Ich hasse Winterpausen! Ehrlich! Da startet der VfL Bochum seine gefühlte erste Siegesserie seit sieben Jahren und „Cut“ – schon muss man sich statt mit dem Protokollieren sukzessive anwachsender Punktekonten mit sinkenden Kontoständen anlässlich gesellschaftlich verordneter Weihnachtsbeschenkerei herum plagen. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt wurde der VfL vor vier Wochen zu einer Zwangspause verdonnert. Als sich die Mannschaft gefunden und Friedhelm Funkel ein nachvollziehbares Spielkonzept installiert hatte, baten die Spielplangestalter der DFL zur Einhalt und bremsten die Aufholjagd unseres Vereins temporär aus. Umso nervöser fieberte ich dem heutigen Neustart entgegen, insgeheim die Hoffnung hegend, die Mannschaft würde trotz – oder gerade wegen - dezenter Umstrukturierungen des Kaders ihre gute Form halten und den angeschlagenen Löwen einen weiteren Zahn der Zeit ziehen können.
Überhaupt…1860 München… Auch wenn dies selbstverständlich ein vollkommen subjektiv gefärbter, von blinder Erfolgstrunkenheit erfasster VfL-Blog bleiben soll, seien an dieser Stelle einleitend ein paar Sätze zum heutigen Gegner verloren. Es gibt nicht viele Vereine, die in den vergangenen zwei Jahren ein ähnlich tragisches Schicksal erleiden mussten, wie der stadtintern beliebteste Verein Münchens. Schulden, verlorene Heimat, zur Bittstellerei beim Erzrivalen genötigt und mittelfristig eher Dritt- als Erstligist – in solchen Momenten ist man froh, sein Fanherz an den VfL Bochum verloren zu haben, einen grundsoliden, sportlich gut aufgestellten Verein mit einigen Talenten, schöner Ostkurve, kompetenter sportlicher Führ… ääh.. Naja, Haken drunter, Gehässigkeit gegenüber langsamen Toden sterbenden Traditionsvereinen verbittet sich. Wer weiß, ob wir den Karren nicht irgendwann in eine ähnliche Situation fahren und uns beim Lüdenscheider Nachbarn einmieten müssen?
Jene Leser, die dieser bitterböse Albtraum nicht zum umgehenden Lesestopp veranlasst hat, dürfen im Folgenden an meiner Begeisterung über den rundum gelungenen Rückrundenstart teilhaben. Es macht wieder Spaß! Hartgesottene Fans mögen mir einen virtuellen Hammer über den glücklicherweise ebenfalls virtuellen Schädel ziehen, aber Mitte der Hinrunde hatte ich wahrhaftig den Spaß am VfL verloren. Die Niederlage gegen Ingolstadt ärgerte nur noch bedingt, das verinnerlichte Mittelmaß verhinderte gesteigerte Ekstase bei Toren und frustrierte Gewaltausbrüche bei Gegentoren. Doch der leidenschaftliche Kampf bei Union Berlin (für Concha!) und der abgezockte Auswärtssieg in Duisburg reanimierten Herz und Hoffnung. Das 3:1 bei 1860 festigte den Trend und lässt auf dramatische Wochen im Aufstiegsrennen hoffen.
Die brennendsten Fragen des Tages in Kurzform beantwortet:
Wie präsentierte sich Mimoun Azaouagh? Weniger eigensinnig als in der Abstiegssaison, zeigte der gefühlte Neuzugang, weshalb er in Normalform einen Platz in der Startelf sicher haben dürfte. Seine Antrittsschnelligkeit, überraschende Einfälle und Körpertäuschungen dürften in der zweiten Liga nur wenige Nachahmer finden. Fußballerisch ist Azaouagh definitiv eine Bereicherung, auch sein Standing in der Mannschaft scheint durch die vorübergehende Suspendierung nicht nachhaltig gelitten zu haben.
Wer hat auf der linken Abwehrseite die Nase vorn? Ostrzolek konnte heute weiter für sich werben. Ein Stellungsfehler gegen Rukavina sowie ein ungestümes Dribbling bei einer 3 gegen 2 Situation waren verzeihlich, angesichts seiner mutigen Vorstöße und guter Unterstützung der Vorderleute. Auch technisch scheint der 20-jährige Linksverteidiger gut ausgebildet zu sein, da er selbst unter Tempo eine ordentliche Ballführung aufweist und man keine verstokelten Stockfehler mit daraus resultierenden Kontern befürchten muss. Bönig wird es schwer haben.
Wieso „spielt“ der VfL plötzlich Fußball? Zur Erörterung dieser simplen Frage müssten sicherlich mehrere Faktoren ins Feld geführt werden. Gesteigertes Selbstbewusstsein und das eingespielte Mittelfeldtrio mit dem nunmehr offensiver attackierenden Dabrowski gehören sicherlich dazu. Primär auffällig ist jedoch die höhere Spielkultur, die auf ein bevorzugt flaches Direktpassspiel mit nachrückenden Passgebern fußt. Mittlerweile möchten stets mindestens zwei Spieler den Ball haben, entsprechend lauffreudig bemüht sich das gesamte Team nach Ballgewinn um das Erschließen breiter Räume und eröffnet auf diese Weise multiple Anspielstationen. Lange Bälle schlagen Maltritz und Co. allenfalls zur Befreiung aus dem eigenen Strafraum, von den Mittelfeldspielern Vogt, Johansson oder Dabrowski sieht man planloses Hauruck-Gebolze nur noch in Ausnahmefällen.
Und was macht Gabor Kiraly? Alles wie gewohnt. Vollkommen überschätzt, da in jedem zweiten Spiel mit mindestens einem unglaublichen Bock. Vielen Dank auch, dass er uns nach zwischenzeitlich unerklärlicher Tiefschlafphase wieder auf die Siegerstraße lotste.
Die kurze, gefühlt elend lange Winterpause ist vorbei. Und der VfL hat die Aufstiegsloipe nicht verlassen. Beim nächsten Gastspiel in der Allianz-Arena wird man hoffentlich vor ausverkauftem Haus antreten.





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