Oder, wie ich den 19. Spieltag verbrachte. Diese Woche hatte ich irgendwie Lust auf etwas anderes, als bei einem Freund auf Sky das Spiel zu schauen, und entschloss mich zu einem mutigen (oder dummen?) Versuch: Das Derby Bochum gegen Schalke in einer überwiegend von Schalke-Fans präferierten Sportsbar in Recklinghausen auf Großleinwand anzuschauen. Auch, wenn das Spiel aus Bochumer Sicht eventuell schlecht ausgehen sollte, wäre es doch vielleicht eine interessante Erfahrung, sagte ich mir. Und das wurde es auch.
Ich hatte mich jedenfalls dort mit einem Freund verabredet, der Schalke-Fan ist, und kam dort gegen 15:20 an. Ich schaffte es noch, einen der wenigen verbliebenen Stühle zu ergattern und sicherte mir einen Platz in der Nähe einer Leinwand, es gab zwei. Auf der anderen lief aber die Sky-Konferenz aller Spiele, auf der anderen wurde nur Bochum (bzw. Schalke aus Schalker Sicht gesprochen) gezeigt.
Kurz nach Spielbeginn kam dann noch mein Kumpel und wir saßen dann nebeneinander mit einer Schale Nachos (mit Salsa-Dip) und sahen zunächst ein Drama (aus Bochumer Sicht), bzw. ein Fußball-Fest (aus Schalker Sicht).
Nach gerade einmal vier gespielten Minuten schlug es auch schon im Bochumer Tor ein. Vicente Sanchez, einer der Wiederentdecker der Vokuhila-Frisur im Ruhrgebiet, war von Farfan mustergültig angespielt worden, Heerwagen griff am Boden an dem scharf gespielten Pass vorbei und Sanchez musste den Ball nur noch über die Linie drücken. Großer Jubel der in meinem Rücken sitzenden Schalker und meines neben mir sitzenden Kumpels (demnächst Ex-Kumpel? Spaß!).
Ich lehnte mich noch relativ entspannt zurück, schließlich dauert ein Spiel bekanntlich 90 Minuten.
Doch Schalke spielte fortan wie aus einem Guss, während die Bochumer oftmals nur hinterher liefen. Vor allem über die Außen kamen die Gäste aus Gelsenkirchen immer wieder durch, da sowohl Concha als auch Fuchs dort eklatante Schwächen offenbarten. Farfan und Sanchez konnten jedenfalls überwiegend machen, was sie wollten, wohingegen der VfL es nicht einmal zustande bekam, gefährlich in den gegnerischen 16er vorzudringen. Viel zu viele Ballverluste prägten das Bild, was Schalke immer wieder gefährliche Angriffe in die gegnerische Vorwärtsbewegung hinein ermöglichte.
Leider hatten nicht nur die Bochumer Außenverteidiger, sondern leider auch ein Innenverteidiger, Mavraj, einen rabenschwarzen Tag erwischt. Er verlor das entscheidende Duell gegen Moritz, der ihn zwar foulte, aber dennoch war das dann keine Entschuldigung für Mavraj, einfach liegen zu bleiben und dem enteilenden Schalker nur nachzuschauen. Die Szene führte nach einem weiteren Zuspiel von Farfan dann zum 0:2 durch Kuranyi. An dieser Stelle war ich nochmals sauer auf Concha, der mit einer einfachen Grätsche das Gegentor hätte verhindern können, aber stattdessen nur langsam auf unseren „Kevin“ zustolperte und natürlich zu spät kam.
Erneut großer Jubel hinter mir: „Jawoll!“, „Super!“, „Das war´s dann für Bochum!“. Ich war auch ziemlich bedient zur Pause, daran änderte auch die bis dato erste Bochumer Chance (Pfostenschuss Prokoph) nichts – ich hatte das Spiel ziemlich abgeschrieben.
Heiko Herrlich wechselte dann gleich doppelt, eigentlich hätten wohl mindestens vier Spieler vom Platz gemusst, aber so kamen nur Azaouagh und Freier für Dedic und Prokoph. Tatsächlich hatte man fortan als Bochumer Sympathisant endlich das Gefühl, das zwei Teams auf dem Platz standen. Es gab auch Torschüsse, die allerdings nicht wirklich für Gefahr sorgten. Fortan war es ein Spiel mit vielen verbissenen, aber fairen, Zweikämpfen, Schalke verteidigte seinen Vorsprung jedoch souverän und hatte noch z.B. durch Kuranyi zweimal die Chance, noch das dritte Tor zu erzielen, Heerwagen parierte jedoch oder Kevin war zu unfähig – eine Mischung aus beidem.
In der 72. Minute führte Herrlich dann den entscheidenden Wechsel durch, er brachte Vahid Hashemian für den enttäuschenden Epalle. Und der Iraner brachte schon bald deutlich frischen Wind. Nach einer Maric-Ecke in der 82. Minute versenkte der Hubschrauber ungestört von der Schalker Deckung den Ball im Tor, es gab wieder Hoffnung! Ich selbst riss in diesem Moment kurz die Arme hoch, war mir aber noch nicht sicher, ob Bochum angesichts der knappen Zeit noch etwas würde reißen können. Schalke vergab im Anschluss noch zwei Chancen zur Entscheidung, darunter eine des Ex-Bochumers Edu. „Bloß nicht ausgerechnet durch den!“, sagte ich zu meinem Kumpel.
Schließlich war das Spiel schon in der Nachspielzeit, als Schalke vorne einen Angriff verdaddelte, Bochum schnell nach vorne spielte und Hashemian auf links an den Ball kam, sich gegen Rafinha durchsetzte, flankte, Sestak per Kopf einnetzte – der Rest war dann auch Jubel bei mir und noch einem zweiten anwesenden VfL-Fan, den ich zwar nicht sehen, aber hören konnte „VFL-VFL-VFL!!!“. Der Anblick der anwesenden Schalke-Fans war übrigens ebenfalls sehenswert. Ich habe selten so viele geschockte Gesichter gesehen, es waren auch unzählige Flüche auf die eigene Mannschaft zu hören in diesem Moment.
Dann war Schluss und ich fuhr noch zu Freunden in Herten, die ebenfalls allesamt Schalke-Fans sind, und mir drohten, mich „zu erschlagen und hier im Garten zu vergraben“ – wozu es aber nicht kam, wie man an diesem Bericht sieht.
Hier noch zum Abschluss eine kleine, höchst subjektive Einzelkritik der Bochumer Spieler von mir:
Philipp Heerwagen: Sah beim 0:1 unglücklich aus und wehrte einmal einen Schalker Schuss in die Mitte ab, von wo Höwedes dann zum Abschluss kam. Parierte danach allerdings zweimal Weltklasse und bewahrte Bochum vor dem dritten Gegentor, das wohl den K.O. bedeutet hätte.
Note: 3.
Christian Fuchs: Ließ sich hinten mehrfach düpieren, ballerte einen Freistoß aus aussichtsreicher Position weit über Neuers Kasten, insgesamt schwacher Auftritt.
Note: 5.
Mergim Mavraj: Leistete sich zwei schwere Patzer, zunächst das Liegenbleiben nach dem Foul von Moritz, dann noch in der zweiten Halbzeit im 5er, als er den Ball unter sich durchspringen ließ. Eine Szene führte zu einem Gegentor, die andere beinahe.
Note: 5.
Matias Concha: Wurde von Sanchez vorgeführt. Verschuldete so mehrere gefährliche Szenen im eigenen 16er, passiv gegen Kuranyi beim 0:2. Erst durch Sanchez´ Auswechslung von seinem Leid erlöst.
Note: 6.
Marcel Maltritz: Noch der beste Bochumer Verteidiger, ohne größere Fehler.
Note: 3,5.
Zlatko Dedic: Schwacher Auftritt, rannte sich viel zu oft auf seiner Seite fest und verlor fast alle Zweikämpfe. Zurecht ausgewechselt.
Note: 5.
Christoph Dabrowski: Spielte recht souverän, konnte aber das Spiel der Bochumer auch nicht strukturieren. Einer der besseren.
Note: 3,5.
Milos Maric: Behauptete viele Bälle im Mittelfeld, soweit das gegen das Pressing der Schalker möglich war, starke Standards, insgesamt recht gute Leistung, eine seiner Ecken bereitete das 1:2 vor.
Note: 2,5.
Roman Prokoph: Engagiert, aber glücklos. Hatte aber die einzige Bochumer Torchance in Halbzeit eins. Hätte vielleicht weiter spielen sollen statt Concha.
Note: 4.
Stanislav Sestak: Vor allem in der ersten Halbzeit mangels brauchbarer Zuspiele fast unsichtbar, aber immer in Bewegung und zählte am Ende zu den Matchwinnern durch das Erzielen des 2:2.
Note: 3.
Joel Epalle: Viel Laufarbeit, wenig brauchbares, kaum gute Pässe oder gewonnen Zweikämpfe. Insgesamt ein schwacher Auftritt.
Note: 5.
Paul Freier: Machte mächtig Dampf auf der rechten Seite und stellte gegenüber Dedic eine klare Verbesserung dar. In dieser Form absolut tauglich für die Startelf.
Note: 2.
Mimoun Azaouagh: War auf dem Platz, aber ansonsten habe ich nicht viel von ihm gesehen. SEHR mäßiger Auftritt gegen seinen Ex-Verein. Auf diese Art kann er keine Ansprüche auf die Startelf stellen. Neuer Spielmacher gesucht!
Note: 5.
Und schließlich, der „Man of the match“:
Vahid Hashemian: Schon beeindruckend, was ein Spieler in 18 Minuten alles reißen kann! Ein Tor erzielt, eins vorbereitet, dazu stark in der Ballbehauptung – viel besser geht es nicht!
Note: 1.





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