Wie oft mussten wir in der letzten Saison, gestresst und genervt vom
Abstiegskampf, via Sky ganz und gar subjektiv voreingenommenen
Kommentatoren lauschen, die just vor den Spielen des VfL ihre Sympathie
für den jeweiligen Gegner entdeckten und Teams vom Schlage Mainz 05,
Nürnberg oder gar Eintracht Frankfurt zu Torerfolgen brüllten. Allesamt
Vereine, die nichts haben, was es in Bochum nicht auch gibt - im
Gegenteil: Von kumpeliger Anwanzerei (Tuchel), "glubbernder"
Mythosselbstbeweihräucherung (Nürnberg) oder übertriebener Egomanie
(Frankfurt) ist beim VfL nichts zu spüren. Dennoch keifen sich die
Reporter in abnormale Euphorie hinein, sobald ein stupider Grobmotoriker
einen Treffer gegen unseren Lieblingsclub erzielt: "Jaaaaa" schallte es
ohrenbetäubend und gehirnzellenvernichtend ins Wohnzimmer hinein.
"Neeeeein" das entsprechende Echo des Autors, begleitet von grummelnder
Verständnislosigkeit ob derart wenig geheuchelter Anteilnahme für den
eigenen Verein.
Nein, Sky ist wahrlich nicht bekannt für angemessenen Umgang mit
leidenden Bochum-Fans. Doch meine Vorurteile gegenüber nahezu allen
sonorigen Fußballbegleitschwätzern sind mit dem heutigen Tage ein für
alle Mal vom Tisch gewischt. Es gibt
sie doch noch, die VfL-Anhänger beim größten deutschen Pay-TV Sender.
TORSTEN KUNDE, so der wohlklingende Name des besten Menschen auf der
Welt, bewies heute wahre Größe hinter dem Mikrofon. Begeistert vom
schier unglaublichen Angriffswirbel des Aufstiegsfavoriten Nummer 1,
feierte er den kompletten Kader des Gastgebers leidenschaftlich ab,
jubelte über das "Bermuda-Dreieck", bestehend aus "Yahia, Mavraj und
Dabrowski", das in der Vergangenheit schon viele "gegnerische Stürmer
verschlang". Angetrieben von freudvoller Glorifizierungsrhetorik,
kartete Kunde (=Gott) unverfroren nach: "Kopplin und Concha mit
ausgezeichneter Leistung" sinnierte Deutschlands Kommentatorenhoffnung
in die weite Welt hinaus. Ja, in Bochum "kommt viel über die Emotionen".
Mich überkamen auch die Emotionen. Zu der Galavorstellung auf dem
grünen Rasen wurde dem Fernsehzuschauer auf Audiospur 1 die passende
Begleitakkustik geliefert, während das Publikum im Stadion nur
phasenweise Zufriedenheit signalisierte. Aber es gab ja auch keinen
Grund, die "Klasseleistung" (kundiger Kunde über den VfL) künstlich
abzuwerten. Luthes lethargischer Diver beim 35-Meter-Freistoß von
Neuville, die offensiv phlegmatische Anfangsviertel- und
Schlusshalbestunde, Abstimmungs- und Abspielfehler im Mittelfeld -
solche Nichtigkeiten passieren dem "individuell höchsten Ansprüchen"
(K.) genügenden VfL-Team eben bisweilen. "Die Mannschaft wird sich
finden" ist Torsten Kunde von sich und dem VfL überzeugt. Obwohl ich als
Berufsskeptiker angesichts dieser Prognose noch nicht zu
hundertprozentig an den Meistertitel 2011/2012 glauben mag, sei uns, den
treuen Fans sowie allen wohlmeinenden Sky-Kommentatoren die temporäre
gute Laune gegönnt. Mit dem 3:1 gegen
engagierte aber letztlich zurecht unterlegene Bielefelder konnte
die Abstiegszone verlassen und vor dem wichtigen Auswärtsspiel in
Düsseldorf Hoffnung generiert werden. Weitere Erkenntnisse, wie die
lebenswichtige Präsenz von Chong Tese in der Sturmspitze, der bitte
dauerhaft garantierten Offensivrolle von Federico und der abermals
kämpferisch vorbildlichen Leistung Freiers, sind im Hinterkopf
abzuspeichern und in den kommenden Wochen auf langfristige Validität zu
überprüfen.
Bis dahin lausche ich Torsten Kunde und hoffe inständig, dass dieser
Stern am blau-weißen Medienhimmel für immer über der Castroper Straße
erstrahlen möge.
Ein Hoch auf Torsten Kunde!
von Daniel.Vollbrecht am 22.09.2010, 0 Kommentar, Permalink, Trackback URL





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