Stauland NRW droht der Verkehrsinfarkt
23.05.2011 | 19:16 Uhr 2011-05-23T19:16:00+0200
Düsseldorf. Mit Tempo-20-Zonen, einem verbilligten NRW-Ticket für den Nahverkehr und einem besseren Baustellen-Management soll der Verkehrsinfarkt im „Stauland“ NRW verhindert werden. In Düsseldorf diskutieren Experten Auswege aus der Misere.
In den nächsten fünfzehn Jahren droht dem „Stauland NRW “ der totale Infarkt. Der Personenverkehr auf seinen Straßen wird um bis zu 18 Prozent, der Güterverkehr um bis zu 80 Prozent zunehmen. „Ein staufreies Nordrhein-Westfalen ist Utopie“, sagt Landesverkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD).
Harry Voigtsberger hat sich bisher eher zurückgehalten, wenn es um den verkehrspolitischen Kurs des seit einem Jahr rot-grün regierten Landes geht. Jetzt munitioniert er sich. Die Mobilitätskonferenz soll ihm dabei helfen. Vertreter von Verbänden, Unternehmen und Gewerkschaften haben in der mehrstündigen Veranstaltung in Düsseldorf einen Stapel von Vorschlägen gemacht, die Voigtsberger und seine Beamten auf Machbarkeit prüfen werden. Erste Ergebnisse könnte es im Herbst geben.
Die Empfehlungen reichen von einem verbesserten Baustellenmanagement auf Autobahnen, um Staus zu stoppen, bis zu flächendeckenden Billig-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr, von einem Netz „markierter Außerortsradwege“ und neuen Tempo 20-Zonen in den City-Bereichen bis zur Nutzung der Straßenbahnschienen im Ruhrgebiet, um so des Nachts Güter zu den Filialen des Einzelhandels zu bringen und lärmintensiven Lkw-Verkehr zu vermeiden. Der letzte Vorschlag stammt übrigens von Kerstin van Kerkom, die für den Metro-Konzern (Kaufhof, Real) spricht. Es ist keine Schnapsidee. In Dresden liefern Gütertrams die Kotflügel für VW-Karosserien schon quer durch die Stadt.
Der Minister ist nicht gegen Autos an sich
Dass die NRW-Straßen überlastet sind und dass etwas dagegen zu tun ist, ist inzwischen allgemeine Meinung. Die Trennlinie der Debatte verläuft brisanter: Nur Verbesserungen? Oder doch neue Straßen? Jan Peter Nissen, Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr, hat da eine klare Position: „Die Infrastruktur ist verbesserungswürdig“, sagt er. „Aber wir brauchen Neubauten. Die wirtschaftliche Entfaltungskraft der Unternehmen der Region leidet sonst. Das ist aber ein Akzeptanzproblem.“
Ob auch Voigtsberger und die übrige rot-grüne Regierung so eine Forderung akzeptieren wollen, bleibt nach der Mobilitätskonferenz zunächst offen. Der Minister ist nicht gegen Autos an sich, so, wie es in Teilen der neuen grün-roten Regierung in Baden-Württemberg durchschimmert: „Die individuelle Mobilität ist ein Stück Freiheit“, sagt er sogar. Er sei aber durchaus für „andere Autos. Nicht mehr für den Verbrennungsmotor, sondern für Elektroantriebe“. Dies werde eine Herausforderung .
Zunächst gibt es aber für alle Lager, die sich mit der Zukunft des Verkehrs in NRW befassen, erst noch einen gemeinsamen Gegner. Das ist der Bund. Wenn die Landesregierung an Berlin denkt, wächst die Wut im Bauch. Es geht ums Geld.
Politische Willkür
Die Verteilung der Bundesgelder für Verkehrsinvestitionen erfolge nach politischer Willkür, kritisiert der Minister. „Projekte in Nordrhein-Westfalen dürfen nicht schlechter gestellt werden als anderswo. Kein einziges Schienenprojekt wird bei uns vernünftig umgesetzt.“ Selbst der Ausbau der Güterzuglinie Betuwe von Rotterdam ins Ruhrgebiet sei noch nicht in trockenen Tüchern. „Der Bund braucht neue Verteilungskriterien“. Sein Staatssekretär Horst Becker (Grüne) spricht Klartext in der Sache: Sei es ein Wunder, dass mehr Geld in andere Bundesländer fließe wie zum Beispiel für Stuttgart 21 ? „Die meisten Bundesverkehrsminister kommen aus Süddeutschland.“
So versucht es Voigtsberger zunächst mit Maßnahmen, die den Dauerstau mildern. Es wird eine Verkehrslenkungszentrale geben, das steht fest. Und die erste Standspur auf der überlasteten Autobahn A 57 bei Köln-Bickendorf wird gerade heute freigegeben. Es ist ein preiswerter Notstopfen.
00:37
Wieviel geht der Wirtschaft eigentlich im Stau flöten?
Wo ist bitte der Unterschied, ob die LKW nun im Stau stehen oder auf einem der nicht vorhandenen LKW-Stellplätze neben den Bundeskraftfahrstraßen? In beiden Fällen bedeutet das wirtschaftliche Ausfälle.
Übrigens findet der Großteil des LKW-Verkehr im Nahbereich bis 200km statt.
17:36
#61 @EinKnauel
bist wohl Brummifahrer, was?
Mir geht es nicht um die Wahl, Cholera oder Pest, sondern um die Beseitigung von Chaos. Was hast Du denn daggen einzuwenden, wenn bestimmte Verkehrsteilnehmer nur zu bestimmten Zeiten fahren dürfen, wenn es funktioniert? Man muss nur mal flächendeckend ausprobieren.
17:22
Wieso, #59 wenn hier gegen die LKW gewettert wird, die nur einen Bruchteil des Verkehrsaufkommens ausmachen, kann man durchaus mal die PKW von der Strasse verbannen, dann sieht man mal wie leer die Autobahnen werden.
15:56
Tempo 20? Hab ich das richtig gelesen oder träum ich? Am besten wir machen ganz NRW zur Fußgängerzone. Das kann den Sozis und ************* so passen.
15:18
#57 @EinKnauel
schwarz oder weiß und nichts dazwischen, Ihr Kommentar ist an Einfältigkeit nicht zu überbieten. Mit dieser begrenzten Sicht stehen Sie ruhig mal weitere 30 Jahre im Stau, ohne etwas zu ändern.
Wieviel geht der Wirtschaft eigentlich im Stau flöten? Scheinbar immer noch nicht genug, wenn nach wie vor, 40 Jahre alte Sprüche unverändert als aktuell und modern propagiert werden.
14:27
#56:
Für gute Verkehrslogistik ist übrigens spurgebundener Verkehr, also zzt. v. a. die Schiene, besser geeignet.
Auch das spricht - neben dem wegen des kleineren Rollwiderstands geringeren Energieverbrauch - mehr für Schiene als Straße.
14:08
Wie wäre es, Mo-Sa zwischen 6:00 und 18:00 ein PKW Fahrverbot zu verhängen?
Die Versorgung der Bevölkerung, der Industrien, des Handels liefe für alle stressfrei ab.
13:19
Was spricht gegen ein flächendeckendes LKW-Fahrverbot im Ruhrgebiet in den Zeiten 07.00-09.00 und nachmittags von 16.00-18.00 Uhr, wenn der LKW- Verkehr dafür außerhalb dieser Beschränkung störungsfrei fließen würde?
Es ist nicht die Sache noch mehr Autobah zu bauen, die 30 oder mehr Jahr brauchen, ehe sie fertiggestellt sind, es geht um intelligente Verkehrslogistik. Im Zeitalter, wo alles Computergesteutert funktioniert frage ich mich, wie es sein kann, dass man einfach ohne System einfach auf die Autobahn fahren kann, wann immer man will. Wie lange wollen wir noch diese Chaos zulassen? Vielleicht noch 20 bis 30 Jahre, bis die nächste Autobahn gebaut wird, um dann wieder einmal festzustellen, dass der Verkehr dadurch an anderer Stelle zum erliegen kommt?
Wie blöd sind wir eigentlich?
12:13
Das stimmt #54, das trifft auf jede Stadt zu. zwischen 7:00 und 8:30 steckt man oft im Verkehrsinfarkt, vorher und nachher ists, als sei nichts zu ahnen oder, als sei nichts gewesen..
11:59
Nicht nur der Unterschied zwischen sonntags und werktags ist auf den Straßen groß. Oft sind es nur einige Minuten, in denen sich die Verkehrsdichte massiv ändert.
So ist die große Kreuzung,die ich jeden Morgen per Rad passiere, um 8.00 Uhr absolut dicht, um 8:15 aber meist völlig frei. Schon ein bisschen mehr Flexibilität bei Arbeits-, Schul- und Geschäftszeiten würde einiges bringen.