Da ist er endlich: der Mount Kenya (oder Kirinyaga). Der eigentliche Grund meines Besuchs in Kenya. Natürlich war es nett, mal wieder auf Safari zu gehen, wunderschöne Landschaften mit Löwen zu sehen, aber es ist der Berg, mehr als 5000 Meter (genauer gesagt 5177 Meter) hoch, der mich ein zweites Mal nach Kenya gelockt hat. Bei der Auswahl der Routen haben wir uns für die beiden Längsten entschieden. Auf der Sirimon-Route soll es zum Gipfel gehen, auf der Chogoria-Route wieder zurück. Günstig ist die Besteigung nicht, denn der Berg ist als Nationalpark deklariert, so dass man für jeden Tag Aufenthalt dort zahlen muss.
Noch einen Tag Rast an einer der kleinen Städte am Fuße des Berges, noch ein Besuch am Äquator und dann geht es los. Unser Führer ist dabei etwas nervös zu Anfang. Denn „Osama“ treibt in den Niederungen der Sirimon-Route sein Unwesen. „Osama“ so nennen die Einheimischen hier einen einzelnen Elefantenbullen, der durch seine Aggressivität bekannt ist und zwei Jahre zuvor auch eine kanadische Touristen tötete. Immer wieder schaut sich der Führer um, ob er den verrückten Elefanten irgendwo erblicken kann. Dieser lässt sich jedoch nicht blicken.
Stattdessen setzt erst Regen ein, der später zum Hagelschauer wird. So stark, dass 
nicht nur wir bis auf die Knochen durchweichen, sondern auch die Sachen im Rucksack feucht werden. Sehr ärgerlich, denn als wir auf unserer Übernachtungsmöglichkeit auf 3300 Meter ankommen ist es bitterkalt und es dauert Stunden bis wir wieder halbwegs aufgewärmt sind. Zudem gibt es keine Heizung oder Möglichkeit Feuer zu machen auf der Hütte. Die einzige Möglichkeit ist, Tee zu trinken oder sich einen Schluck Vodka zu genehmigen, den ich glücklicherweise mitgenommen habe.
Am nächsten Tag starten wir mit der Devise „Als Letzte los, als Erste ankommen“. Andere Gruppen, die auf der Hütte übernachtet haben waren beim Frühstück irgendwie schneller, so dass wir relativ spät erst los kommen. Alles kein Problem, denn die kann man ja problemlos einholen. Für die 14 Kilometer auf 4200 Meter benötigen wir gerade einmal drei Stunden. Nicht gerade ein durchdachter Aufstieg, denn zu schnell, so dass wir Abends auch die Auswirkungen der Höhe noch ein wenig zu spüren bekommen und der Kopf doch schmerzt.
Wenigstens ist hier die Kälte realtiv hilfreich, denn sie hilft einem am nächsten Morgen wirklich um drei Uhr aufzustehen, um den Gipfel zu stürmen. In finsterer Nacht, mit Stirnlampe geht es auf das steile Endstück mit dem „trickreichen Nordseitenweg“, wie ihn der Reiseführer nennt. Langsam aber stetig geht es an dem extrem steilen Endstück hoch. Das Ziel: Sonnenaufgang am Gipfel.
Das wird ganz schön knapp am Ende, so dass ich mich ein paar hundert Meter unter dem Gipfel von den Anderen absetzte, um wirklich bei Sonnenaufgang oben zu sein. Oben angekommen bietet sich ein atemberaubender Ausblick. Weit über den Wolken, die über dem zentralen Hochland Kenyas liegen, kann man dem Farbenspiel vor Sonnenaufgang zugucken und der Sonne, die sich langsam über den Horizont arbeitet. Der Kilimanjaro, an manchen klaren Tagen zu sehen, ist heute jedoch nicht zu entdecken.
Der Genuss wird nach einigen Minuten jedoch jäh unterbrochen, als meine Füße, nun windgeschützt, anfangen aufzutauen. Zugegeben, die leichten Hiking-Schuhe waren vielleicht zu wenig, aber das nützt jetzt auch nichts mehr. Die Schmerzen an den Füßen sind da und machen den Gipfelaufenthalt nicht gerade angenehm.
Nach kurzem Aufenthalt machen wir uns wieder auf den Abstieg. Immerhin fast 50 Kilometer Abstieg stehen für die folgenden zwei Tage an.





