Freitag, 28. August. Der Regen haemmert wie verrueckt gegen die Fensterscheiben. Heute ist der erste Tag, an dem ich mir endlich mal die Stadt ansehen koennte. Bei diesem Wetter macht das aber wenig Sinn. Hurricane Danny ist dafuer verantwortlich. Er treibt zurzeit ueber dem Nordatlantik sein Unwesen, seine Auslaeufer sind allerdings an der Ostkueste der USA mehr als deutlich zu spueren. Laut Wettervorhersagen wird Danny erst in Canada auf Festland treffen, fuer das gesamte Wochenende ist aber auch hier eine Menge schlechtes Wetter, Regen und Gewitter angesagt.
Waehrend ich auf die Strasse schaue und die Wassermassen beobachte, die wie kleine, reissende Stroeme an den Strassenraendern entlang schnellen, zermartere ich mir den Kopf ueber meine Wohnsituation. Gestern, bevor ich mich auf die Suche nach Hostels machte, war ich kurz bei Sunny, um sie und das Zimmer kennenzulernen. Das Apartment ist winzig, dunkel und ekelig. Beissender Uringeruch war das erste, das ich wahrnahm. Ihr kranker Hase laeuft durch die Gegend und ein Vogel laermt, macht Dreck und beisst alle Leute, die ihm zu nahe kommen, wie mir Sunny sagte. Sie selbst machte auf mich einen aeusserst labilen Eindruck. Nicht gerade das Apartment, in dem ich vier Monate leben will...
Zunaechst dachte ich mir, dass ich da wohl durch muss, zumal ich die Kaution von 675 Dollar bereits bezahlt habe. Auch die Wohnlage unmittelbar an der Metrostation Cleveland Park ist sensationell, Geschaefte jeder Art, Lokale und mein Arbeitsplatz, die Deutsche Botschaft, sind in der Naehe. Die Miete (675 Dollar) ist fuer DC sehr human.
Nachdem ich aber nicht wusse, wo ich bis Montag schlafen soll, und Mat mich in seinem Haus aufnahm, wurde mir mehr und mehr klar, dass ich bei Sunny nicht gluecklich werden wuerde. Mat, seine Mitbewohner und Freunde sind zwar Ende 30 oder Anfang 40, wir sind aber voellig auf einer Wellenlaenge. Die Miete hier betraegt 600 Dollar, was trotz groesserer Entfernung zur Innenstadt von Washington immer noch sehr preiswert ist.
Waehrend sich zu den dicken Bindfaeden, die der Regen draussen zieht, auch noch Blitz und Gewitter gesellen, habe ich Sunny schon zweimal auf die Mailbox gesprochen. Wir muessten reden, sagte ich auf ihr Band und erklaerte ihr kurz und moeglichst hoeflich meine Situation. In den us-amerikanischen Grossstaedten, und in Washington besonders, ist es leicht, innerhalb weniger Tage einen Mieter zu finden. Darum hoffe ich, dass Sunny keinen Stress macht und ich die naechsten vier Monate in Bethesda bei Mat leben werde.





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