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So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg

26.07.2012 | 17:34 Uhr
Unschlagbar günstig auf der Strecke Hamburg-Köln: der HKX.Foto: dapd

Essen.  Mit renovierten Rheingold-Waggons wirbt die Firma HKX um junge Bahnkunden. Es gibt Startprobleme und keinen schnellen Gewinn. Aber der Preis ist unschlagbar: Kein Angebot der Bahn AG hält bei 17,50 Euro für die Distanz Essen–Hamburg mit. Droht der Bahn dauerhafte Konkurrenz im Fernverkehr?

12.53 Uhr, Essen Hauptbahnhof. HKX 1803 über Gelsenkirchen, Münster, Osnabrück nach Hamburg ist überpünktlich. Zwei Dutzend Fahrgäste – viele junge Leute, auch Väter mit Sohn an der Hand — warten an Gleis 4 auf einen Oldtimer. Auf versprochene renovierte Rheingold-Waggons mit Plüsch-Abteilen, ausziehbaren Sitzen, Schwingtüren, Schminkspiegeln. Auf Retro-Look der 70er-Jahre. Was dann kommt: ein blaugelber Regionalzug, der sonst zwischen Hamburg und Sylt pendelt. „Der Rheingold? Ist zur Revision. Morgen wieder“, tröstet der nette Zugbegleiter.

Das Angebot

Es gibt, natürlich, solche Startprobleme beim HKX. Seit Wochenbeginn versucht der private Hamburg-Köln-Express der Staatsbahn auf dieser Strecke Konkurrenz zu machen. Schon preislich ist das ernst gemeint: Kein Angebot der Bahn AG hält bei 17,50 Euro für die Distanz Essen–Hamburg mit. Auch, wenn das Ticket zu Stoßzeiten 60 Euro kosten kann. In der Woche einmal am Tag, am Wochenende dreimal schickt HKX-Managerin Eva Kreienkamp die Rheingold-Wagen auf die Route. Notfalls eben auch den gemieteten Regionalexpress.

Die Rechnung

Bahn in Deutschland. Das ist, auf den Fernlinien, „Bundesbahn“. Auch wenn sie nicht mehr so heißt. Während private Veranstalter (dabei: Töchter ausländischer Staatsbahnen) inzwischen ein Viertel der Regionalnetze bedienen, rollt eine einzige private Fernbahn-Gesellschaft von Leipzig zur Ostsee. Im Westen der Republik ist der HKX also eine spannende Premiere. Es wird ein mühsames Geschäft. Anders als bei Regionalstrecken, die die Länder im Wettbewerb vergeben und für die sie jährlich sieben Milliarden Euro zuschießen, muss das Unternehmen hier jeden Cent erwirtschaften.

Kommentar
Der Trend geht zur Bahn - von Dietmar Seher

Bahnchef Grube ist ein leiser Manager. Aber ein präsenter. Rüdiger Grube ist anders als Vorgänger Mehdorn: weniger Boss, weniger Weltökonom, dafür kundenorientierter, demütiger. Ein Kommentar.

Mit drei Millionen Euro Umsatz rechnet Kreienkamp 2012: „Gewinne werden wir vorerst nicht erzielen“. Hauptinvestor RDC, ein US-Güterbahn-Betreiber, hat aber 16 Millionen Euro in das deutsche Abenteuer gesteckt. Er denkt an ein stabiles Engagement. Mehr wollen das wagen: Die Firma MSM will ab Herbst von Köln nach Berlin und Hamburg fahren. Diesmal via Dortmund und Hannover.

Wie im Flugzeug

Die Bahn AG weigert sich, Privattickets am Schalter zu verkaufen. Doch die einklassigen HKX-Waggons sind gut besetzt. Die Fahrgäste haben meist im Internet gebucht. Am Vortag waren bei der telefonischen Buchung - kostenlose Reservierung ist Pflicht - gerade noch 20 Plätze zu haben. Die Stimmung ist, trotz Ersatzzug, „völlig o.k. hier“, meldet die Frau aus Wagen 1 am Handy nach Hause.

Info
Passagier-Rekord bei der Deutschen Bahn

Rekord bei der Deutschen Bahn: Mehr als eine Milliarde Menschen hat das Unternehmen im ersten Halbjahr 2012 transportiert. Der Umsatz des Staatskonzerns kletterte in den ersten sechs Monaten um 3,3 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro.

Die Toiletten: sauber. Die Klimaanlage: funktioniert. Der Ton der jungen Besatzung, Ex-Stewardessen darunter: locker. Sie helfen beim Gepäck, kennen Anschlüsse. „Wir beginnen mit dem Service“ heißt es - so wie im Flugzeug. Zwei Mitarbeiter schieben das Wägelchen. Kaffee mit Sandwich kostet 3,20 Euro, 0,5 Liter Wasser 1,90 Euro. Das DB-Bistro ist teurer. Kreienkamps Zielgruppe sind auch Gelegenheitsfahrer und Schnäppchenjäger.

Das Netz

Trotz der Bahnreform managt die DB das Gleisnetz. Sie muss private Nutzer fair behandeln, die Trassengebühr entrichten. Dennoch fährt HKX 1803 nicht den bis 20 Minuten schnelleren IC einfach hinterher. Bremen lässt er links liegen.

Video
Berlin, 24.07.12: Bahn-Reisende können vorerst aufatmen – während der Ferien sind keine Streiks mehr auf der Schiene zu befürchten. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL und die Deutsche Bahn verständigten sich in der Nacht zu Dienstag auf ein Tarifpaket.

16.15 Uhr. In der Hansestadt ist die Verspätung am Ende auf moderate sechs Minuten geschrumpft. Nach der letzten Baustelle passieren wir die Elbe. Der spektakuläre Blick lohnt alleine die 17,50 Euro: Links liegt die „Queen Mary“

Dietmar Seher



Kommentare
29.07.2012
02:30
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von buerger99 | #16

Komisch, Essen - Hamburg 17,50€, VRR Preistufe D 12€ ( Dortmund - Leverkusen )
Dortmund - Aachen 45€ ???
Kann der HKX nicht auch im Ruhrpott pendel ? Dann hat der VRR endlich auch mal Konkurenz ;-) Zugbindung, Platzreservierung inkl. , ach wäre das schön...


27.07.2012
20:07
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von Erbaermlich | #15

Gut, dass es mehr Konkurrenz gibt, auch wenns viel mehr sein könnte.

Die Deutsche Bahn missbraucht ihr Monopol schon viel zu lange. Der Kunde ist der Dumme; der wird mit schlechtem Service und ein mieses, überteuertes Angebot konfrontiert.

Erbärmlich!

27.07.2012
18:26
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von tomatenkiller_neo | #14

Und ganz ehrlich, den Retrolook find ich super, wenn ich dagegen die Riesenabteile
der DB sehe, in der dann 50 Mann gleichzeitig in ihr Handy quatschen ...

2 Antworten
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von karlo58 | #14-1

So isset...alle gaaaaaaaaaaaanz wichtig...die Labertaschen!

Handyquasseln
von Finnjet | #14-2

50 Mann? Frauen können da viel schlimmer sein, weil deren Ausdauer bei Austausch un Unwichtigkeiten per Handy wesentlich ausdauernder ist. Wenn der Akku leer ist, wird zuweilen das Zweithandy gezückt...

27.07.2012
16:27
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von FreieMeinung79 | #13

Es muss endlich Konkurrenz her, die der Willkür der DB ein Ende setzt. Die DB ist faktisch immer noch Monopolist, diktiert Mondpreise für Trassen und Bahnhöfe.

Kennen wir das ganze Gejammer nicht noch von früher, als die Telekom die Netze öffnen sollte? Was wurde nicht Angst gemacht, was künftig alles teurer werde oder nicht mehr sicher wäre, und was ist? WUNDERBAR:

1 Antwort
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von ste.engels | #13-1

Äh, was genau ist jetzt wunderbar? Die zwanzig verschiedenen Mobilfunkanbieter, deren komische "Shops" in den Innenstädten wuchern? Die dämlichen Werbespots? Der Tarifdschungel aus netzinternen und netzübergreifenden Angeboten? Die Tatsache, dass wir 15 verschiedene statt einem Sendemasten haben? Jaha, ganz wunderbar. Postwesen genauso: Statt flächendeckender Versorgung Outsourcing, weil die Post Wettbewerb aushalten will, Dumpinglöhne im Paketversand, 15 Lieferdienste statt einem, zu dessen Liefertermin man da sein könnte (bei dreien wird es schwierig). Ich glaube, was Sie meinen ist "BILLIGER", aber doch wohl nicht "WUNDERBAR"!

27.07.2012
14:09
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von Pottwestfale | #12

Der Metropolitan (MET) war als Luxuszug der DB gedacht. Zwischen Köln und HH gibt es keine Hochgeschwindigkeitstrasse, und so wollte die DB die Kunden mit Luxus von den Fliegern weg locken, wenn es nicht über Geschindigkeit ging. Die beiden vorhandenen MET-Garnituren sind weit hochwertiger ausgestattet als der ICE. Betrieben wurde der MET von der DB AG. Also nicht privat. Das Konzept ging leider nicht auf. Der Betrieb war hochgradig defizitär. Die beiden MET wurden auf ICE umlackiert und verkehren (mit der ursprünglichen Luxusausstattung) als ICE in Bayern auf Strecken, die eh nicht mehr als die zulässigen 230 km/h der MET-Züge hergeben.

2 Antworten
Metropolitan
von SteB | #12-1

Danke für die Info !!

Metropolitan
von aehmja | #12-2

vielen Dank auch von mir!

27.07.2012
14:03
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von finnisworld | #11

Bericht: Heute morgen von Duisburg nach Hamburg, 17,50 Euro. Inkl. Platzreservierung. Ambiente plüschig, aber mit viel Platz, selbst der Koffer passt problemlos in die Ablage. Klimaanlage perfekt (nicht defekt !!!), Personal sehr freundlich, Kaffee 0,3 für 1,90 Euro, stellt geschmacklich jede Automatenplörre aufs Abstellgleis. Doch Vorsicht...wer sich mit Kaffeebecher entspannt zurücklehnt landet schnell in der Liegeposition, die Sofasitze sind wohl frisch geölt...und sehr bequem. Verspätung Fehlanzeige. Wenn es so bleibt sieht mich die DB auf deser Strecke nicht mehr wieder...

27.07.2012
13:46
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.07.2012
13:07
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von tom009 | #9

Die Zuggarnituren von HKX sind angemietet.

Also nicht HKX eigentum.

Also warum sich über den Preis aufregen.

Komisch das sich da bisher noch keiner dann über die billigflieger aufgeregt hat.

Ich glaube nicht das raynair piloten für 5 euro die stunde arbeiten.
oder air-berlin

27.07.2012
12:37
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von dutsche | #8

Primitiver war nur noch die Postkutsche!

2 Antworten
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von Fabia | #8-1

Haben sie Erfahrung mit Postkutschenfahrten nach Hamburg??
Wenn ja, bitte hier brerichten.

So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von karlo58 | #8-2

Oder mit der DB bei 30 Grad mit defekter Klimaanlage!

27.07.2012
12:14
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von SteB | #7

"Im Westen der Republik ist der HKX also eine spannende Premiere"

Und was ist mit dem "Metropolitan", der um das Jahr 2000 Die Strecke Köln-Ddorf-Essen-Hamburg bediente? Der war doch ebenfalls privat, oder?

2 Antworten
So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von aehmja | #7-1

ja richtig!
Oder die Eurobahn, die den Fernverkehr versucht hat...

So war die Fahrt im Privatzug HKX nach Hamburg
von WaddeHaddeDuddeDa | #7-2

Ne soweit ich weiß war es eine 100% Tochter der DB.

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