Mittwoch, 2. September. Bisher gab es in DC 94 Morde. Im vergangenen Jahr waren es zu dieser Zeit bereits 120. Da sollte man sich wohl freuen...
Die Zeitungen, auch die serioesen, funktionieren hier in vielerlei Hinsicht anders als die in Deutschland. Unabhaengig vom Thema und eventueller Tragik der Artikel, sind vollstaendige Namen Pflicht. Gestern etwa druckte die Washington Post ein grosses Foto von einer Beerdigung ab. Ein hochrangiger US-Soldat wurde in Afghanistan getoetet und waehrend einer Zeremonie in Arlington beigesetzt. Das Aufmacher-Foto zeigte zwei voellig in Traenen aufgeloeste, junge Frauen, die von einem Offizier eine Flagge ueberreicht bekamen. Unter dem Bild stand nicht nur Offizier XY, sondern auch Vor- und Zunamen der beiden Frauen - es waren Nichte und Tochter des Verstorbenen.
Gleiches in einer anderen Situation: Eine 30 Jahre zurueckliegende Vergewaltigung mit anschliessendem Mord wird wieder aufgerollt. Der Reporter besucht die Familie, stellt sie in seinem Artikel vor. Eine Tochter ist erfolgreiche Anwaeltin, ihr Bruder studiert Medizin. Die zweite Tochter sitzt seit neun Jahren im Knast, weil sie ihren Freund brutal ermordet hat. In allen Faellen werden Vor- und Nachname genannt.
Was ich besonders bedenklich finde: In der Gerichtsberichterstattung wird genauso verfahren. Auch wenn die Schuld noch nicht bewiesen, und das Gericht noch laengst kein Urteil gesprochen hat.





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