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Bedingt aufstiegsreif – eine Zwischenbilanz

23 von 34 Partien sind gespielt, zwei Drittel dieser schrecklich-schönen Zweitligasaison 2010/2011 liegen somit hinter uns. Zeit also für eine Zwischenbilanz bevor es in das letzte Saisondrittel und ans Eingemachte geht. Wie aufstiegs- bzw. erstligareif ist der wunderbare VfL Bochum 1848? Ein Aufstiegscheck in sechs Akten:


Was bisher geschah: Stotterstart wäre arg geschönt. Treffender: Ein Verein werkelte an der eigenen Abschaffung und landete im (vermeintlich) perspektivlosen Mittelfeld. Glückwunsch an diejenigen, die im November 2010 noch Aufstiegsträume hegten. Für mich war die Saison damals durch und ich dachte schon an die nächste Spielzeit. Dann kam Ingolstadt und eine mehr als unwahrscheinliche Wende. Manchmal muss man wohl ganz tief fallen, damit es wieder aufwärts geht. Und wie es seitdem aufwärts ging. 9 Siege aus 10 Spielen, ein erkennbares System, die Entwicklung einer „Mannschaft“ und die Metamorphose zum Aufstiegskandidaten.


Das System: „Dichter durch Funkels Trichter“, reimte der kicker und würdigte damit insbesondere die Sechser bzw. Sechseinhalben Johansson, Dabro und Vogt. Funkel verriegelte die Zentrale und erhöhte mit dieser Safety-First-Philosophie die defensive Stabilität der Mannschaft. Der Erfolg gibt ihm recht: Mannschaften wie Augsburg oder zuletzt Düsseldorf konnten sich gegen uns kaum eine klare Torchance herausspielen. Der Nachteil: Durch die ausgedünnte Offensive mit nur einem Stürmer und ohne klassischen Zehner mangelt es uns selbst an spielerischer Kreativität und Durchschlagskraft. Der VfL zermürbt den Gegner stattdessen mit Ordnung und einer höheren individuellen Qualität.


Zum Personal: Luthe leistete sich in 19 Spielen nur zwei schwache Auftritte (Hinspiel Bielefeld, Hertha). Seine Schwächen in der Strafraumbeherrschung fallen aktuell nicht so ins Gewicht, weil die Mannschaft in der Defensive wenig zulässt. Mit Kopplin und Ostrzolek verfügt der VfL über zwei entwicklungsfähige Außenverteidiger. Yahia, Maltritz, Dabro und Johansson machen derzeit hinten einen guten Job, sind aber nicht (mehr) bzw. nur eingeschränkt erstligareif. Ähnliches gilt für die wackeren Herren Federico und Dedic, die in der 2. Liga gut aufgehoben sind. Viel mehr Potenzial hat der latent brandgefährliche Chong Tese, der aber aktuell nicht an Aydin vorbeikommt.


Die „Neuzugänge“: Mit Ümit Korkmaz, Mirkan Aydin und Mimoun Azaouagh stießen im Winter quasi drei verheißungsvolle „Neue“ zur Mannschaft. Korkmaz ist robust, schnell und technisch gut ausgebildet, müsste allerdings noch mehr ins Spiel eingebunden werden. Mirkan Aydin ist eine echte Entdeckung: Kann die Bälle gut halten, sucht die 1-1-Situationen und ist zudem torgefährlich. So sichert man sich einen Stammplatz. Aza bastelt derzeit am „Happy end“ einer wechselhaften Geschichte. Erst ausgemustert, dann wieder vielseitig verwendbarer Leistungsträger. Die neue Ernsthaftigkeit steht ihm gut, nur vor dem Tor müsste er noch mehr machen.


Die Konkurrenz: Läuft alles normal, dann sichert sich Hertha BSC einen von zwei direkten Aufstiegsplätzen. Augsburg ist ein harter, spielerisch starker Rivale um Platz 2, der sich partout keine Krise nehmen möchte. Wenn alles nix nützt: Am letzten Spieltag tritt der FCA bei Hertha an ... Greuther Fürth verfügt auch über nennenswertes spielerisches Potenzial, ist jedoch auf Platz 5 abonniert und scheidet folglich als Aufsteiger aus. Bleiben noch die Duisburger und die Cottbuser, die qualitativ auch gut besetzt sind, jedoch durch DFB-Pokal-Träumereien an Boden verloren haben und eine Serie starten müssten. Ausklammern möchte ich Erzgebirge Aue, die für ihre Verhältnisse eine überragende Saison hinlegen, aber mit den ersten drei Plätzen nicht zu tun haben sollten.


Fazit: Dank einer formidablen Serie können wir uns wieder realistische Hoffnungen auf den Wiederaufstieg machen. Insbesondere in der Offensive verfügt Funkel über viele Variationsmöglichkeiten. Einige der derzeit gefeierten Recken dürften aber im Oberhaus überfordert sein. Der momentane Erfolg gibt Funkel recht. Um aber die Fans dauerhaft mitzunehmen und um sich wieder in Liga 1 zu etablieren, kann das aktuelle System nur ein erster Schritt sein. Allem Erfolg zum Trotz: Spielerisch hat mich der VfL in dieser Saison bislang in keiner einzigen Partie vollständig überzeugt. Es sind die Ergebnisse, die momentan Spaß machen. Die Entwicklung einer nachhaltigen offensiven Spielphilosophie sollte Funkels Schlüsselaufgabe sein. Ob es tatsächlich für den Aufstieg reicht, wird sich gegen Fürth, Aachen, Cottbus, Hertha und Duisburg (letzter Spieltag!) weisen. Macht der VfL in diesen Partien eine gute Figur, dann wird aus einem momentan bedingt erstligareifen Club ein verdienter Aufsteiger.

 
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