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Ratgeber: Reifenpanne

17.09.2012 | 06:45 Uhr
Foto: /ddp images / dapd/dapd

Statistisch betrachtet trifft eine Reifenpanne einen Autofahrer einmal in zehn Jahren. Doch wie immer bei Statistiken ist dies nur die halbe Wahrheit. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tritt ein Reifenschaden immer dann auf, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen kann. Dann ist der Ärger groß, denn platte Pneus kosten Zeit, Nerven und Geld.

Stuttgart (dapd). Statistisch betrachtet trifft eine Reifenpanne einen Autofahrer einmal in zehn Jahren. Doch wie immer bei Statistiken ist dies nur die halbe Wahrheit. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tritt ein Reifenschaden immer dann auf, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen kann. Dann ist der Ärger groß, denn platte Pneus kosten Zeit, Nerven und Geld. Solcher Stress lässt sich verringern, wenn man einmal für sich durchgespielt hat, was bei einer Panne zu tun ist. "Mit ein wenig Vorbereitung verlieren Reifenpannen ihren Schrecken", schildert Hans-Jürgen Götz von der Sachverständigenorganisation GTÜ in Stuttgart seine Beobachtungen.

Kommt das Unheil Knall auf Fall, heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren, das Lenkrad festzuhalten, weiter geradeaus zu fahren und gefühlvoll zu bremsen. "Nach und nach das Tempo reduzieren und den rechten Straßenrand anpeilen", empfiehlt Daniel Bott vom ADAC in solchen Fällen: "Auch mit einem geplatzten Reifen rollt das Auto noch halbwegs kontrolliert." Ein naher Rast- oder Parkplatz sei für den Reifenwechsel sicherer als die Standspur einer viel befahrenen Autobahn. Fahrzeuge mit sogenannten Run-Flat-Reifen können getrost die nächste Werkstatt ansteuern. Die innen mit zusätzlichen Gummiteilen ausgestatteten Pneus haben Notlaufeigenschaften. Bei der Werkstattsuche hilft die Smartphone-App "Kfz mobil". Sie findet sich auf der Website des Zentralverbandes Deutsches Kfz-Gewerbe (www.kfzgewerbe.de/app).

"Ist am rechten Straßenrand oder auf der Standspur Endstation, gelten als Sicherheitsregeln: Warnblinker setzen, Motor aus, Handbremse anziehen, ersten Gang einlegen, Warnweste anziehen, Warndreieck circa 100 Meter hinter dem Wagen aufstellen, alle Insassen auf der zur Fahrbahn abgewandten Seite aussteigen lassen", zählt ADAC-Fachmann Bott auf.

Wo sich Wagenheber und Bordwerkzeug befinden, verrät die Gebrauchsanweisung. Dort ist üblicherweise auch vermerkt, worauf man im Pannenfall achten muss und wie der Radwechsel zu erfolgen hat. Mit einem Reifendichtmittel kann man vorübergehend die Mobilität sichern. "Kleinere Durchstiche von Schrauben oder Nägeln bis circa sechs Millimeter lassen sich abdichten", weiß Hans-Jürgen Götz von der GTÜ. Die Handhabung ist einfach: Zumeist befindet sich am Schlauchende ein Füllstück, das direkt auf das Ventil geschraubt wird. Durch den Druck auf das Flaschenventil wird das Dichtmittel in den Reifen gepumpt und gleichzeitig ein gewisser Fülldruck hergestellt. Danach muss das Auto sofort bewegt werden, um das Dichtmittel im Reifen zu verteilen. Inhalt und Fülldruck reichen nur bei kleinen Reifen aus. Achtung: "Eine anschließende Reparatur des Reifens ist ausgeschlossen", betont Götz.

Bei einem Pannenset, wie es bei vielen Autos inzwischen zur Grundausstattung gehört, ist eine zuverlässige Abdichtung von kleineren Schäden durchaus möglich. Der Fremdkörper muss vorher entfernt werden. Der integrierte und über den Zigarettenanzünder betriebene Kompressor schafft es, den Reifen bis zum vorgeschriebenen Fülldruck aufzupumpen. Es gibt verschiedene Versionen, bei denen entweder das Dichtmittel sofort mit in den Reifen geblasen oder nach Entfernen des Ventileinsatzes zunächst von Hand eingefüllt wird. Wie beim Einsatz eines Dichtmittels aus der Dose ist danach auch hier eine reguläre Reifenreparatur nicht mehr möglich.

Egal, ob der Schaden per Pannenset, Not- oder Reserverad behoben wurde, "das Auto sollte mit maximal Tempo 80 zur fachmännischen Hilfe oder Kontrolle in die nächste Werkstatt gefahren werden", legt der ADAC-Fachmann Autofahrern ans Herz und warnt: "Beim Einsatz von Noträdern oder Ersatzräder mit anderer Reifengröße können bei längeren Distanzen und hohen Geschwindigkeiten Schäden am Differenzial auftreten". Einen höchst nützlichen Praxistipp steuert GTÜ-Mitarbeiter Götz bei: "Für alle Fälle sollten in Paar Handschuhe sowie einen Müllsack für das ausgewechselte Rad an Bord sein." Das bewahre vor unliebsamen Verschmutzungen.

Einen defekten Pneu kann man reparieren. Allerdings nicht alle Schäden und keinesfalls in Heimarbeit. Reifenreparaturen seien immer ein Fall für den Fachmann, sagt Hans-Jürgen Drechsler vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). Die Voraussetzungen für eine Reparatur seien gesetzlich in der "Richtlinie für die Instandsetzung von Luftreifen" geregelt. Eine Liste hierfür qualifizierter Betriebe findet sich im Internet (www.reifen-kompetenz.de).

dapd

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