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1 zu 4: VfL für eine Hälfte wie aus(ver)wechselt

Ist die Anspruchshaltung angesichts der jüngsten taktischen Meisterleistungen unserer Mannschaft zu hoch? Darf man vor einem Auswärtsspiel beim amtierenden Deutschen Meister behaupten, der VfL aus Bochum befände sich derzeit auf Augenhöhe mit dem bosnisch-brasilianischen Sturmduo, dessen Marktwert mutmaßlich dreimal so hoch wie der des kompletten Bochumer Kaders ist? Vielleicht hat der annähernd perfekte Rückrundenstart die Maßstäbe in ungesunde Regionen verschoben und es hat die 1:4-Pleite bedurft, um noch einmal an die Zielsetzung Klassenerhalt zu erinnern.

 

Dies wäre eine Lesart des heutigen Spiels, mit der diskussionstechnisch an Stammtischen durchaus zu reüssieren wäre. Eine andere Sichtweise ist jedoch nicht minder zutreffend: Warum darf man dem Ärger über eine unnötige Auswärtsniederlage beim vor Anpfiff nur drei Zähler besser postierten Kontrahenten nicht freien Lauf lassen? Misimovic fehlte gesperrt, die Viererkette der Wölfe war nach 35 Minuten gesprengt und der einzig wahre VfL führte zu diesem Zeitpunkt bereits mit 1:0 dank eines herrlichen Schlenzers vom erneut emsig rackernden Freier. Im Mittelfeld liefen lethargische Gastgeber ausschließlich nebenher, bzw. konnten die Hacken der wieselflinken Bochumer nur staunend aus der Ferne bestaunen. Hätte nicht der überraschend fahrige Maric für so manche Aufregung bei Ballverlusten im Aufbauspiel gesorgt, die Wolfsburger wären vor dem Seitenwechsel nicht ein einziges Mal gefährlich in den konsequent abgesicherten Strafraum eingedrungen. Wenn unter diesen Vorzeichen 45 Minuten später eine deftige Niederlage auf der Anzeigetafel aufblinkt, ist ratloses Kopfschütteln absolut legitim. Das Fazit "es war mehr drin" steht in diesem Kontext nicht für floskelhafte Gleichgültigkeit. Im Gegenteil: Das seltsam unkonzentrierte Verteidigen gegen den Ball, gepaart mit haarsträubenden Abspielfehlern, brachte die bis dato wirkungslose Wolfsburger Offensive erst ins Spiel und begünstigte die letztlich (zu) hohe Niederlage entscheidend. Bochum konnte über den Verlauf des Spiels bestimmen - und brachte sich einzig und alleine selbst um den Lohn laufintensiver Arbeit in der ersten Spielhälfte.

 

Unglücklicherweise griff auch unser sonst so treffsicherer Taktikfuchs Heiko Herrlich bei seinen Auswechslungen gründlich daneben. Weshalb das mit Hashemian und Epallé in vorderster Reihe perfekt aufgezogene Pressing durch die Hereinnahme von Prokoph und Dedic ausgesetzt wurde, bleibt vorerst ein Rätsel. Die sicherlich gut gemeinte Stärkung der Defensive erwies sich in der Praxis als untaugliches Mittel, da Dedic und Holtby schlecht abgestimmte Laufwege hatten, Prokoph abermals keinen Pass zum Nebenmann brachte und Freier nach starker erster Hälfte immer häufiger das aussichtslose Dribbling gegen drei Wolfsburger Gegenspieler suchte. Entlastung = Fehlanzeige, Torchancen dito. Ein philosophisch angehauchter Kalenderspruch zum weiteren Spielverlauf: Es kam zwar nicht, wie es kommen musste, aber es kam so, wie man es erahnen konnte. VW schaltete in den vierten Gang, brachte die individuelle Klasse seiner überbezahlten Aushängeschilder zur Geltung, deren Effektivität vor dem Tor leider an längst verblichen geglaubtes Meisterniveau anknüpfte. Wenigstens verteilten sich die Bochumer Abwehrfehler gleichmäßig auf alle vier Viererkettenschultern. Beim Ausgleich konnte Pfertzel die Flanke, Maltritz das lange Abstauberbein von Dzeko nicht verhindern. Den 1:2-Rückstand begünstigten Fuchs und Mavraj im Verbund, bei den weiteren Gegentreffern standen Schiedsrichter Zwayer und der Faktor "Pech" Pate.

 

Nachhaltige Sorgen dürfte der eklatante Einbruch in der letzten halben Stunde nicht bereiten. Die Mannschaft ist zu stabil, um sich von kurzfristigen, kollektiven Aussetzern aus der sicheren Bahn werfen zu lassen. Viel schwerer wiegt dagegen die fünfte gelbe Karte von Mavraj, die Herrlich erneut zur Umstellung der Abwehr zwingt. Concha für Pfertzel auf die rechte Seite, Yahia in die Innenverteidigung, Prokoph und Dedic bitte wieder auf die Bank, lauten die Tipps des unbedarften C-Lizenzinhabers. Doch die sportlichen Entscheidungsträger beim VfL werden auch ohne meine unausgegorenen Ratschläge die richtigen Schlüsse aus dem kleinen Rückschlag ziehen. Wichtig wird sein, sich der zweiten, kritischen Lesart des Spiels anzuschließen und die Niederlage als das zu begreifen, was sie schlussendlich war: vermeidbar, unnötig, selbstverschuldet. Werden die kommenden Aufgaben gegen Dortmund und Bremen mit diesem Selbstverständnis und Selbstbewusstsein angegangen, sollten die nötigen 6-7 Punkte bis zur Rettung bald eingefahren sein. 

 

Die Einzelkritik gibt es im Laufe des Abends vom Kollegen Luis Reichert.

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Unreflektierte Spontananmerkungen zum VfL:

--> www.twitter.com/DVollbrechtVfL

 
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