Das aktuelle Wetter NRW 5°C
Versicherung

Wann die Kaskoversicherung zahlt und wann nicht

04.01.2012 | 08:45 Uhr
Wann die Kaskoversicherung zahlt und wann nicht
Was es als Versicherungsnehmer zu beachten gilt, ist vielen Kasko-Versicherten unklar.

Kornwestheim.  Wann springt die Kaskoversicherung für Schäden am Fahrzeug ein? Viele Versicherte können sich diese Frage aus dem Stegreif nicht beantworten. Rechtsanwalt Michael Winter verschafft einen Einblick in bestehende Gesetzte und gibt Tipps, was es als Versicherungsnehmer zu beachten gilt.

Eine Kaskoversicherung soll nach einem Unfall für die Schäden am eigenen Fahrzeug einspringen. Doch das tut sie nicht immer. "Zwar ist mit der Neufassung des Versicherungsvertragsgesetzes das alte Prinzip Alles-oder-nichts ersatzlos weggefallen. Doch für Versicherungsnehmer gilt es gleichwohl, einiges zu beachten, wollen sie an ihr Geld kommen", sagt der auf Verkehrsrecht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Winter aus Kornwestheim.

Konnte früher der Vollkaskoversicherer einem Autofahrer nachweisen, dass ein massives Fehlverhalten - also grobe Fahrlässigkeit bis hin zum Vorsatz - Ursache für einen Unfall war, behielt er die Prämie, musste jedoch den Schaden nicht bezahlen. "Heute ist dies anders, je nach Art des Fehlverhaltens werden Quoten gebildet", präzisiert Winter: "Diese reichen von 'der Versicherungsnehmer bekommt gar nichts' bis hin zu 'er bekommt den Schaden vollständig ersetzt'."

Alkoholunfälle sind besonders problematisch

Bei Alkoholunfällen beispielsweise werde ab 1,1 Promille oder mehr eine absolute Fahruntüchtigkeit unwiderlegbar vermutet. Diese Grenze gelte auch im Versicherungsvertragsrecht. Im Klartext: Hat der Unfallverursacher mehr als 1,1 Promille Alkohol im Blut, vermutet die Rechtsprechung im Wege des sogenannten Anscheinsbeweises einen Ursachenzusammenhang mit dem Verkehrsunfall. "Dieser Anscheinsbeweis kann nur widerlegt werden, wenn der Versicherungsnehmer zweifelsfrei den Nachweis erbringt, dass eine andere Unfallursache als absolut wahrscheinlich anzusehen ist", sagt Winter.

Keine Frage: Die Aussichten auf einen Scheck von der Versicherung tendieren gegen Null. Bei Promillezahlen zwischen 0,3 und 1,1 spreche man von einer sogenannten relativen Fahruntauglichkeit. Hier genüge der Grad der Alkoholisierung für sich alleine nicht, um eine Fahruntüchtigkeit zu belegen. In solchen Fällen müsse die Versicherungsgesellschaft alkoholtypische Ausfallerscheinungen oder einen alkoholbedingten Fahrfehler nachweisen.

"In der Literatur empfiehlt man, zwischen 0,9 und 1,1 Promille in Ausnahmefällen 20 Prozent des Schadens durch die Versicherung ersetzen zu lassen, bei allen Werten über 1,1 Promille erfolgt kein Schadensersatz", schildert Winter seine Erfahrungen: "Bei Werten zwischen 0,3 und 0,6 Promille muss man damit rechnen, nur 50 bis 20 Prozent seines Schadens ersetzt zu bekommen."

Geld für Geisterfahrer

Per Quote geregelt werden auch Rotlicht-Unfälle. "Generell ist ein solcher Verstoß grob fahrlässig", weiß der Rechtsanwalt, "Ausnahmen gibt es jedoch auch". Sogenanntes Augenblicksversagen sei beispielsweise keine grobe Fahrlässigkeit. Liege eine "verzeihliche Ablenkung" beim Augenblicksversagen eines Kraftfahrers vor, empfehle die Literatur eine Kürzung der Versicherungsleistungen um 40 bis 50 Prozent. Fahre man auf der Geradeausspur trotz Rot in die Kreuzung und verursache einen Unfall, weil man versehentlich dem Grün der Linksabbiegerspur gefolgt sei, sollte nach der Literatur die Kürzung 20 bis 40 Prozent betragen.

Wer auf der Autobahn wendet, muss bei einem Unfall mit mindestens 60 bis 80 Prozent Kürzungsquote rechnen, nennt Winter ein weiteres Beispiel der . Ähnlich liege es in einem Fall, in dem man auf ein gut erkennbares Hindernis auffahre. Selbst ein Geisterfahrer könne noch je nach Einzelfall darauf hoffen, 20 bis 50 Prozent seines Schadens ersetzt zu bekommen. Ähnlich reagierten Assekuranzen, wenn man sein Auto ohne Benutzung der Handbremse auf abschüssiger Straße abgestellt hatte und es deshalb zu einem Unfall gekommen war.

Demgegenüber haben Winterreifenmuffel geradezu schlechte Karten. "Bei der Benutzung von Sommerreifen und winterlichen Straßenverhältnissen kommt man schlecht weg", warnt der Jurist: "Hier wird empfohlen, 40 bis 70 Prozent der Versicherungsleistung zu kürzen." (dapd)



Kommentare
04.01.2012
19:08
Danke für die Korrektur
von frankmal | #2

...

04.01.2012
12:08
Viele Schreiber ...
von frankmal | #1

können ein bestimmtes Wort auch nicht aus dem ´Stegreif´ richtig schreiben ... ;-)

Aus dem Ressort
Yamaha ruft Motorroller zurück - Gabelbrücke kann brechen
Verkehr
Wenn die Gabelbrücke bricht, kann der Motorroller außer Kontrolle geraten: Der Yamaha-Roller Xenter ist besonders anfällig für Schäden dieser Art. Deshalb ruft ihn der Hersteller nun zurück.
VW Up als elektrischer Minitransporter
Verkehr
Elektrobetrieben und mit viel Stauraum: So punktet der VW e-load Up. Der Minitransporter wird als Zweisitzer mit großem Kofferraum-Abteil vorgestellt.
"eCall" - Neuwagen sollen ab 2015 Notrufsystem erhalten
Auto
Ein Notrufsystem, das alle neu auf den Markt kommenden Fahrzeugtypen ab 2015 an Bord haben sollen, könne EU-Experten zufolge die Zahl der Verkehrstoten EU-weit beträchtlich senken, weil Rettungskräfte dann schneller am Unfallort einträfen. Datenschützer haben hingegen große Bedenken.
Loch im Auspuff: Schweißen nicht immer möglich
Auto
So manchem Autofahrer sind Probleme mit dem Auspuff nicht fremd. In einigen Fällen lassen sich durchgerostete Stellen schweißen. Nicht immer aber ist das die beste Lösung.
Stadt befürchtet keine Weihnachts-Staus in der Essener City
Weihnachtszeit
Mit dem Weihnachtsmarkt und der Motorshow in der Messe Essen ist die Verkehrssituation in der Stadt an diesem Wochenende angespannt. Ein Verkehrschaos sei dennoch nicht zu befürchten, versichern Polizei, Stadt und die EMG. In den letzten Jahren habe dies auch immer gut geklappt.
Umfrage
Die Große Koalition hat sich auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote geeinigt. Was halten Sie von der Maßnahme?

Die Große Koalition hat sich auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote geeinigt. Was halten Sie von der Maßnahme?