Als bemühter, mit den technischen Spielzeugen der Jugend Schritt haltender, Web 2.0-affiner Blogger, führt derzeit zwar ein Weg an Facebook vorbei, doch dieser endet in einer Sackgasse. Für alle Verweigerer der globalen Datensammlung mag dieses Statement ein Schlag ins Gesicht (von Moritz Leitner… sorry…habe nichts gesagt) sein, aber die Freude über einen leicht glücklichen, dennoch unglaublich souverän herausgekämpften Sieg, binnen weniger Sekunden über den eigenen Facebook-Account in die weite Fußballwelt hinauszutragen, hat zumindest einen triumphierend-arroganten Reiz, dem ich mich nach Schlusspfiff nicht entziehen konnte: „Yees!!! Was für ein Sieg!!! Abgezockt und souverän ;) Moritz Leitner - A*********h. Sorry. :D“ haute ich im Moment der Freude arglos in die Tasten und prompt setzte es die ersten „Likes“ milde gestimmter, von der nächtlichen Euphoriewelle beeindruckter „Freunde“.
Gut, die Wortwahl ist gewiss überdenkenswert und hielte einer Sachlichkeitsprüfung unter keinen Umständen stand. Aber ganz unter uns: Wen stört es? Viele Monate musste ich mir tröstende, von einer subtilen Mitleidstour getragene Worte der Verachtung ob des tristen VfL-Fandaseins anhören, da ist ein prolliges Pöbeln absolut verzeihbar. Zumindest verzeihe ich mir jene Anschuldigungen gegenüber Herrn Leitner, der durch extreme Fallsucht während der kompletten 90 Minuten und ständiges Lamentieren derart penetrant auf den Nerven des gemütlichen Fernsehzuschauers herumtrampelte, dass Schiedsrichterin Steinhaus - quasi im Auftrage der neutralen Maltritz-Supporters - bei dessen Check gegen Leitner kulant abwinkte und lediglich ein vorangegangenes Foul mit gelber Karte ahndete. Meine C-Jugendspieler, die ich dankenswerterwesie in die Kunst des Fußballspielens einweihen und mit meinen Kabinettstückchen erfreuen darf, rufen bei lässigen Übersteigern immer laut „Ey, Cristiano-Style“, um ihrer Freude über eigene Coolness Ausdruck zu verleihen. Moritz Leitner ist altersmäßig nicht weit von meiner Übungsgruppe entfernt und dürfte hinsichtlich seiner unabstreitbaren Fähigkeiten ähnlich ticken. Der Cristiano-Style setzt sich jedoch in gestenreicher Freistoßforderung und beleidigten Reklamationen nach Fouls fort. Sicherlich legitim, aber „übelste Knechtigkeit“ (ebenfalls ein C-Jugend-kompatibler Spruch).
Lassen wir die üblen Begleiterscheinungen des Abends mal beiseite und wenden den Blick von der fiesen Facebook-Pöbelei ab. Der VfL ist wieder da! Beim Anblick des gefrorenen Kartoffelackers hatte ich bereits vor Spielbeginn arge Befürchtungen, ob das ansehnliche Kurzpassspiel der Vergangenheit auf diesem „Geläuf“ überhaupt fortgesetzt werden könnte. Anfangs bewiesen die schwarzen Cowboys, wie berechtigt die Unkenrufe waren und wie schwer die Umstellung von der zuletzt so erfolgreich praktizierten Dominanz auf schmutzige Verteidigung der eigenen Hälfte fiel. Häufig blieb nach Ballverlusten nur das taktische Foul oder der lange Schlag aus der Bedrängnis. Wenigstens stand die Viererkette sicher, auch Johansson räumte in der ersten Hälfte eine Menge ab und zeigte ansteigende Form. Da war es zu verkraften, dass Chong Tese in der Luft hing und von Azaouagh keinerlei Gefahr ausging. Nach der Pause das gleiche Bild, Augsburg feldüberlegen, der VfL hielt mit taktischer Cleverness und Zweikampfstärke dagegen. Erst nachdem die angesprochenen Tese und Azaouagh für Korkmaz und Aydin wichen, kam Struktur in die Offensivbemühungen. Aydin war es dann auch, der – obgleich es stets so wirkt, als stolpere er gleich über die eigenen Füße – per herrlichem Dribbling und Querpass das Siegtor durch Federico auflegte. Was anschließend folgte, war nur logisch: Augsburger Brechstangenfußball, wildes Geschreie und Gewühle im Bochumer Strafraum und ein unaufgeregter Luthe, der auch den letzten Flugball sicher runter pflückte.
Kehren wir wieder zum beliebten Facebook zurück: „Baaaaaam!! 1:0 Augsburg gezockt. Heftigst.“
Manchmal können Wahrheiten ganz einfach sein.





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