„Wer nichts mehr erwartet, wird
auch nicht enttäuscht“, textete der Kollege zur Halbzeit des
Augsburg-Spiels und traf damit den Nagel auf den Kopf. Warum also
Hoffnungen und Erwartungen an eine Mannschaft formulieren, die in
diesem Horror-VfL-Jahr immer wieder aufs Neue enttäuscht hat? Wer
nichts mehr erwartet, jedoch weiterhin an diesem Verein hängt, der
kann sich an einem grauen Samstagmittag im heimischen Pantoffel-Kino
in aller Ruhe ein Auswärtsspiel beim KSC ansehen. Tiefer konnte es
doch – auf (Fürth) und außerhalb (JHV) des Platzes – eh kaum
mehr gehen.
Unser Sportvorstand gab vor der Partie noch einmal seine Einschätzung zum Besten, wonach die Nicht-Entlastung des Aufsichtsrates „ausschließlich sportliche Gründe“ habe. Er glaubt wohl selbst an dieses Märchen, armer Gustl. Funkel berichtete seinerseits von einer Mannschaft, die unter der Woche „hervorragend gearbeitet“ habe, was man – Surprise, surprise! – der Truppe im Spiel dann tatsächlich anmerkte. Der Wille war deutlich zu erkennen, kein Vergleich zum leidenschaftslosen letzten Heimspiel. Traurig natürlich, dass man das überhaupt gesondert betonen muss.
Im verregneten Badener Land ging es
anfangs hübsch hin und her. Relativ einfache Mittel (Doppelpässe,
vertikale Bälle) reichten mal wieder aus, um unsere Viererkette in
Not zu bringen. Luthe rettete. Gut, dass wir diesmal „nur“ gegen
den KSC spielten. Vorne vergab Tese erst einen Hochkaräter und traf
dann nach schöner Vorarbeit (Toski) und noch schönerer Drehung zum
1-0. Alles Käse außer Tese? Nicht ganz. Wiederum Toski zwirbelte
einen Freistoß auf den Kopf von Yahia. 2-0, vielen Dank auch an
Herrn Robles! Kurz vor dem Tor hatte Yahia in der Defensive noch übel
gepatzt.
Damit war erst einmal die Luft aus dem Spiel. Dem KSC fehlte schlichtweg die Qualität, um uns entscheidend zu gefährden. So hatte man die Gelegenheit, sich z.B. mit der doch recht speziellen Farbe unserer Ausweichtrikots zu beschäftigen (Grün? Limette? Textmarker-Grün?) und den dauersangesfreudigen KSC-Fans zu lauschen. Ein Hoch auf die „Stadionton“-Option von Sky!
Noch ein Wort zum Personal: Maric spielte irgendwie rechts in der Raute, was irgendwie keine ideale Position für einen antriebsarmen serbischen Stehgeiger ist. Aber Slawo kommt ja bald zurück. Giovanni Federico ist dagegen hinter den Spitzen gut aufgehoben, sollte jedoch öfter am Spiel teilnehmen. Im gefühlten 20-Minuten-Rhythmus lässt er seine überragende Technik und sein formidables Spielverständnis aufblitzen, um dann wieder abzutauchen. Saglik ist ungemein fleißig, aber glücklos. Luthe irrte wiederholt ziellos durch den 5er, erweckte aber gleichzeitig nicht den Eindruck, sich diese Aussetzer sonderlich zu Herzen zu nehmen. Auch eine Qualität.
Fazit: Mit einem verdienten 2-0 hat der VfL für den Moment den größten Brandherd gelöscht. Der Gegner allerdings agierte ähnlich grau und verunsichert wie zuletzt der VfL. Kein Anlass also für irgendwelche Träumereien. Weiter geht’s!





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