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2:0 gegen die Fortuna. Ein Sieg für Rasen und Können.

Am vergangenen Sonntag wurde in den Kommentierungen zum Spiel der Bochumer auf der Alm deutlich, welche Fans auch mal selbst gegen den Ball treten, welche zumindest ein paar Fußballer im engeren Bekanntenkreis haben und welche den besten, spannendsten und schönsten Sport der Welt lediglich, ausschließlich und absolut auf dem Sofa verfolgen. Wies erstere Gruppe angesichts kartoffelackeriger Platzverhältnisse großes Verständnis für die unansehnliche Bolzerei auf und versuchte die zweite Gruppe, das landwirtschaftlich hochwertige „Grün“ als spielbeeinflussenden Faktor in die Analyse mit einzubeziehen, schimpfte die dritte Fraktion über das strukturlose Spiel der Funkel-Elf, kritisierte mangelhaftes Verständnis zwischen den Mannschaftsteilen und war ob des vermeidbaren Remis mächtig erbost. Zugegeben, ich hatte beim Tabellenletzten ebenfalls mit einem Sieg gerechnet, doch spätestens nachdem die 22 Akteure binnen einer knappen Viertelstunde die Rasenrestbestände vollkommen kompostreif getreten hatten, schien ein hektisches Kampfspiel – findige Reporter-Souffleusen mögen es gar „Pokalfight“ tituliert haben – quasi unausweichlich. Das 2:2 resultierte schließlich aus der eingeschränkten Bereitschaft mancher Spieler, die Bielefelder Gurkentruppe als respektablen Gegner anzunehmen und ihnen mit der gleichen Konzentration wie zuvor Augsburg, Duisburg oder Aue zu begegnen. Ärgerlich, denn sonst wäre Ewald Lienen nach Schlusspfiff ganz kleinlaut zum Rapport beim Sportvorstand geschlichen und hätte nicht realitätsfremd vom „glücklichen Unentschieden“ für den VfL, der seiner Meinung nach „nichts fürs Spiel“ tat, schwadronieren dürfen.

 

Was ein freudig sprießender Rasen für einen Einfluss auf die Ausgangsbedingungen eines Fußballspiels haben kann, offenbarte sich am heutigen Abend im Bochumer Ruhrstadion. Hier konnte man plötzlich wieder Fußball „spielen“. Hier machte es Sinn, sich eine Taktik auszudenken, da diese nicht von Matschpfützen-bedingter Unglücksmomenten außer Kraft gesetzt werden konnte. Hier war auch wieder Platz für Kreativkräfte wie Mimoun Azaouagh, dessen Dribblings ein sattes, ebenes Grün voraussetzen. Ja, heute feierten wir die Rückkehr einer Sportart, deren Spielausgänge im Regelfall eben nicht auf Zufallsvariablen beruhen.

 

Somit war bereits vorab geklärt, dass nur die bessere Mannschaft mit den besseren Fußballern gewinnen würde. Demnach konnte der Sieger auch nur VfL Bochum heißen. Spannung gab es dennoch zuhauf, denn in der Anfangsphase wehrte sich die Düsseldorfer Fortuna mit mehreren Abwehrketten heftigst gegen die logisch herleitbare Niederlage. Im Gegensatz zu den Mauerfußballern aus Oberhausen begingen die Gäste jedoch den Fehler, mit zwei bis drei Akteuren schon in der Bochumer Hälfte anzugreifen und auf diese Weise im Zentrum den einen oder anderen willkommenen Freiraum zu lassen. Friedhelm Funkels taktischer Kniff, mit Azaouagh einen weiteren Techniker ins zentrale – von mir aus halblinke – Mittelfeld zu bringen und die Drecksarbeit vor der Abwehr dem Duo Vogt / Johansson zu überlassen, erwies sich als belebendes Element, das die Variabilität des Angriffsspiels erhöhte zu einem allgemein offeneren, lebendigeren Spiel beitrug. Unsere Nummer 29 holte sich den Ball häufig in der eigenen Hälfte ab und konnte in zurückgezogener Position seine Stärken viel effektiver zur Geltung bringen. Als Halbstürmer auf den Außen konnte Aza zuletzt nur selten mit dem Ball am Fuß „anlaufen“ sondern verfing sich stattdessen beim Abschirmen des Balles bereits im erstbesten Zweikampf. Interessant dürfte in diesem Zusammenhang sein, ob Funkel in der kommenden Woche den heute soliden Schweden bzw. den fahrigen Vogt opfern oder mit der Herausnahme eines Offensivspielers wieder die Sicherheitsvariante aus dem Augsburg-Spiel reaktivieren wird.

 

Abseits aller taktischen Systemdiskussionen stimmte heuer auch die Einstellung, insbesondere die Laufbereitschaft der kompletten Mannschaft. Was Vogt oder Dedic an Kilometern abrissen, ging aufgrund ihrer hohen Fehlpassquote etwas unter. Auch Kopplin und Ostrzolek arbeiteten in der Vorwärtsbewegung enorm wirkungsvoll mit, hatten lediglich im Abschluss, d.h. bei den finalen Flanken kein gutes Timing. Ein Sonderlob verdiente sich abermals Marcel Maltritz, der momentan seinen gefühlten vierten Karrierefrühling erlebt und fehlende Schnelligkeit immer geschickter durch abgezocktes Stellungsspiel kompensiert. Auch mit Ball am Fuß ist die Unfallgefahr rückläufig.

 

Das stimmte hinsichtlich mittelfristiger Zukunftshoffnungen alles sehr zuversichtlich, auch wenn das kritische Auge so manches fußballerische Defizit im Ausspielen der Konter und in der Ausführung der abermals grottigen Standards ausmachen musste. An diesen seidenen Faden klammerte sich auch Sky-Kommentator Jürgen Schmitz, der mal wieder arg parteiisch kommentierte und bis in die Schlussminuten von einem glücklichen Bochumer Sieg sprach. Herr Schmitz, wie viele Torchancen konnten denn ihre Düsseldorfer herausspielen? Null? Oder doch eher Null? Auf keinen Fall weniger oder mehr als Null. Insofern sollten wir alle ganz objektiv anerkennen, dass auf guten Spieloberflächen eben die guten Mannschaften gewinnen. Schön, dass der Frühling naht. 

 
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