1:4 gegen Dortmund - gleichzeitige 2:1-Siege von Hannover und Nürnberg: Schlimmer hätte der heutige Nachmittag nicht verlaufen können. Der VfL zerlegte sich nach passabler Auftaktphase selbst, hatte lediglich zwischen der 45. und 55. Minute die Chance, trotz Unterzahl ins Spiel zurück zu finden. Zahlreiche individuelle Patzer in der Abwehr paarten sich mit offensiven Stockfehlern und kindlicher Naivität, wie sie Maric bei der völlig unnötigen Handwischerei gegen irgendeinen Dortmunder Schauspieler bewies.
Mit der folgenden Einzelkritik schließe ich meine Vearbeitung dieses verlorenen Tages ab, setze einen traurigen Haken unter das deprimierende Geschehen und rechne mir die Tabelle schön. Nächste Woche in Bremen muss die Mannschaft eine eindeutige Reaktion zeigen, sonst werden wir - um an das mittlerweile berühmte Herrlich-Zitat anzuknüpfen - wieder "auf die Niederlagen der Konkurrenz schauen müssen".
Philipp Heerwagen
Leitete mit seinem unbeholfenen Rettungsversuch vor dem 0:1 die Niederlage ein, parierte in der Folgezeit zweimal stark in direkten Duellen. Note 4.
Matias Concha
Ohne gröbere Fehler, zwei passable Vorstöße in der Offensive, aber technisch wie immer limitiert. Machte seine Seite weitestgehend dicht, in der zweiten Hälfte mangels Unterstützung durch Azaouagh gegen zumeist zwei Gegenspieler. Note 4.
Anthar Yahia
Sein Katastrophenpass leitete das 1:3 ein, hätte sich beim 0:2 in den Schuss werfen können. Blieb ansonsten unauffällig mit den üblichen Schwächen im Spielaufbau. Ihm merkte man die fehlende Spielpraxis deutlich an, doch daran wird er in den kommenden Wochen nicht arbeiten können. Gegen Bremen sitzt der Algerier wieder auf der Bank. Note 5.
Marcel Maltritz
Beim ersten Gegentreffer war unser Kaptitän indirekt beteiligt, ohne daran allerdings die Hauptschuld zu tragen. In den Zweikämpfen meist recht solide, bei hohen Bällen sogar äußerst umsichtig. Scheute den Risikopass, die unkontrollierten Befreiungsschläge waren dem Dortmunder Pressing geschuldet. Note 3,5.
Christian Fuchs
Die Verteidigungsleistung in der ersten halben Stunde beeindruckte lediglich den permanent ungedeckten Blaszikovski "Kuba". Da auch Holtby zu Beginn neben der Spur stand, liefen über die linke Bochumer Abwehrseite nahezu alle Angriffe der Gäste. In der zweiten Hälfte ging Fuchs konzentrierter zu Werke, war an den weiteren Gegentreffern schuldlos. Note 4,5.
Christoph Dabrowski
In der 39. Minute sorgte er mit einem gut getimten Pass auf Sestak für die erste gute Bochumer Offensivaktion. Produzierte in einem desaströsen Mittelfeldquintett vor der Pause noch die wenigsten Ballverluste. Blieb aber auch unter seinen Möglichkeiten. Note 4.
Milos Maric
Keine Ahnung, welcher Maric nach seiner zwischenzeitlichen Auszeit beim Auswärtsspiel in Mainz nach Bochum zurückgekehrt ist. Die Granate der ersten Rückrundenpartien jedenfalls nicht. Behäbig in der Ballbehauptung, sinnfreie Dribblings in zentraler Position und eine selten dämliche Tätlichkeit begünstigten die Bochumer Pleite entscheidend. Note 5,5.
Slawo Freier
Gute Ansätze in der Eröffnungsviertelstunde, anschließend bis zu seiner gerechtfertigten Pausenauswechslung ohne Aktionen und mit vielen Stockfehlern. Immerhin defensiv engagiert, aber das ist auf diesem Niveau in der Bundesliga nicht ausreichend. Note 4,5.
Lewis Holtby
Defensiv in den ersten 30 Minuten von allen guten Geistern verlassen, lief stets übermotiviert in die Mitte, um Owomoyela auf der Außenbahn frei durchlaufen zu lassen. In Unterzahl steigerte sich unser Youngster dagegen beträchtlich, erzielte sein erstes Tor und wartete mit einer richtig starken Laufleistung auf. Unter dem Strich noch Note 3,5.
Joel Epallé
In den letzten Wochen vermochte ich beim Kameruner einen leichten Aufwärtstrend auszumachen. Sorry, ich nehme alles zurück. Der heutige Auftritt war eine Reminiszenz an alte Zeiten: Kopf auf den Boden, rein in den Gegenspieler. Wahlweise wurde der Ball auch schon bei der Annahme verloren. Note 5.
Stanislav Sestak
Rackerte und wühlte in vorderster Front bisweilen bemitleidenserregend einsam umher. Hatte stärkere Szenen als zuletzt, wenngleich er die Chance kurz vor der Pause in besserer Verfassung verwertet hätte. Bei zahlreichen Befreiungsschlägen aus der Abwehr erwartungsgemäß chancenlos in Kopfballduellen gegen Subotic und Santana. Note 4.
Mimoun Azaouagh
Sehen wir es positiv: Seine Ballkontrolle war der des Kollegen Epallé meilenweit überlegen. Zudem brachte er mit der Vorlage zum 1:2-Anschlusstreffer den besten Pass des Spiels an den Mann. Die daraufhin einsetzende Lustlosigkeit war jedoch nicht entschuldbar und erst recht nicht schlüssig zu begründen. Tragisch, dass Aza nach Ballverlusten stehen blieb und Kollege Dabrowski 30 Meter diagonal zurück eilen musste, um den um Hilfe bittenden Concha zu assistieren. Note 4,5.
Andreas Johansson
Hielt sich aus Zweikämpfen raus, lief stattdessen clever die Räume zu. Tat ab der 65. Minute rein gar nichts mehr für den Spielaufbau, wirkte gegen Ende des Spiels körperlich erschöpft und ohne jede Dynamik. Note 4.
Vahid Hashemian
Mangels ausreichender Spielzeit nicht zu bewerten.
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Das Foto steuerte Kollege Luis Reichert bei. Vielen Dank.
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