicher Fußball, die mangelnde Einstellung vieler Spieler – all das hatte zum Abstieg und zur Entfremdung von Verein und Fans geführt. Viele der verbliebenen Fans, und dabei schließe ich mich mit ein, schauten skeptisch, als damals bekannt wurde, dass Funkel zur neuen Saison Trainer des VfL werden sollte. Schließlich war jener gerade mit der Aufgabe gescheitert, Berlin vor dem Abstieg in die 2. Liga zu retten, außerdem war der Fußball, den er spielen ließ, niemals für besonderen Offensiv- oder Schöngeist bekannt gewesen. Dennoch war zumindest ich bereit, einem erfahrenen Trainer wie ihm eine Chance zu geben. Wenn er es nicht schaffen würde, diesem (damaligen) Saufhaufen von Mannschaft wieder Leben einzuhauchen, dann würde es niemand schaffen.

 

Das erste Saisondrittel schien die Skeptiker zu bestätigen. Die Mannschaft, die den Namen eigentlich nicht verdiente, spielte gewohnt schlecht und leistete sich etliche peinliche Niederlagen (0:1 in Aue, 0:2 zu Hause gegen Augsburg, 1:3 in Oberhausen, usw.). Mit der 1:4-Heimniederlage gegen Ingolstadt war dann der Tiefpunkt erreicht. Die Zuschauerzahl bei Heimspielen war inzwischen auf unter 10.000 gesunken, die Stimmung unter den restlichen Fans auf dem Siedepunkt angelangt. Doch Funkel gab nicht auf. Er sortierte diejenigen Spieler aus, die divenhaftes Verhalten an den Tag legten, oder sich nicht wirklich mehr für den Verein interessierten. Maric und Mavraj seien hier als Beispiele genannt. Funkel gab zudem vermehrt Jugendspielern ihre Chancen, viele von ihnen schafften es dann auch, sich in der ersten Mannschaft zu etablieren – dafür meine Hochachtung, Friedhelm! Ich kann mich nicht erinnern, wann in den letzten Jahren dermaßen viele Bochumer Eigengewächse im Profikader standen oder dort wenigstens ausprobiert wurden. Derzeit freue ich mich über Aydin, Ostrzolek, Vogt und Luthe, welche der Mannschaft ein neues Gesicht geben, mit dem sich zudem viele identifizieren können.

 

Zudem wurde Azaouagh begnadigt und hat sich der Autorität des Cheftrainers gebeugt. Auch dafür ein großes „Respekt!“ von mir für Funkel.

Über die taktische Aufstellung lässt sich bekanntlich viel streiten. Mir persönlich ist diese generell stark defensiv orientiert – die Null muss stehen – dies ist offenbar das Credo von Trainer Funkel. Kompromisslose Offensive sieht beim VfL dieser Tage eher selten, das Spiel ist meist von Sicherheit als von Zug nach Vorne geprägt. Daraus resultieren wenige Gegentore (5 in den letzten 10 Spielen), aber auch relativ wenige eigene Tore (19 in 10 Spielen) bzw. Torchancen. Das mag effizient sein. Schön anzuschauen ist das Quergeschiebe zwischen Maltritz und Yahia oftmals nicht. Bochum hat vermehrt mehr Ballbesitz als der jeweilige Gegner, macht aber daraus oft viel zu wenig.

 

Daraus resultieren oftmals knappe Siege, deutlich gewonnen wird höchst selten, mehr als drei Tore gelangen der Mannschaft in dieser Spielzeit bislang noch in keinem Spiel. Nicht falsch verstehen – ich freue mich über jeden Sieg, den unser Team in der Liga landet! Aber natürlich sehe ich auch in der 2. Liga gerne guten Fußball – und dieser fehlt leider immer noch ziemlich oft.  Solange die Spiele gewonnen werden, ist das aber okay für mich, langfristig wünsche ich mir aber mehr Kreativität und weniger Sicherheitsfußball.

 

Insgesamt bin ich sehr zufrieden damit, was Friedhelm Funkel aus der Mannschaft nach Startschwierigkeiten gemacht hat! Im letzten Heimspiel gegen Düsseldorf wurde sogar anschließend zum ersten Mal „Wir wollen den Trainer sehen!“ gefordert – was erstaunlich lange gedauert hat, hat Bochum doch schließlich schon seit 10 Spielen nicht mehr verloren und davon 9 Siege geholt – 27 von 30 möglichen Punkten. Man staune übrigens, Bochum ist drittbestes Auswärtsteam und viertbestes Heimteam, zudem das derzeit beste Rückrundenteam. So kann es doch gerne weiterlaufen, auch am Sonntag gegen Fürth.

 

Am letzten Spieltag waren übrigens 24.100 Zuschauer im Ruhrstadion. Selbst, wenn man 3000-4000 Fortuna-Fans abzieht, bleiben minimal 19.000 VfL-Sympathisanten übrig – auch hier ist man also offenbar auf dem richtigen Weg. Erfolg macht eben doch sexy

 
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