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Kleines Geplauder über Politik

Um kurz nach Neun reißt mich ein Klingeln aus dem Schlaf. Ich brauche lange, um zu begreifen, dass es nicht mein Wecker ist Ich habe verschlafen - unter dem Fenster lärmt schon die Hupe. Ich springe in meine Hose, packe die Kamera ein und haste die Treppe runter. Vor der Tür steht ein weißer Landrover mit der Aufschrift „John Adsum Namib Tours“, der Fahrer hält mir die Wagentür auf. (Name geaendert)

 

Außer mir sind noch drei weitere Touristen an Bord: Ein junger Ingenieur aus dem Frankenland und ein deutsch-stämmiges Pärchen aus Windhoek. Alle wollen wir die Wüste erleben, zumindest im Auto - aus sicherem Abstand. Der Ingenieur ist nur für zwei Wochen in Namibia, sieht aber aus, als wäre er hier geboren: Braune Haut, lange sonnengebleichte Haare, afrikanische Kettchen an Hals und Armen. Die Füße stecken in Badeschappen, der Mann ist Ferien durch und durch. „Ich mach mir halt kein Stress“, sagt er, „ich guck mal hier ein bisschen und mal da. Wenn ich nicht alles schaffe, dann komm ich nächstes Jahr wieder …“

 

„Ja!“, sagt der Windhoeker, „dafür musste aber erstmal die Kohle haben!“ Er sei Elektriker und verbringe seine Ferien in Swakopmund. Seit zehn Jahren ist er in Namibia, auf den väterlichen Bauernhof bei Leverkusen habe er irgendwann keine Lust mehr gehabt - also siedelte er um.

 

Noch ehe wir die Namib erreicht haben, kreist das Gespräch um Politik.

 

„Die Schwarzen sollen sich mal gar nicht beschweren“, verkündet der Elektriker, „ohne die Kolonialzeit wäre Namibia doch nichts als Sand. Und jetzt? Die beste Infrastruktur von allen afrikanischen Ländern!“

„Jetzt geht’s rund“, flüstert seine Freundin, eine schweigsame Natur, und blickt mit spitzen Lippen in die flirrende Hitze.

„Sorry, aber darüber darf ich nicht reden“, sagt der Fahrer und schickt einen bedeutungsschweren Blick über den Rückspiegel. „Geht nicht. Sonst gibt’s wieder Beschwerden und böse Briefe von den Kunden.“

Für einen Augenblick herrscht Schweigen, der Wagen rumpelt langsam über den Sand.

 

„Eins muss ich aber mal betonen“, sagt der Elektriker und angelt sich ein Bier von der Ladefläche. „Ich bin Rassist – durch und durch“ Er sagt es mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte er verkündet, dass gern Bier trinkt oder Hunde mag.

Der Fahrer nickt interessiert, steuert den Rover einen steilen Abhang hinunter.

„Ich bins geworden“, sagt der Elektriker, „im Laufe der Jahre.“

Der Ingenieur aus dem Frankenland schaut über den Rand seiner Sonnenbrille und zieht schweigend die Augenbrauen hoch. Dann lacht er kurz und schüttelt den Kopf.

 

„Bei einem Freund von mir war vor kurzem einer im Schlafzimmer“, sagt der Fahrer, „mitten in der Nacht. Hat sich n Portemonnaie geschnappt und ist durch ein offenes Fenster wieder abgehauen. Mein Freund hat gar nichts gemerkt – erst, als der schon weg war. Sein Glück. Sonst hätte der ihm n Messer in den Rücken gesteckt. Ein Schwarzer.“

„Musste gleich schießen“, sagt der Elektriker und winkt mit dem Flaschenhals, „immer gleich schießen. Dann macht der keinen Mist mehr. Hauptsache, Du schießt zuerst. Nachher haste natürlich den Ärger …“ Bei den letzten Worten wirkt er fast ein bisschen traurig.

 

Der Ingenieur schüttelt den Kopf. Ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll, also schweige ich und hoffe, dass es bald vorüber ist. Ich hatte keinen Kaffee am Morgen – da wird man schnell dünnhäutig.

„Na ja“, sagt der Ingenieur, „guckt euch doch mal an, was die Schwarzen hier für Jobs haben. Früher hatten sie ihr eigenes Leben, heute arbeiten sie in Bars, an den Tankstellen oder putzen vor den Hotels die Autos.“

„Ach“, sagt der Fahrer und verreißt fast das Steuer, „jetzt fang bloß nicht SO an. Wer hat denn die Eisenbahnlinien gebaut, wer hat denn hier alles auf Vordermann gebracht!“

Der Fahrer hebt entschuldigend die Hände.

„Ich darf ja nicht über Politik reden – gibt ja doch nur Ärger…“ Dann stoppt er den Wagen, wir steigen aus. „Hier drüben“, sagt er, „das ist eine Welwitschie. Manche dieser eigenartigen Pflanzen werden über tausend Jahre alt …“

 
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