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Nasal Sanitizer

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Mittwoch, 14. Oktober. Etwa zwei Stunden nachdem ich beim Wolf-Biermann-Interview und dem anschliessenden Auftritt dabei sein durfte, sitze ich im Bus in Richtung Metro. Ich denke an den Moment nach dem Interview zurueck, als ich mit Biermann, seiner Frau und drei Botschafts-Angehoerigen im Aufzug stand. Biermann fragte mich, was ich beruflich mache. Ich sagte ihm, dass ich die WAZ-Journalistenschule besuche. Daraufhin sagte der 73-Jaehrige, kurz bevor er auf die Buehne ging, "Ich weiss nicht genau was es ist. Aber sie erinnern mich sehr stark an meinen Sohn."

 

Hinter mir im Bus sitzen zwei Frauen. Eine von ihnen ist Amerikanerin, die andere spricht gutes Englisch mit einem franzoesischen Akzent. Die Amerikanerin erzaehlt von ihrer Liebe zu Deutschland, davon, dass sie Samstag ein Vorstellungsgespraech hat, um ihn Berlin zu studieren. Auch die Franzoesin sagt, dass sie schon in Deutschland war und es sehr schoen fand. Ich spreche die beiden an und erzaehle ihnen, dass ich Praktikant in der Deutschen Botschaft bin. Wir unterhalten uns nett oberflaechlich und gehen von der Bushaltestelle gemeinsam zur Metro. Die Franzoesin Virginie und ich muessen beide nach Bethesda.

 

In der Metro erzaehlt sie mir von ihrem Leben. Davon, dass sie schon in Spanien, Brasilien und Frankreich gearbeitet hat. Und davon, dass sie nicht mehr Diplomatin werden wollte, nachdem sie arrogante franzoesische Botschafts-Angehoerige in Miami kennen gelernt hatte. Virginie ist Director of Operations bei Nozin. Ein Unternehmen, dass Nasal Sanitizer, also Alltags-Desinfektionsmittel fuer die Nase produziert. Zweimal am Tag solle man sich den Naseneingang damit einreiben und sei fuer die anschliessenden acht Stunden vor jeglichen Keimen und Bakterien geschuetzt. "Das ist echt unglaublich", sagt Virginie. "Ich mache das jeden Tag."

 

Nachdem ich auch ein wenig von mir erzaehlt habe - die anfaengliche Wohnungs-Odyssee miteingeschlossen - bietet mir Virginie an, in ihrem Gaestezimmer fuer meine verbleibenden zwei Monate zu wohnen. Ich bedanke mich artig, sage ihr aber, dass ich mich bei Mat und Konsorten sehr wohl fuehle.

 
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