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Santa kam nicht bis nach Wales...

Wie war das doch früher bequem: Am Abend vor Nikolaus einen Strumpf an die Tür gehängt, zur Sicherheit noch mal „Froh und munter sein“ geschmettert und bumms!, war das Ding am nächsten Tag voll. Solch infantile Gewissheiten kann ich als Student nicht erwarten, im Waliser Ausland schon zwei Mal nicht. Es liegt also an mir selbst, einen Tag voller Annehmlichkeiten zu gestalten. Als da wären:

 

  • Schön lange ausschlafen (gut, dass gibt’s fast jeden Tag, auch wenn Vorlesungen sind, aber heute mit besonderer Genussnote...)

 

  • Zur Mittagszeit begleite ich Martin, der zu Recherchezwecken eine kleine Hausbrauerei besuchen muss. Nun, eigentlich musste er das nur bis gestern, um dann festzustellen, dass sein Artikel über Wrexham ja schon die nötige Länge hatte. Aber warum den schon gebuchten Termin sausen lassen? Nach einem eher kurzen Interview erstehen wir zwei Flaschen „Dark Lager“, dem mit „einer Note Schokolade“. Perfektes Adventsbier also. Das zusammen mit je einem Paar formidabler „Schwarzgeräucherter“ (kamen mit elterlichem Care-Paket), ergibt einen Mittagssnack, nach dem wir uns die Finger lecken.

 

  • Angesichts eines strahlenden Sonnenscheins, wie wir ihn seit dem Anreisetag nicht mehr hatten, zog anschließend die halbe Belegschaft des Bath Road Hostel über Felder und Wiesen hinaus nach Erddig. Merkwürdig ist es schon, in Richtung Weihnachtsmarkt zu spazieren, während das Wetter eher an einen Frühlingstag erinnert. Abhilfe wurde gesucht im Schmettern deutscher Weihnachtslieder (angestiftet übrigens von unserem französischen Mitbewohner Bertrand). Und egal ob Schnee oder nicht: Erddig Hall, das alte Herrenhaus, ist immer wieder schön anzusehen. Eher kleinlich gehalten die Anzahl der Buden -  ein bisschen Holzschmuck hier, üblicher Dekokram dort. Hingegen sehr lecker: Walisischer „Christmas Cake“, in Größe und Konsistenz irgendwie unentschlossen, ob jetzt Kuchen oder Keks, aber vor allem zimtig und gut. Dazu ein schönes Glas „Mullet Wine“, der nach Urteil meines Gaumes um etwa 25 Prozent würziger ist als daheim. Was auf jeden Fall Vorbildcharakter hat, ist die Beschallung. Statt Kinderchor oder X-Mas-Pop aus der Dose spielt zum eigenen und der Besucher Vergnügen ein Jazzduo auf. Ganz entspannt, einer gibt den Mr. Slowhand, der andere lässt heiße Luft in Klarinette und Trompete strömen und singt zwischendurch. So ist das schön.

 

  • Nach einem wiederum opulenten Abendessen (man sieht, die Nahrungsversorgung hat im Ausland einen hohen Stellenwert) der Höhepunkt des Tages: Wichtelgeschenke. Wie jedes Jahr fanden die Idee erstmal alle kindisch, um dann doch wieder, als die Pakete auf dem Fensterbrett standen, der Auflösung entgegenzufiebern. Die mit viel Liebe ausgewählten Geschenke zaubern Zufriedenheit in die Gesichter: Mir werden zwei Dosen polnisches „Warka Strong“ zugedacht. Bier, so die Intention meines Wichtels Martin, mag doch jeder – und er bekommt zu seiner großen Freude selbst zwei Kannen Gerstensaft. Steffi ist jetzt Besitzerin eines „Desperate Housewife“-Bechers, wohingegen Marcel eine wirklich heiße Nikola geschenkt erhält. Da im Haus bisher jeder Funke Weihnachtsdeko fehlt, wird er das schöne Mädel hoffentlich nicht nur in seiner Bude bunkern. Stephan schließlich jubelt, als er eine „Starsky & Hutch“-DVD auspackt. Die kann man nicht nur ganzjährig benutzen, sie dient auch der Allgemeinheit. Denn mit einem gepflegten Videoabend wird mein Nikolaustag zu Ende gehen.
 
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