Übliche und neue Formen - eine persönliche Bestandsaufnahme
Abgesehen davon, dass man heute schon gar nicht mehr unterscheiden kann zwischen Advent und eigentlicher Weihnachtszeit, kann man vielleicht doch einmal die Frage stellen: Wann beginnt letztlich die eigentliche Weihnachtszeit?
Doch schon mit dem 1. Advent? Oder vielleicht erst mit den ersten Lichtereffekten in Einkaufsstraßen oder Kaufhäusern? Hin und wieder gibt es sogar 365 Tage im Jahr Weihnachten, so beispielsweise mit einem ganzjährig geöffneten Weihnachtsgeschäft im Rothenburg ob der Tauber (einschließlich einem Weihnachtsmuseum in dieser Stadt).
Gefühlsmäßig beginnt für mich aber die eigentliche spürbare Weihnachtszeit mit dem Eintreffen der ersten Weihnachts-Grußkarten, von denen ich in diesem Jahr schon am 9. Dezember eine ganz voreilige in Form einer ausführlichen handschriftlichen Briefkarte bekam. Und das mit einem kleinen schlechten Gewissen, weil nach dem Eintreffen der nächsten Grüße ich dann immer vor der Frage stehe, in welcher Form ich wem mit welchem Aufwand antworte. Oder anders ausgedrückt: Wem von meinen lieben Verwandten, Freunden und Nachbarn widme ich die handgeschriebene, ausführliche und aufwändigere Briefkarte, wer hat eine ausgesucht schöne digitale Weihnachtskarte verdient, wem schicke ich eine witzige animierte E-Card - garniert mit lustigen Smileys, mit oder ohne Jingle Bells-Musik -, wer bekommt eine eher übliche Weihnachtspostkarte oder wem verpasse ich eine flott kopierte E-Mail mit entsprechendem Foto-Anhang oder Bildhintergrund? Und wenn ich dann jemanden von denen, die es verdient haben, weihnachtlich von mir gegrüßt zu werden, vergessen haben sollte, dem kann ich ja immer noch am 1. Weihnachtstag fröhliche Festtage wünschen – per SMS oder per Telefon.
Aber mal Scherz beiseite: Natürlich nutze ich nicht die gesamte Palette an Festtagsgruß-Möglichkeiten. Die Handschriftbefürworter - das sind meist die, die keinen Rechner haben oder mit E-Mails nicht umgehen können oder wollen - bekommen eine konventionelle Briefkarte, sogar mit einer Handschrift, die wirklich die meine ist und trotzdem auf dem Rechner geschrieben und ausgedruckt wurde (so was gibt es wirklich). Die PC-Besitzer erhalten eine vom Text her gesehen individuell gehaltene E-Mail mit einem selbst erstellten bzw. sorgfältig bearbeiteten Weihnachtsbild als Hintergrund. Wobei ich gern Kitsch vermeide und in bewusst kritischer Auswahl eines der üblichen Motive benutze, die da sind: Kerzen und/oder Christbaumkugeln, meist mit Tannengrün oder Tannenbäumen oder umgekehrt, Schneelandschaften, Krippen, Sterne, Gebäck, Nussknacker, Engel, Nikoläuse, Rentiere, mit oder ohne Rudolph – the rednosed Reindeer…
All das zählt - sagen wir mal, im weitesten Sinne, - mit zu unserer teilweise schon amerikanisch beeinflussten Kultur, zu unserem Brauchtum. Und so sind die verschickten Weihnachtswünsche und –grüße Ausdruck einer mehr oder weniger engen Verbundenheit mit den Adressaten.





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