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Montag, 31. August. Dass ich eine relativ lange Anreise zur Botschaft haben wuerde, wusste ich. Aber mit eineinhalb Stunden pro Fahrt hatte ich nicht gerechnet. Mit dem Auto braeuchte ich exakt 20 Minuten vo Tuer zu Tuer.

So ziemlich jede Auslandsvertretung in DC hat ihren SItz an der Massachusetts Avenue, die recht zentral gelegen ist. Sehr weit ausserhalb liegt die Franzoesische Botschaft und noch weiter entfernt die Deutsche. Da das Metro-Netz in der Hauptstadt im Vergleich zu anderen Grossstaedten eher duenn gesponnen ist, muss ich also morgens um 7 Uhr einen Bus nehmen, dann eine Metro, dann einen weiteren Bus. Dennoch: Surferboy Mat, der 38 Jahre als ist, wie 28 aussieht, und sich wie 18 benimmt, ist ein derart geiler Typ, dass ich die Fahrt gerne in Kauf nehme.

 

In der Botschaft angekommen, faellt sofort auf, dass die Praktikanten nicht wie Praktikanten behandelt werden. Das faengt beim Hausausweis an, auf dem bei mir dasgleiche steht wie bei den Diplomaten, und geht bei den Arbeiten (kein Kaffe kochen) weiter. Ich werde im German Information Center (GIC), auch Deutschlandzentrum (DZ) genannt, eingesetzt. Im Prinzip eine Art PR-Agentur, deren Aufgabe es ist, das Bild zu praegen, das US-Amerikaner von Deutschland haben. Das GIC veranstaltet diverse Events in Universitaeten, Konzerte, produziert sogar Filme. Woechentlich wird ein deutscher und ein englischer Newsletter herausgegeben, der Menschen in Amerika mit Deutschland-relevanten Themen versorgt.

 

Derzeit ist 20 Jahre Mauerfall, verbunden mit dem Tag der Deutschen Einheit, das groesste Projekt. Dazu hat das GIC einen Wettbewerb unter amerikanischen Universitaeten ausgerufen, einige ausgewaehlt und diese mit Ideen und Geld gespeist, um mit den Studierenden das Thema theoretisch und praktisch zu behandeln (z.B. Vortraege, Filme und Grafitti-Wettbewerbe). Ich werde unter anderem auch in diesem Bereich arbeiten, Mittwoch ist direkt ein Termin in der Georgetown-University, zu dem ich mitgenommen werde.

 

Weil das Kantinenpersonal in dieser Woche Urlaub hat, gehe ich mich mit den anderen Praktikanten in eine Sandwich-Bar in der Naehe. Nach dem ich das mittelmaessige 8-Dollar-Brot verschlungen, und meine Kollegen zumindest minimal kennengelernt habe, glaube ich, dass alle echt nett sind.

 

Auf meinem eineinhalbstuendigen Heimweg mache ich mir erste Gedanken, was ich wohl in mein Blog schreiben koennte. Noch bevor ich an meinen kuenftigen Arbeitsplatz gefuehrt wurde, musste ich eine Reihe Paragraphen unterscheiben. Unter anderem verpflichtete ich mich, nicht korrupt zu sein und keine Informationen, die nur Botschaftsinternen bekannt sind, nach aussen zu tragen. Vor allem letzteres faellt mir schwer - schon nach dem ersten Tag.

 
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