In der Weihnachtszeit ist die Luft erfüllt vom Duft der Nadelbäume.
Es ist ein weiter Weg vom hell strahlenden Weihnachtsbaum mit allerlei Backwerk, Naschereien, silbernen und goldenen Äpfeln, Holzspielzeug, Engelshaar, Christbaumspitze und glitzernden Kugeln geschmückt, bis hin zur ausklappbaren Kunststofftanne aus Fernost.
Der so ureigene deutsche Weihnachtsbrauch hat im Laufe seiner Geschichte vielerlei Änderungen und Deutungen erfahren, die aufzuzählen kaum Licht in das in die Tiefe deutschen Seelenmythos weisende Dunkel seiner Entstehung bringt.
Und doch sollten wir uns ein paar der wahrscheinlicheren Wurzeln dieses am Christabend viele Millionen einenden Brauch betrachten.
Paulus Cassel schrieb 1862 in seinem Buch über „Weihnachten. Ursprünge, Bräuche und Aberglauben“:
„Mit dem deutschen Weihnachten ist seit uralter Zeit ein lieblicher Brauch verbunden. Am Abend des 24 . Dezember - wenn die Nacht sich senkt, in welcher die Geburt des Herrn gefeiert wird - steckt die christliche Familie die Lichter an ihrem Weihnachtsbaum an. An einer Tannenkrone hängen durch Zweige und Nadeln lockend die roten Äpfel; der grüne Baum trägt den glänzenden Augen, die sich um ihn versammeln, Lichter und Früchte. In winterlicher Dürre strahlt er ein Bild des Lichts und der Frische.“
Das nun die Tanne (die heute zumeist eine Fichte aus heimischen Produktionen ist) unser deutscher Weihnachtsbaum geworden ist, liegt wohl nicht nur an der mythischen Verklärung dieses „Fürsten der deutschen Nadelbäume“, sondern auch an der verhältnismäßig leichten Verfügbarkeit des immergrünen Baumes, der das Sinnbild nie verwelkender Frische war, wie das alte Volkslied zeigt:
O Tannenbaum, o Tannenbaum
Wie treu sind deine Blätter!
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit,
Im Winter auch, wenn`s friert und schneit,
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie treu sind deine Blätter!
Niemand vermag genau zu sagen, wie alt unser Weihnachtsbaum - je nach Region wird er auch als Christbaum oder Tannenbaum bezeichnet - mit der heutigen Sinngebung wirklich ist. Sicherlich hatten grüne Zweige und immergrüne Bäumchen zu Beginn des lebensfeindlichen, kalten Winters als Beschwörungsritual und Hoffnungssymbol zum Schutz gegen die Mächte der Finsternis und als Zauberformel gegen allerlei Unglück schon seit alters her Bedeutung und einen festen Platz im Jahreskreislauf unserer Vorfahren.
Erste geschmückte Weihnachtsbäume tauchen im späten 16. Jahrhundert auf, und dieser Brauch breitete sich von nun an, anfangs vor allem in begüterten Häusern, stetig aus.
In den ersten Weihnachtsbäumen brannten noch keine Kerzen, denn Lichter sind erst Anfang des 18. Jahrhund erst nachgewiesen, wobei die Kerzen sicherlich noch lange Zeit ein Privileg der Begüterten waren.
Die Christbaumkugeln und Lametta sind noch junge Kinder der alten Tradition. Erst 1848 haben die Glasbläser im Thüringer Wald und im Erzgebirge die ersten Weihnachtskugeln als Christbaumschmuck hergestellt, und die deutsche Volksseele hat zugleich die glitzernden, mit allerlei Symbolen geschmückten Sinnbilder, die so sehr an die Äpfel im Christbaum der Vorfahren erinnern, dankbar angenommen.
Christbaumkugeln und Weihnachtsbaum gehörten hinfort zusammen, und nicht selten werden die zerbrechlichen federleichten Festsymbole in den Familien traditionsreich gehütet, um am heiligen Abend zeremoniell als Vorzeichen des Festes vom Dachboden oder aus dem Keller ins Licht der festlichen Stube geholt zu werden.
Der in seinem Licht erstrahlende Tannenbaum, - schön gewachsen muss er sein - geschmückt mit vielen Köstlichkeiten, ist wohl so recht dazu angetan, den traumhaften und feierlichen Sinn des Weihnachtsfestes zu verkörpern, denn aus den deutschsprachigen Ländern ging er als Symbol des Weihnachtsfestes im vorigen Jahrhundert hinaus in die Welt.
Heute werden in vielen Haushalten statt Wachskerzen elektrische Kerzen verwendet. Das ist ungefährlicher. In meinem Elternhaus stand immer ein bis zum Rand gefüllter Eimer Wasser neben dem Tannenbaum um einen ausgedehnten Zimmerbrand zu verhindern. Tatsächlich ist der Weihnachtsbaum ein paar Mal in Brand geraten. Ich rannte dann jedes Mal schreiend mit den Worten: „Der Baum brennt“, kopflos aus der Wohnung und ward nicht mehr gesehen. Das würde mir heute natürlich nicht mehr passieren. Doch ehrlich gesagt, einen Horror hätte ich immer noch davor.
Ein Tipp der unbedingt beachtet werden sollte: Am besten den Baum in einem Eimer Wasser stellen bis Weihnachten, da bleibt er bis heilige Drei Könige frisch.
(Foto: Weihnachtsfeier im Freundeskreis - Die junge Frau in der Mitte mit dem dunklen Kleid, ist meine Mutter geb.1905. )





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