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Reifen müssen Informationen zum Spritverbrauch anzeigen

31.10.2012 | 18:08 Uhr
Ähnlich wie bei Elektrogeräten soll ein neues EU-Label Auskunft über die Energieeffizienz von Reifen geben. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Brüssel.   Neues EU-Kennzeichen für Autoreifen: Ab November sind auf neuen Reifen übersichtliche Informationen zum erwarteten Spritverbrauch oder zur Haftung auf nassen Straßen Pflicht - europaweit. Das erleichtere Autofahrern, Kraftstoff sparende Reifen auszuwählen und so die Benzinkosten zu senken, erklärte die EU-Kommission.

Autofahrer können künftig auf einen Blick drei Eigenschaften von Reifen sehen und die Pneus damit besser vergleichen: Wie Kraftstoff sparend sie ist, wie gut sie auf nassen Straßen haften und wie leise sie laufen. Der Autofahrer-Club ADAC lobt das neue EU-Reifenlabel als „übersichtlich“.

Das europaweit einheitliche Kennzeichen setzt auf Farben, die Verbraucher beispielsweise vom EU-Label für Haushaltsgeräte kennen: Eine Farbskala von Grün bis Rot soll Autofahrern helfen, die Eigenschaften eines Reifens schnell zu erkennen.

Reifen für bis zu 30 Prozent des Spritverbrauchs verantwortlich

„Die Auswirkungen der Bereifung auf die Kraftstoffkosten sind nur wenigen bewusst“, erklärt die EU-Kommission. Reifen seien für 20 bis 30 Prozent des Spritverbrauchs eines Fahrzeugs verantwortlich. Mit den besten Reifen könnten Autofahrer bis zu zehn Prozent der Kraftstoffkosten sparen.

 

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München/Berlin, 27.09.12: ADAC und Stiftung Warentest haben die Wintertauglichkeit von 37 Reifenmodellen untersucht. Die Note "gut" gab es für elf Reifen, vier Produkte fielen mit "mangelhaft" durch – diese versagten insbesondere bei Nässe.

Die EU-Experten haben ausgerechnet, wie viel Autofahrer sparen können, wenn sie sich neue Reifen kaufen. Lege jemand 25.000 Kilometer im Jahr zurück, könne er beim Benzin jährlich 170 bis 230 Euro sparen – verglichen mit Reifen, die auf dem EU-Energielabel Werte am unteren Ende aufwiesen.

Hochleistungsreifen sind teuer

Allerdings seien Hochleistungsreifen teurer – um etwa 240 bis 320 Euro. Daher rechneten sich neue Reifen ab dem zweiten Jahr – unter dem Strich mit Ersparnissen von 100 bis 140 Euro.

Bei einem großen Auto, das zehn Liter Sprit je 100 Kilometer schlucke und 35.000 Kilometer jährlich zurücklege, könne der Besitzer bereits im ersten Jahr Geld sparen: unterm Strich 130 bis 210 Euro, wenn er auf neue Spitzenreifen setze. Schließlich schrumpften hier die Benzinkosten um 450 Euro im Jahr. Für die Pneus müsse der Besitzer 240 bis 320 Euro zusätzlich zahlen.

Gute Reifen verringern auch den CO2-Ausstoß

Qualitätsbewusste Autofahrer könnten zugleich etwas für den Umweltschutz tun. Kauften mehr Menschen spritsparende Reifen, könnten bis 2020 nach EU-Schätzungen 2,4 bis 6,6 Millionen Tonnen Rohöl-Einheiten gespart werden. Einfacher ausgedrückt: „Das ist mehr als der jährliche Ölverbrauch Ungarns.“

Damit sinke auch der Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2. Hier erwarten die EU-Experten, dass dank der neuen Reifen jährlich 1,5 bis 4 Millionen Tonnen weniger CO2 in die Luft gelangen. Das wäre so, erklären sie, als ob die Zahl der Autos in Europa um 500.000 bis 1,3 Millionen sinkt.

ADAC begrüßt das neue Reifenlabel

Der Autofahrer-Club ADAC begrüßt das neue EU-Reifenlabel. Es informiere Autofahrern mit wenigen einprägsamen Symbolen. „Zusätzlich werden die Käufer für Faktoren wie Umweltschutz und Fahrsicherheit sensibilisiert, die sie mit ihrer Kaufentscheidung nun bewusst beeinflussen können“, erklärte der ADAC.

Autofahrer sollten aber nicht nur auf das neue EU-Kennzeichen schauen, wenn sie neue Reifen kauften. Der der Lobbyverband der Autofahrer rät, Reifentests heranzuziehen.

Auch für Lkw- und Nutzfahrzeugreifen

Zudem müssten die Informationen der Reifenhersteller regelmäßig überprüft werden. Sonst sei der Nutzen des EU-Labels „fraglich“.

Der ADAC verweist darauf, dass die Reifenbranche ihre Reifen selbst prüfe – nach festgelegten Verfahren. Unabhängige Institute prüften diese Klassifizierung.

Die neue EU-Kennzeichnung ist übrigens nicht nur für Autoreifen Pflicht. Auch Besitzer von Nutzfahrzeugen und Lastern können sich künftig einen schnellen Überblick verschaffen, welche Spritspar- oder Lärm-Eigenschaften Reifen haben.

Sabine Brendel



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