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Im Weissen Haus

Donnerstag, 10. September. Gestern hielt Obama eine wichtige Rede vor dem Congress, um seine Gesundheitsreform in die Gaenge zu bringen. Als ich vorm Fernseher sass, kam Mat ins Wohnzimmer, nahm die Fernbedienung, schaltete aus, sagte: "Go away boring guy!" und lachte. Was zeigt mir das? Nun ja, Mat ist nicht etwa ungehobelt mir gegenueber. Wir hatten vorher abgesprochen, dass ich ihn in seinem Auto zur Werkstatt fahre, sobald er fertig sei. Und gegen Obama hat er auch nichts - ganz im Gegenteil. Er schaut sich bloss nicht gerne politische Reden an.

 

Um 10 Uhr treffe ich mich mit neun anderen Referendaren und Praktikanten der Botschaft vor dem Weissen Haus. Viviane (eine Referendarin) hat uns kurzfristig einen Tour-Termin besorgt. Das ist in der Regel nicht so einfach, zumal Amerikaner hier grundsaetzlich Vorrang haben. Obwohl auf der offiziellen Website whitehouse.gov steht, dass sich Auslaender an ihre Botschaften wenden sollen, um eine Tour zu bekommen, hat die Deutsche Botschaft nichts damit zu tun. Sie hat nicht nur keinen Einfluss darauf, ob Deutsche einen Termin bekommen, sondern befasst sich auch ueberhaupt nicht damit. Da aber staendig Anfragen hier eintreffen, die dann freundlich abgewiesen werden muessen, aergern sich Diplomaten ueber die entsprechende Passage auf der Website. Das Weisse Haus will sie aber nicht loeschen.

 

Zur Tour: Besonders spektakulaer ist das Ganze nicht, wobei die vielen Portaits an den Waenden und das teils ueber 200 Jahre alte Mobiliar schon ganz interessant anzusehen sind. Einen Fuehrer gibt es nicht, die Besucher laufen einfach die abgesperrten Wege entlang. Empfehlenswert sind kleine Gespraeche mit den Maennern des Secret Service, die in allen Zimmern Wache stehen. Sie erzaehlen ganz gerne, wie es ist, mit dem Praesidenten an einem Tisch zu sitzen, oder den Kindern beim Spielen im Garten zuzuschauen.

Die Fuehrung ohne Fuehrer fuehrt an der Buecherei vobei, durch den State Dining Room, den Red, Blue und Green Room. In die zweite und dritte Etage, wo die Obamas leben und arbeiten, duerfen Besucher nicht. Die gesamte Tour ist allerdings auch kostenlos, ebenso der Besuch im Visitor's Center nebenan, der sich echt lohnt. Hier darf jeder ohne Anmeldung rein, sofern er sich an die Sicherheitsbestimmungen haelt, die auch im Weissen Haus gross ausgeschildert sind: Kein Essen, Trinken, keine Kameras, Waffen oder Bomben.

 
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