Das aktuelle Wetter NRW 22°C

Abgang

Der Tag danach. Ich musste erst darüber schlafen. Gestern war ich deutlich zu frustriert, als dass ich zu den Geschehnissen vom Samstag ein paar Zeilen hätte schreiben können.

Betrachten wir daher zunächst die Fakten: Bochum ist abgestiegen. Völlig verdient unterlag man dem ebenfalls nicht gerade vom Erfolg verfolgten Abstiegsaspiranten, Hannover 96, mit 0:3. Überraschend kam der Abstieg vielleicht nicht, aber das „Wie“ auf dem Platz war dann doch unerwartet.

 

Hannover zeigte ziemlich schnell auf dem Platz, wie Abstiegskampf aussehen sollte. Diszipliniert spielend, mit kompakter Abwehr, dazu sauber ausgespielte Konter. Drei Mal schossen die Gäste in Halbzeit eins auf das Bochumer Tor, drei Mal zappelte der Ball im Netz. Und „unsere“ Mannschaft? Schaffte es nur in den ersten 10 Minuten, dagegen zu halten. Spätestens nach dem zweiten Gegentor erlosch nahezu jede Gegenwehr auf dem Platz. Nach der Pause hatten die Gäste dann noch nach zwei Ecken jeweils die Möglichkeit, noch zwei weitere Tore zu erzielen.

 

Es war schon bitter als Fan mit anzusehen, wie viele Arbeitsverweigerer auf dem Platz standen gestern. Kein Aufbäumen, kein bedingungsloses Anrennen – selten ging eine „Mannschaft“ so verdient als Verlierer (und als Absteiger) vom Platz wie diejenige des VfL gestern.

An den Fans hat es jedenfalls nicht gelegen. Bis zum 0:3 war wenigstens noch etwas Anfeuerung da, auch wenn zumindest bei mir nach dem 0:2 die Hoffnung auf den Klassenerhalt auf nahe Null gefallen war. Die Ausschreitungen nach Spielende habe ich selbst nicht mehr mitbekommen, da ich den Ort des Schreckens bereits zur 80. Spielminute verlassen hatte.

 

Meine persönliche Schlussfolgerung aus dem Ganzen ist nun, dass die dauerhaft schlechten Leistungen primär nicht dem jeweiligen Trainer anzulasten waren bzw. sind. Hier stand, bis auf wenige Ausnahmen, eine Truppe auf dem Platz, der das Wohl ihres Arbeitgebers, das des VfL Bochum, völlig egal war. Zum Glück werden viele dieser Arbeitsverweigerer nun den Verein verlassen. Bleibt nur die Frage, wer wird sie ersetzen, angesichts der schmalen Finanzspielräume. Tja, und ebenso stellt sich die Frage, ob es nicht vor der Saison mutiger gewesen wäre, Geld in die Hand zu nehmen, ein paar teure, aber dafür bundesliga-taugliche Spieler zu verpflichten, und dafür ein paar Schulden in kauf zu nehmen? Hätte, wenn und aber…

Gestern Abend war ich dann noch in Bochum unterwegs. Überall sah ich die traurigen, blau-weiß gekleideten Gestalten. Ich hoffe wirklich, dass man bei der Vereinsleitung, die sich in dieser Saison durch überwiegend schwache Transferpolitik und zum Schluss Trainer-Aktionismus, „auszeichnete“, wenigstens etwas daraus gelernt hat und nun endlich den professionellen Neuaufbau, leider in Liga 2, startet.

 

Ich denke, dieser Abstieg hat enorm viel Schaden, auch gerade beim Fanpotenzial, angerichtet. Das wird sich dann in der kommenden Spielzeit am noch geringeren Zuschauerschnitt zeigen. Demnächst geht es also statt gegen Bayern, Dortmund oder Schalke gegen Paderborn, Oberhausen und Duisburg. Vielen Dank für Nichts!

 
Diesen Artikel bookmarken?

0 Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.derwesten.de/services/trackbacks/blogs/6019436/create

0 Kommentar