Eine Niederlage durch einen Gegentreffer kurz vor Ultimo ist immer unglücklich. Das am Sonntag von „Van the Man“ erzwungene Johansson-Eigentor schmeckte ein wenig nach Lüttich 2004, wenngleich nicht ganz so bitter. Die 1-2-Niederlage gegen den HSV war jedoch vor allem eines: ungerecht. Der VfL hatte einen Punkt verdient gehabt. Mindestens. Und dann das. Bei falschen Pfiffen, ergaunerten Punkten und unverdienten Niederlagen heißt es andererseits immer wieder: „Das gleicht sich innerhalb einer Saison aus.“ Wie beruhigend. Und wenn nicht? Den Glauben an eine höhere Macht, die im Hintergrund die Dinge wieder ins Lot bringt, haben die zum Teil übel verpfiffenden Berliner sicher längst verloren. Laut Berechnungen der Internetseite http://www.wahretabelle.de/ stünde die Hertha in einer von Fehlentscheidungen bereinigten „wahren“ Tabelle auf Platz 15.
Wie „gerecht“ ging es nun beim VfL zu? Hat unser Team bislang mehr oder weniger bekommen, als es eigentlich verdient gehabt hätte? Bei der nun folgenden – subjektiven – Ermittlung des virtuellen VfL-Punktestandes soll es nicht nur um Fehlentscheidungen, sondern insbesondere um die mehr oder minder überlegene Spielführung und das Chancenverhältnis gehen. Ein Rückblick auf die bisherigen Saisonspiele liefert dabei das folgende Ergebnis:
23 der absolvierten 30 VfL-Partien endeten jeweils mit einem Resultat, das den Spielverlauf zutreffend widerspiegelte. Der VfL war entweder deutlich unterlegen (Hinrundenspiele gegen Schalke, Bremen, Dortmund, Bayern, Niederlage in Wolfsburg etc.) oder punktete verdientermaßen (z.B. Siege gegen Hertha, Hoffenheim und in Gladbach). Hinzu kommen Spiele, bei denen sich die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter die Waage hielten (Köln) oder das Endergebnis nicht entscheidend verfälschten (Hannover).
Somit verbleiben sieben Begegnungen mit „falschem“ Spielausgang. Im Einzelnen sind dies die folgenden Spiele:
6. Spieltag: VfL vs. Mainz 05 (2-3)
Das letzte Spiel unter Koller. Zweimal geführt und doch verloren. Der FSV machte aus vier Chancen drei Tore und nahm alle Punkte mit. Auch den einen, den der VfL sich verdient hatte. Stand des VfL-Glückskontos: -1
12. Spieltag: VfL vs. SC Freiburg (1-2)
Dem VfL wird beim Stand von 1-1 fälschlicherweise ein Tor von Klimo aberkannt. In der Nachspielzeit gibt es keinen Handelfmeter für uns, aber das 2-1 für den SC. Ein Unentschieden wäre okay gewesen.
Stand des VfL-Glückskontos: -2
13. Spieltag: HSV vs. VfL (0-1)
Dem HSV wird ein regulärer Treffer von Mathijsen aberkannt. Mit Glück und Geschick entführte der VfL dann gegen schwache, aber überlegene Hamburger drei Punkte. Auch hier wäre eine Punkteteilung angemessen gewesen.
Stand des VfL-Glückskontos: +-0
19. Spieltag: VfL vs. S04 (2-2)
Schalke verpasste den 3-0-Hattrick gegen uns und stellte kurz vor Schluss den Betrieb ein. Der VfL schaffte noch einen unverhofft-schmeichelhaften 2-2-Sieg. Glück gehabt! Schön war´s natürlich trotzdem!
Stand des VfL-Glückskontos: +1
27. Spieltag: Werder vs. VfL (3-2)
Der nach eigener Einschätzung beste defensive Mittelfeldspieler aller Zeiten (Torsten Frings) trifft kurz vor Schluss mit einem abgefälschten (Johansson!) Fernschuss. Bitter und unverdient. Eine lange Zeit engagiert spielende VfL-Mannschaft brachte sich letztlich um das verdiente Remis. Pech gehabt.
Stand des VfL-Glückskontos: +-0
29. Spieltag: SC Freiburg vs. VfL (1-1)
Der ach so heimschwache SC spielte uns an die Wand und konnte nach dem 1-1 gar nicht glauben, warum es nicht für einen Dreier gereicht hatte. Der VfL nutzte eine von zwei Chancen und wusste seinerseits gar nicht, warum er einen Zähler in den Händen hielt.
Stand des VfL-Glückskontos: +1
30. Spieltag: VfL vs. HSV (1-2)
Manche Ungerechtigkeit korrigiert der Fußballgott sofort. In Freiburg hatten wir nix verdient und holten einen Punkt. Gegen den HSV war ein Punkt + x drin und heraus kam nix.
Endstand des VfL-Glückskontos: +-0
Fazit: Auch wenn man im Detail drüber streiten kann: Manchmal gleichen sich glückliche Punktgewinne und unverdiente Punktverluste anscheinend doch aus. Nicht bei Hertha, aber anscheinend bei uns. Die Spiele gegen Freiburg und Hamburg sind dafür ein gutes Beispiel. In der „wahren Tabelle“ belegt der VfL übrigens mit 26 Punkten den Relegationsplatz. So gesehen relativiert sich der tatsächliche Tabellenstand. Sollte Pippo Bönig nun in der Nachspielzeit des Hannover-Heimspiels einen unberechtigten Elfer versenken und uns damit in der Liga halten, dann hätte ich allerdings nichts dagegen!





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