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Feierabend

Neujahr. Ich wache um 13 Uhr auf und weiss, dass ich den Rest des Tages im Bett verbringen werde. Die Silvesterparty des Washington Plaza Hotel war beeindruckend. Alles stand unter dem Motto "James Bond". Am Eingang wurden Plastikpistolen verteilt, es liefen Doubles von Sean Connery und Pierce Brosnan herum. Sechs verschiedene Hallen standen fuer sechs verschiedene Laender, die in James-Bond-Filmen wichtige Rollen spielten. Ich feierte mit meinen Freunden in Island. Der kreisfoermige Raum...weiterlesen
 

Barack, viel Spass mit deiner Gesundheitsreform

Freitag, 11. Dezember . Aus Florida habe ich nicht nur eine Menge schoener Erinnerungen mit nach DC gebracht, sondern auch einen Hoerschaden. Im Flugzeug machte es waehrend des Aufsteigens "plopp" und ich konnte nichts mehr auf dem linken Ohr hoeren.   Dienstag telefonierte ich mit Aerzten, die mir - im besten Fall - einen Termin in zehn Tagen anbieten konnten. "Und was ist, wenn ich ein Ohrproblem habe, dass einer schnellen Behandlung bedarf?", dachte ich mir. Ich rief im Georgetown...weiterlesen
 

Obama in der Eighteenth Street Lounge

Mittwoch, 21. Oktober. Meka musste ihren Frankreich-Urlaub unterbrechen, keine Frage. Fuer diesen einen Tag, der wie kein anderer war, flog sie zurueck nach Washington. "Die Reisekosten waren mir egal. Ich wollte meinen Wahlzettel persoenlich abgeben, um sicher zu sein, dass er auch wirklich meine Stimme bekommt", sagt sie.   "Er" ist Barack Obama. "Sie" ist eine 24-jaehrige Amerikanerin. Ihr Vater kam einst aus Kamerun in die Staaten, er heiratete eine Jamaikanerin. Die Tochter, Meka,...weiterlesen
 

Nasal Sanitizer

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Mittwoch, 14. Oktober. Etwa zwei Stunden nachdem ich beim Wolf-Biermann-Interview und dem anschliessenden Auftritt dabei sein durfte, sitze ich im Bus in Richtung Metro. Ich denke an den Moment nach dem Interview zurueck, als ich mit Biermann, seiner Frau und drei Botschafts-Angehoerigen im Aufzug stand. Biermann fragte mich, was ich beruflich mache. Ich sagte ihm, dass ich die WAZ-Journalistenschule besuche. Daraufhin sagte der 73-Jaehrige, kurz bevor er auf die Buehne ging, "Ich weiss...weiterlesen
 

Metrogesichter

Mittwoch, 7. Oktober. Als ich am Dupont Circle in die Metro steige, faellt mir eine alte Frau auf, die komplett in weisse Lumpen gehuellt ist, ein weisses Kopftuch und weisse Schuhe traegt. Sie selbst ist schwarz, hat ein verdrecktes, ausgemergeltes Gesicht und rote Augen. Vor ihre Fuesse und auf die Nachbarsitze hat sie sechs Taschen gestellt, allesamt aus weissem Baumwollstoff.   Die alte Frau unterhaelt sich mit einem Rasta-Mann, der zwar freundlich zu ihr ist, sich aber auch immer...weiterlesen
 

Maxim und Axel

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[Unhandled Macro: image.title] [Unhandled Macro: image.title] Montag, 28. September. Ich steige in das Auto von Mat, um meinen Bruder Maxim und unseren gemeinsamen Freund Axel vom Flughafen abzuholen. Ich oeffne das grosse Schiebedach und geniesse den Fahrtwind, ohne mich an den Tropfen zu stoeren, die trotz strahlend blauen Himmels vereinzelt auf mich hinabfallen. Als ich am ersten Stoppschild bremse, werde ich voellig nass. Mat hat wohl auf dem Autodach eine offene Flasche Gatorade...weiterlesen
 

Residenz des Botschafters

Mittwoch, 16. September. Es ist mehr als traurig, dass ich saemtliche Fotos, die ich in der Residenz geschossen habe, hier nicht veroeffentlichen darf. Aber ich versuche wenigstens mit Worten einen kleinen Geschmack von dem zu geben, was sich mit Bildern viel treffender beschreiben liesse. Der Botschafter bewohnt die zweite Etage, unsere Fuehrung begrenzte sich auf die erste und das Untergeschoss.   Die 1994 gebaute Residenz ist riesig. Der Koelner Architekt O.M. Unger plante nicht nur...weiterlesen
 

Im Weissen Haus

Donnerstag, 10. September. Gestern hielt Obama eine wichtige Rede vor dem Congress, um seine Gesundheitsreform in die Gaenge zu bringen. Als ich vorm Fernseher sass, kam Mat ins Wohnzimmer, nahm die Fernbedienung, schaltete aus, sagte: "Go away boring guy!" und lachte. Was zeigt mir das? Nun ja, Mat ist nicht etwa ungehobelt mir gegenueber. Wir hatten vorher abgesprochen, dass ich ihn in seinem Auto zur Werkstatt fahre, sobald er fertig sei. Und gegen Obama hat er auch nichts - ganz im...weiterlesen
 

Waterfront

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Samstag, 5. September. Mat und ich sitzen an der Waterfront, einer schoenen Uferpromenade, die mich etwas an die Duesseldorfer Altstadt erinnert. Hier fliesst der Potomac River - er bildet die Grenze zwischen den Bundesstaaten D.C. und Virginia. Wir sind noch in Washington, auf der anderen Seite blicken wir auf die Skyline von Arlington.   Viele Boote und Yachten legen hier an, die meisten sind gemietet. Von einem droehnt laute Hip Hop Musik. Drei Maenner und zwei Frauen stehen auf dem...weiterlesen
 

Zeitung

Mittwoch, 2. September. Bisher gab es in DC 94 Morde. Im vergangenen Jahr waren es zu dieser Zeit bereits 120. Da sollte man sich wohl freuen...   Die Zeitungen, auch die serioesen, funktionieren hier in vielerlei Hinsicht anders als die in Deutschland. Unabhaengig vom Thema und eventueller Tragik der Artikel, sind vollstaendige Namen Pflicht. Gestern etwa druckte die Washington Post ein grosses Foto von einer Beerdigung ab. Ein hochrangiger US-Soldat wurde in Afghanistan getoetet und...weiterlesen
 

Begegnungen

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Dienstag, 1. September. Der Arbeitsweg hat mich heute jeweils nur eine Stunde gekostet, was ich ok finde. Dank der kostenlosen Tageszeitungen, die einem morgens an jeder Metro in die Hand gedrueckt werden, geht die Fahrt schnell vorueber.   Jetzt, 18.30 Uhr, stehe ich an einer roten Fussgaengerampel und werde von einem Mexikaner angesprochen. Er fragt nach einem Resataurant, das ich nicht kenne. Ich erzaehle ihm, dass ich gerade den T-Mobile-Laden suche, um mir eine Sim-Card fuer mein...weiterlesen
 

Hardcore-Pendeln

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Montag, 31. August. Dass ich eine relativ lange Anreise zur Botschaft haben wuerde, wusste ich. Aber mit eineinhalb Stunden pro Fahrt hatte ich nicht gerechnet. Mit dem Auto braeuchte ich exakt 20 Minuten vo Tuer zu Tuer. So ziemlich jede Auslandsvertretung in DC hat ihren SItz an der Massachusetts Avenue, die recht zentral gelegen ist. Sehr weit ausserhalb liegt die Franzoesische Botschaft und noch weiter entfernt die Deutsche. Da das Metro-Netz in der Hauptstadt im Vergleich zu anderen...weiterlesen
 

Umzug

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Samstag, 29. August. Ich schwitze wie ein Idiot. Bei 27 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 85 Prozent ist Moebel schleppen kein Vergnuegen. Aber Mike zieht heute aus dem Zimmer aus, das ich kuenftig bewohnen werde und er braucht Hilfe. Wir beladen seinen riesigen SUV und den monstroes aussehenden Truck seines Freundes James. Zur neuen Wohnung fahre ich mit James. Unterhalten ist kaum moeglich, weil der Motor so gigantisch laut ist. 600 PS hat der Wagen, er verbaucht umgerechnet 20...weiterlesen
 

Regen

Freitag, 28. August. Der Regen haemmert wie verrueckt gegen die Fensterscheiben. Heute ist der erste Tag, an dem ich mir endlich mal die Stadt ansehen koennte. Bei diesem Wetter macht das aber wenig Sinn. Hurricane Danny ist dafuer verantwortlich. Er treibt zurzeit ueber dem Nordatlantik sein Unwesen, seine Auslaeufer sind allerdings an der Ostkueste der USA mehr als deutlich zu spueren. Laut Wettervorhersagen wird Danny erst in Canada auf Festland treffen, fuer das gesamte Wochenende ist...weiterlesen
 

Obdachlos in DC

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Donnerstag, 28. August. Erst war ich obdachlos, jetzt habe ich zwei Zimmer zur Wahl. Gerade sitze ich bei Mat in dessen Home Office. Er ist Ende 30, surft, spielt Golf, angelt und geht viel feiern. Er produziert Werbefilme und hat mir angeboten, fuer die naechsten vier Monate hier zu wohnen. Aber der Reihe nach... Mit meiner kuenftigen Mitbewohnerin war abgesprochen, dass ich sie anrufe, sobald ich am Flughafen in Baltimore (nicht weit von DC) lande. Als ich das tat, war sie voellig...weiterlesen