Juchhu, jetzt wird alles besser. Es geht wieder aufwärts. So scheint es auf den ersten Blick, wenn man die aktuellen Stimmen aus dem Einzelhandel hört. Während ich am 1. Adventssonntag besinnlich ein Kerzchen anzündete, jubelte der Einzelhandel bereits über ein Umsatzplus am 1. Adventssamstag, den ich bis dato überhaupt nicht kannte, diesen Adventssamstag. Adventszeit, Adventssonntag, das alles habe ich schon mal gehört, aber einen Adventssamstag kannte ich noch nicht.
Ein Herr des Rheinischen Einzelhandelsverbandes erklärte am Sonntag in Düsseldorf, dass die Umsatzzahlen von 2007 zumeist übertroffen wurden. Prima. Und nicht nur das, es gab sogar noch "bestes Einkaufswetter". Was das nun wieder ist, versuche ich noch herauszufinden. Vielleicht sendet RTL demnächst nach den Nachrichten über Dieter Bohlens Lieblingstalent und den neuesten schönheitschirurgischen Spekulationen bei Meg Ryan ja noch das Einkaufswetter für die folgenden Tage. Womöglich hören wir dann "Heute jagte ein Tsunami durch den Einzelhandel in NRW. Bei bestem Einkaufswetter schnupperten tausende Familien die schöne Kaufhausluft und entspannten, ohne Angst vor UV-Strahlen, am Glühweinstand auf der Kö und der Kettwiger Straße. Und, liebe Zuschauer, die Aussichten bleiben freundlich. Morgen, gutes Unterhaltungselektronik-Kauf-Wetter bei trockenen 4 Grad. Keine Rutschgefahr beim Transport des Flachbildschirms nach Hause. Und, liebe Zuschauer, wenn es nachts dann schneit und hagelt, können Sie mit Ihrem neuen Plasma-Liebling gemütlich und in warmer Umgebung unser Programm genießen."
Ich gebe zu, dass ich mich nur selten an diesem Einkaufsspektakel beteilige. Ich halte es wie jedes Jahr: Äppel und Nüsse statt Breitbild-Innovation, Kerzenschein statt neuer Klamotten, Spielen statt Spielwaren kaufen, Wichteln mit Freunden an der Theke statt Deko-Terror zuhause. Ist zwar vordergründig schlecht für den Einzelhandel, aber, schaut man sich mein Leben einmal genauer an, doch gut für den Staat. Ich trage mein Geld in die Wirtschaft an der Ecke, belaste das Gesundheitssystem nicht mit Kosten wegen "Weihnachts-Burn-Out", schone die Umwelt, weil ich auf stromfressende Lichterketten verzichte und meine Nichte kann sich bei unserem jährlichen Advents-Mau-Mau-Abenden mal richtig von ihren ADS-Eltern entspannen.
Und noch etwas fällt mir ein: Auch in den letzten Jahren jubelte der Einzelhandel zu Beginn der Weihnachtseinkaufphase, doch am Ende, wenn abgerechnet wird, ging das Jammern wieder los. Dann war es ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft, 0,01% weniger Umsatz als im Vorjahr und die Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung standen im Vordergrund.
Ich werde das genau beobachten, denn ich habe da so eine Theorie: Alle diejenigen, die am 1. Adventssamstag nicht dabei waren, lesen die aktuellen Jubelnachrichten als eine Art Aufruf. Den Aufruf, mitzumachen, loszulaufen und kaufen, kaufen, kaufen. Man könnte ja etwas verpassen. Wenn das doch so gut lief am 1. Adventssamstag, dann muss da doch etwas dran sein, etwas Besonderes. Nicht, dass mir da etwas durch die Lappen geht...
Apropos Lappen: Meine Nachbarin häkelt in diesen Tagen Topflappen am laufenden Band. Für Weihnachten. Das gefällt mir. Und im Januar will sie sich einen neuen Fernseher kaufen. Ob der Einzelhandel dann auch jubelt, wenn Frau Krause eingekauft hat? Naja, egal, höchstwahrscheinlich fällt dem Einzelhandel gar nicht auf, wenn die gute Krause den Umsatz steigert. Die geht nämlich auch bei schlechtem Einkaufswetter. Und wer rechnet da mit einem Käufer?





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