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Verkehrssicherheit

Ramsauer denkt an Helmpflicht für Radfahrer

18.10.2011 | 15:41 Uhr
Ramsauer denkt an Helmpflicht für Radfahrer
Fahrradhelme sind nur in wenigen Ländern Europas wie in Schweden vorgeschrieben. Foto: Fotopool

Berlin.   Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat Radfahrern mit der Einführung der Helmpflicht gedroht, falls sie nicht verstärkt freiwillig den Kopfschutz tragen.

Wenn sich die Quote in den nächsten Jahren nicht auf mehr als 50 Prozent erhöhe, „dann muss man fast zu einer Helmpflicht kommen“, sagte CSU-Politiker Ramsauer. Zurzeit tragen neun Prozent aller Radfahrer einen Helm. Die FDP plädierte für eine Helmpflicht für Kinder.

Jährlich kommen bei Verkehrsunfällen 450 Radfahrer ums Leben, jeder zweite durch eine Kopfverletzung, die mit einem Helm möglicherweise vermeidbar gewesen wäre. Ramsauer sagte, ihm widerstrebe es zwar, weitere Vorschriften zu erlassen. „Auf der anderen Seite stehen aber vielleicht Hunderte Leben, die damit gerettet werden“, fügte er hinzu. Seit 1976 gilt in Deutschland eine Helmpflicht für Motorradfahrer, seit 1978 für Mopedfahrer, seit 1985 auch für Mofafahrer und seit 1980 werden bei Nichtbeachtung ein Bußgeld fällig. Seitdem sind die Verkehrsopferzahlen der motorisierten Zweiradfahrer drastisch gesunken.

Ramsauer sagte, er setze auf die Freiwilligkeit, kenne aber die Diskussionen etwa zwischen Eltern und Kindern aus eigener Erfahrung. In seinem Verkehrssicherheitsprogramm, das im November neu aufgelegt werden solle, werde deshalb zwar die Helmpflicht thematisiert, aber noch nicht verordnet. Er warnte davor, dass auch aus der EU-Bürokratie eine Regelung kommen könne, die dann umgesetzt werden müsse.

Fahrradclub ADFC ist gegen eine Helmpflicht

„Offen für eine klare Helmpflicht für Kinder“ zeigte sich FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic. Der „Saarbrücker Zeitung“ sagte er, alles andere könne aber nur „die Ultima Ratio sein“. Auch die Liberalen seien besorgt über die hohe Zahl an Unfallopfern unter Radfahrern. Ablehnend äußerte sich der ADFC. Die Helmpflicht führe nur dazu, dass weniger Menschen das Rad nutzten und „alles noch gefährlicher wird“, sagte eine Sprecherin des Fahrradclubs der Zeitung. Die Hannelore Kohl Stiftung, die sich um schwer Nerven- und Schädelverletzte kümmert, sieht bei einer Helmpflicht rechtliche Nachteile für ohne einen Kopfschutz Verunglückte.

in Schweden gilt eine Helmpflicht für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre

In Schweden gilt seit sechs Jahren eine Helmpflicht für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Versprochen hatte man sich davon, dass weniger der jüngeren Radfahrer verunglücken und mehr ältere dem Vorbild folgen. Der Nachahmungseffekt ist jedoch ausgeblieben. Im Gegenteil sehen es Jugendliche als Zeichen des Erwachsenwerdens, wenn sie ohne Helm fahren können.

Laut Erhebung des Verkehrsamtes tragen rund 75 Prozent aller Stockholmer Radfahrer einen Helm. In Göteborg sind es über 50 Prozent. Im ganzen Land sind es dann freilich nur noch 27 Prozent. Die Tendenz ist über die Jahre steigend, wenn auch langsam.

Eine Untersuchung des Verkehrsamtes, die dem Gesetz zugrunde lag, ergab, dass die Anzahl der Kopfschäden von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr jährlich um 223 Fälle sinken würde. Ein bis zwei Jugendliche würde die Helmpflicht jährlich das Leben retten, hieß es. Insgesamt kommen gegenwärtig rund 3000 Personen jährlich bei Fahrradunfällen in Schweden mit seinen knapp zehn Millionen Einwohnern zu schaden. 25 davon sterben durch die Folgen des Unfalls. Eine statistische Auswertung der Auswirkungen der Helmpflicht für Jugendliche gibt es bislang nicht. Die Gruppe der Betroffenen sei ohnehin viel zu klein, um Effekte messen zu können, kritisieren Verkehrssicherheitsexperten heute.

Helmpflicht wird kaum kontrolliert

Die in Schweden dominierenden Bürgerlichen propagieren mehr Entscheidungsfreiheit der Bürger. Da passt die Helmpflicht für alle Radfahrer nicht ins Bild. Stattdessen wird geprüft, ob Radfahrern zusätzliche Freiheiten eingeräumt werden könnten, etwa das Rechtsabbiegen bei Rot.

Auch Kontrollen der Helmpflicht bis zum 15. Lebensjahr erwiesen sich als schwierig. Die Polizei geht davon aus, dass es wichtigere Vergehen gebe. Zudem sind Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr noch nicht strafmündig. Anzeigen wären ohnehin folgenlos. „Ich glaube, seit das Gesetz erlassen wurde, mussten nur zwei bis drei Eltern in ganz Schweden Strafen zahlen, weil deren Kinder keinen Helm aufhatten“, sagt auch Verkehrsexpertin Mona-Lill Landström. (mit dapd)

A. Anwar/G. Heidecke

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Kommentare
21.10.2011
09:55
450 tote Radfahrer jährlich
von alfredpryka | #57

Das geht nicht weit genug. Ich fordere Helmpflicht für Fußgängerund im Winter Winterschuhpflicht .

19.10.2011
14:06
450 tote Radfahrer jährlich
von sak1 | #56

man merkt das die politik nur von lehrern und juristen gelenkt werden, wir werden mit schwachsinnigen gesetzen überhäuft!

19.10.2011
12:02
450 tote Radfahrer jährlich
von hoppenstett | #55

Nur weiter so.
Bald muss wohl jeder Fußgänger im Ganzkörperkondom gepolstert sein.
Natürlich mit Helm und Mundschutz.
Ja ne, is klar.

19.10.2011
09:30
450 tote Radfahrer jährlich
von Stadewaeldchen | #54

Einer Australischen Studie zu Folge könnten Autohelme deutlich mehr Leben retten, als Gurt und Air-Bag. Daher: Autohelmpflicht jetzt!

das Risiko, als Fußgänger schwere Kopfverletzungen zu erleiden ist höher, als bei radfahrern. Deshalb: Fußgängerhelm jetzt!

www.autohelm.ch

19.10.2011
08:46
450 tote Radfahrer jährlich
von wgrobi | #53

Bescheuert, die Deutschen

19.10.2011
08:15
450 tote Radfahrer jährlich
von mrmenta | #52

Ich lach mich schlapp, Türkische Mitbügerinnen mit Kopftuch und dann Helm auf? wie soll das denn aussehen.

19.10.2011
08:03
450 tote Radfahrer jährlich
von aljoscha | #51

hätte nichts gegen eine Helmpflicht - das Problem liegt aber größtenteils bei den vielen rücksichtslosen Autofahrern die zumindest in Kauf nehmen, Radfahrer zu gefährden - Vorfahrt nehmen und viel zu schnell und zu dicht an Radfahrern vorbei fahren - rote Ampeln ignorieren - da muss man sich nicht wundern, dass manche Radfahrer sich auch nicht an Verkehrsregeln halten - warum auch, wenn Autofahrer es auch nicht tun? Ich bin zwar für Verkehrsregeln einhalten, ist aber dann schwierig wenn man als Radfahrer insbesondere im City-Bereich benachteiligt wird...

19.10.2011
06:42
450 tote Radfahrer jährlich
von lANDES | #50

Wenn schon Helmpflicht dann bitte auch Knie, Ellbogen und Handschoner. Zusätzlich Versicherungspflicht und höhere Krankenkassenbeiträge, natürlich auch eine Fahradsteuer für die Benutzung der Straßen.
Radfahrer sind ja in dieser Beziehung alle Schmarotzer.
Da man gerade so schön dabei ist muß es natürlich auch Protektoren für Fußgänger geben, ich denke an Unfallverhütungsschuhe mit umknikschutz und Stahlkappen.
Die Schuhe lassen sich sicher noch mit einem Schrittzähler ausrüsten den man zu Berechnung der Bürgersteigmaut benutzen Kann.
Warum muß alles reguliert werden?
Wir können auch Porsche und Ferraris auf 80Km/h begrenzen um die Fahrer zu schützen!!!!!

18.10.2011
22:49
450 tote Radfahrer jährlich
von fsch | #49

Ich trage freiwillig seit Jahren auf jeder Radelstrecke meinen Fahrradhelm, aus der Einsicht heraus, dass die meisten schweren Verletzungen beim Radunfall eben Kopfverletzungen sind.

Ansonsten wäre es für die Gesundheit der Rad fahrenden Bevölkerungsteile deutlich förderlicher, wenn Verkehrswege, insbesondere innerstädtisch, auch die spezifischen Bedürfnisse der Drahteselfraktion berücksichtigen würden. Bislang sind Radler und Fußgänger meist geduldetes Beiwerk, das einen reibungslosen Verkehrsfluss bei 70 Stundenkilometern stören könnte.

Und ich will nicht auf 25 km/h beschränkt werden, nur weil Washuber nicht schneller kann.

18.10.2011
22:47
450 tote Radfahrer jährlich
von justuser | #48

@ # 47

Genau! :-)

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