Das aktuelle Wetter NRW 23°C

Obama in der Eighteenth Street Lounge

Mittwoch, 21. Oktober. Meka musste ihren Frankreich-Urlaub unterbrechen, keine Frage. Fuer diesen einen Tag, der wie kein anderer war, flog sie zurueck nach Washington. "Die Reisekosten waren mir egal. Ich wollte meinen Wahlzettel persoenlich abgeben, um sicher zu sein, dass er auch wirklich meine Stimme bekommt", sagt sie.

 

"Er" ist Barack Obama. "Sie" ist eine 24-jaehrige Amerikanerin. Ihr Vater kam einst aus Kamerun in die Staaten, er heiratete eine Jamaikanerin. Die Tochter, Meka, wuchs in Kalifornien, Jamaika und Europa auf. "Ich finde es gut, dass ich mich nirgendwo richtig verwurzelt fuehle", sagt sie. "Ich liebe es zu reisen und an neuen Orten zu leben."

Jetzt lebt sie in Washington, arbeitet bei der World Bank und erzaehlt mir in einer wunderschoenen Bar von ihrem Praesidenten. Der Moment, in dem sie erfuhr, dass er gewonnen hatte, war der schoenste ihres Lebens, sagt Meka. Dabei war ihr gar nicht so wichtig, mit welchen Inhalten Obama Wahlkampf machte. Sie, eine schwarze Amerikanerin mit Multi-Kulti-Hintergrund, haette ihn so oder so gewaehlt. Vermutlich auch, wenn er fuer die Republikaner angetreten waere.

 

Nach bald einem Jahr unter der Regie Obamas ist Meka's Euphorie Ernuechterung gewichen. "Ich habe Angst, dass er seinen Fokus verliert", sagt sie. "Er laedt sich selbst zu viel auf die Schultern, will zu viel auf einmal und schafft am Ende vielleicht kaum etwas davon."

 

Genug Politik fuer heute. Ich widme mich meinem Bier. Yuengling heisst es, kommt aus der aeltesten Brauerei der USA - sie wurde einst von einem Deutschen gegruendet - und schmeckt sehr gut. Auch das Buffett, das die Eighteenth Street Lounge mittwochs kostenlos anbietet, ist lecker. Die Referendarinnen und Praktikantinnen, mit denen ich hier bin, sind rundum begeistert.

Das Interieur erinnert an ein adeliges Domizil aus den Jahren um die Jahrhundertwende, auf drei Etagen gibt es drei Kamine, unzaehlige gemuetliche Sofas, Sessel, viele Raeume und einige Bars. Dazu die Dachterrasse, auf der wir gerade stehen.

 

Von aussen wirkt das Gebaeude mehr als unscheinbar. Fast so, als wollten die Besitzer nicht, dass jemand hier her findet. Die Eighteenth Street Lounge ist in einem von mehreren tausend Reihenhaeusern an der Connecticut Avenue versteckt. Sie ist eine von vielen Dutzend Bars an der 25 Kilometer langen Hauptstrasse, die sich laengs durch DC zieht. Rechts grenzt die naechste Bar an, links ein Matratzengeschaeft.

Ein Schild ueber dem Eingang gibt es nicht. Es hat noch nie eins gegeben, seit die Eighteenth Street Lounge 1995 eroeffnete - genauso wenig wie Werbung. "Unser Erfolg gruendet sich ausschliesslich auf Mund-Zu-Mund-Propaganda", heisst es auf der Website.

 

Dort gibt es auch Bilder. Man kann ja nicht immer seine eigene Kamea dabei haben...

 
Diesen Artikel bookmarken?

0 Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.derwesten.de/services/trackbacks/blogs/6014913/create

0 Kommentar