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Metrogesichter

Mittwoch, 7. Oktober. Als ich am Dupont Circle in die Metro steige, faellt mir eine alte Frau auf, die komplett in weisse Lumpen gehuellt ist, ein weisses Kopftuch und weisse Schuhe traegt. Sie selbst ist schwarz, hat ein verdrecktes, ausgemergeltes Gesicht und rote Augen. Vor ihre Fuesse und auf die Nachbarsitze hat sie sechs Taschen gestellt, allesamt aus weissem Baumwollstoff.

 

Die alte Frau unterhaelt sich mit einem Rasta-Mann, der zwar freundlich zu ihr ist, sich aber auch immer wieder abwendet, um den anderen Fahrgaesten zu signalisieren, dass er sie nicht kennt. Die alte Frau kramt zielsicher in einer der Taschen und holt eine glaenzende Mundharmonika aus einem edlen Holzkaestchen hervor. Sie beginnt zu spielen. Michael Jackson's Earth Song. "Das ist sein bestes Lied", sagt sie und laesst eine Salve von unsinnigen Saetzen auf ihren Zuhoerer einprasseln. Dann spielt sie weiter. Diesmal Heal the World. "Ein schreckliches Lied", sagt sie als der Zug anhaelt, packt ihre Taschen und humpelt aus der Metro hinaus.

Es ist wahnsinnig interessant, welche Menschen man Tag fuer Tag in der Metro sieht. Einigen steht die Tragik als unuebersehbare Leuchtreklame ins Gesicht geschrieben, sehr vielen der Stress.

 

Ich erlebe aber auch zig nette Begegnungen, wie etwa ein kurzes Fussball-Fachgesimpel mit einem Liverpooler, oder Smalltalk mit einer huebschen Kolumbianerin, die mir zuvor am Ticketautomaten behilflich war.

 
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