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Hochzeit auf Namibisch

Abends trinken wir Rotwein - im „El Cubano“. Das "El Cubano" ist neu, gestern erst eröffnet. Wie sollte es anders sein: von einem Deutschen. Der Inhaber stammt aus Flensburg, jetzt lebt er in Swakop. Er ist mit einer stadtbekannten Jazz-Sängerin verheiratet, deren Karriere derzeit stagniert. Die neue Bar war auch IHR Traum: Mit Hilfe des "Cubanos" hofft sie, bald wieder singen zu können. Im eigenen Laden.

"Die Deutschen haben die Gastronomie fest im Griff", erklaert Irmgard, "die deutsche Mafia, wie man hier manchmal sagt". Tatsächlich ist die deutsche Präsenz in Swakopmund nicht zu übersehen: Die „Weinmaus“, das „Brauhaus“, das Hotel „Europahof“ oder der „Grüne Kranz“ – an allen Ecken gibt es eine post-koloniale Bar mit deutschem Inhaber oder wenigstens deutschem Namen. Was freilich nicht heißt, dass auch die Angestellten deutsch wären: Die meisten Kellner, das Personal an der Bar, die Putzkräfte sind größtenteils  farbig, stammen aus den verschiedensten Ecken des Landes. Ganz gleichmäßig ist das Glück auch hier nicht verteilt.

Der Laden läuft gut, überall wird getanzt und getrunken. "Die Swakopmunder fahren auf alles ab, was neu ist", sagt Irmgard. "Bringst Du nicht alle Nase lang was Neues, dann kannste hier ziemlich schnell einpacken." Vorne, neben der Eingangstür spielt eine Band, die in der gesamten Straße zu hören ist. Das zieht Kundschaft an: Die Nacht ist warm und sternenklar - der kalte Nebel hängt draußen über dem Meer.  Die Musiker, ein junger Vater mit seinen Söhnen, spielen Reggae, Soul, Funk und nie dagewesene Versionen von "I Like to Move it", "Who let the dogs out" und Bob Marley-Songs. Swakop ist ein Ferienort, mit Beachbar und Technopartys in den Dünen der Namib - da darf Marley nicht fehlen.

 

„Trotzdem könnte es der Besitzer schwer haben“, sagt eine alte Deutschstämmige aus München, die zufällig an unserem Tisch sitzt. „Der Mann ist erst seit drei Jahren in Namibia, und hier in Swakop haben es Fremde schwer …“ Erstaunlich, denke ich. Wer kann in diesem Land schon sagen, wer fremd ist und wer nicht. Was heißt überhaupt „fremd“ in einem Staat, in dem es ein gutes Dutzend mehr oder weniger einflussreiche Minderheiten gibt – bei einer Gesamtbevölkerung von gerade mal 2 Millionen. Spricht man auf der Straße jemanden an, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man die falsche Sprache erwischt: Der „selbstständige“ Parkplatzwächter an der Ecke, der für ein bisschen Kleingeld aufs Auto aufpasst, spricht Oshivambo, der Korbflechter auf dem Souvenir-Markt nur Afrikaans, die Menschen aus dem äußersten Norden Portugiesisch. Was bedeutet schon Fremdsein in Namibia? Irgendwie sind sich ja alle ein bisschen fremd - bei aller Toleranz.

   

Die Einrichtung des „Cubano“ ist auf alt getrimmt, mit vergilbten Zeitungen an den Wänden, abgewetzten Reisekoffern als Tischen und Fahnen aus aller Herren Länder. Der Besitzer war zwei Jahre bei der deutschen Marine - danach tingelte er durch Spanien, Peru, schließlich nach Namibia. Kuba bereiste er nie - trotzdem meint er, dass die Menschen dort „freundlich“ sind, „mit sehr viel Herz“. Von den Wänden starren längst verstorbene „Helden“, blicken schweigend in den Zigarettenrauch: Mandela, Lennon, Hendrix - auf der anderen Seite Ghandi, Che Guevara und Abraham Lincoln.

„Alles Revoluzzer“, sagt der Chef, „die haben was bewegt. Auf der Welt - und in ihren Herzen!“

"Ich verstehe nicht, warum alle so auf Che abfahren", sagt Irmgard, "der war doch brutal ...“ Sie zeigt Richtung Bar und schüttelt den Kopf. „Sogar der Kellner trägt ein Che-Shirt. Nelson Mandela“, sagt sie, „ja - den lasse ich gelten.“    

Dann kommt ein Künstler an unseren Tisch, bedankt sich für eine Zeitungskritik und verschwindet unter den Tanzenden. „Der macht Feuerkunst“, erklärt Irmgard, „hab vor kurzem mal über ihn berichtet. Klar freue ich mich, wenn es ihm gefällt, was ich schreibe. Aber es gibt viele, bei denen ich mich unbeliebt gemacht habe.“

Irmgard macht Kulturberichterstattung für die einzige deutschsprachige Zeitung des Landes – für eine Minderheit von 20.000 Menschen. Da kennt man sich - da tut es noch weh, jemanden in die Pfanne zu hauen - auf beiden Seiten. „Aber irgendwie finde ich es halt wichtig, dass man auch mal reinhaut. Viele Zeitungen in Namibia machen Schönwetter-Berichterstattung - die trauen sich irgendwie nichts.“

 

Zu einem ganz anderen Urteil kommt eine ziemlich erboste namibische Gouverneurin, die diese Woche durch die Gazetten geistert. Sie äußert harsche Kritik an den Zeitungen, die sich ganz offensichtlich auf sie eingeschossen hätten. Ein persönlicher Feldzug werde da gegen sie betrieben – mit haltlosen Vorwürfen von Reportern, die einfach nicht gründlich recherchierten.

Zwei Journalisten hatten berichtet, die Gouverneurin sei während der Vorbereitungen zur Hochzeit ihrer Schwester plötzlich ausgerastet, habe das Büffet in Stücke gehauen, ihren Ehemann zu Boden gestoßen und mit Tellern um sich geschmissen. Das sei „normal“ bei namibischen Hochzeiten, sagte sie bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz auf ihrer Farm. „Da gibt es doch immer mal Differenzen.“        

 
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