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Bayern kommt: Für einen ganztägigen Feiertag!

bochum fcb 2009

Der große und neuerdings wieder erfolgreiche FC Bayern spielt am Samstag an der Castroper Straße und in 4630 Bochum ist Feiertag. Wenn die Bayern kommen, dann fällt auch ein bisschen Glanz für den VfL ab: Das Stadion ist ausverkauft und Fußball-Deutschland schaut ausnahmsweise etwas interessierter auf die Blau-Weißen. Auch mal schön. Wer weiß, wie das in der nächsten Saison sein wird.

 

Dafür waren die letzten VfL-Wochen auch sehr grau und überaus alltäglich. Nach dem unverhofft ermauerten Auswärtssieg in Hamburg gab es gegen Köln nur schmale Magerkost. Fußball kann so öde sein, wenn Kontrolle und Fehlervermeidung an erster Stelle stehen. Über das Stuttgart-Spiel schrieb dann der kicker: „Fehlpässe, Rückpässe, kein Tempo – ein Katastrophenspiel.“ Dem kann man nach 89 gruseligen Minuten nun wirklich nicht widersprechen. Das Last-Minute-Traumtor von Fuchs überdeckt da so einiges. Die Ergebnisse der letzten drei VfL-Begegnungen (1-0, 0-0- 1-1) lesen sich wie Catenaccio-Fußball in Reinkultur. Positiv daran ist allerdings, dass die Mannschaft in der Defensive an Stabilität gewonnen hat.

 

Herrlich hat erkannt, dass mit diesem Team derzeit nicht viel mehr möglich ist, als hinten geordnet zu stehen und vorne auf den „Lucky Punch“ zu lauern. Soviel Realitätssinn kann auch befreiend wirken. Da muss man in Kauf nehmen, dass der VfL 2009/2010 unansehnliche Grottenkicks in Serie produziert. Dies lässt sich u.a. an der Anzahl der Torchancen ablesen. Wiederum der kicker zählte in den letzten drei Partien acht Bochumer Chancen. Insgesamt wohlgemerkt. Mannschaften wie Wolfsburg oder Leverkusen kreieren an guten Tagen in einer Halbzeit acht Tormöglichkeiten.

 

Die „Können sie nicht oder wollen sie nicht?“-Frage lässt inzwischen relativ einfach beantworten: Sie wollen, können aber nicht. Aus diesem Grund habe ich momentan fast schon Mitleid mit einem VfL, der nur auf ganz wenigen Positionen erstligareifes Personal hat. Da hilft es auch nicht, einzelne Spieler oder gleich die gesamte Mannschaft nach Misserfolgen mit einer Haudrauf-Versager-Rhetorik durch den Kakao zu ziehen. Das ist eher ermüdend und kontraproduktiv. Das Ziel sollte sein, sich mit dem vorhandenen Material irgendwie durch die Saison zu wursteln und möglichst in der 1. Liga einen Neuanfang zu starten.

 

Gegen Bayern geht es nun am Samstag – wie so oft – vor allem um die Art und Weise des Auftretens. Das Spiel gegen den vorläufig entkriselten Rekordmeister kommt mir dabei wie ein Film vor, den man sich immer wieder ansieht, obwohl man das unglückliche Ende bereits kennt. Alle Jubeljahre gibt es ein Wunder, ansonsten meist mehr oder weniger deutliche Niederlagen. Man nehme z.B. das letzte Aufeinandertreffen in Bochum: Der VfL spielte 30 Minuten gefällig, der FCB schoss in dieser Zeit nicht einmal auf das Tor. Dann traf Zé Roberto und ehe man sich versah, war das Spiel entschieden. Träumen und hoffen sollte man immer, aber eben nicht zu sehr.

 

Immerhin sind wir ausverkauft. Während bei anderen Vereinen Bayern-Tickets nach wenigen Stunden vergriffen sind, braucht es in Bochum dafür einige Monate. Das ist einigermaßen unverständlich und traurig, aber für VfL-Verhältnisse eben ganz normal.

 

Der FCB kommt mit starkem Champions League-Rückenwind und frischem Selbstvertrauen. Juve hat zwar an Klasse verloren, trotzdem war der Auftritt der Bayern sehr bemerkenswert. Kleine Umstellung also für den VfL, der in den letzten drei Spielen jeweils angeknockte Gegner serviert bekam.

 

Ich freue mich auf die Bayern und auf einen Fußball-Feiertag, zumindest bis 15.29 Uhr. Ein VfL-Fan schrieb mir gestern: „Wer alte Damen schlägt, kann graue Mäuse auch mal unterschätzen! Für einen komplett schönen Samstag!“ Da hätte ich nichts dagegen!

 

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